Du bist im Reisefieber, weisst aber nicht so recht wie lange du verreisen möchtest? In einer einzigen langen Reise die ganze Welt oder grosse Teile davon zu bereisen, hat sicherlich einen Reiz für sich und echten Globetrotter-Charakter. Doch es birgt auch Nachteile.

Da ist er, der grosse Traum von der grossen Reise. Hat sich lange geformt, entwickelt, vergrössert, bis es nur noch die Eine gab. Die Weltreise. Lange möchte man weg, möglichst ein paar Monate, vielleicht sogar ein Jahr.

kleine reise
Mit dem Rucksack monatelang unterwegs (Foto: Keystone / Don Fuchs)

Möglichst viele Kontinente, Länder und Städte bereisen, das Erlebnis maximieren. Denn nur dann ist man ein richtiger Reisender und macht nicht „bloss Ferien“. Und das fühlt sich echter, authentischer an. So jedenfalls habe ich es erlebt.

Damit habe ich aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Musste ich doch feststellen, dass man auf einer langen Reise mit der Zeit das Erlebte nicht mehr richtig verarbeiten kann, es wird einfach zu viel. Heute in Tokio, morgen im Outback von Australien und übermorgen in China? Abgesehen vom Kulturschock, den man dabei erlebt, besteht doch die Hälfte des Spasses darin, die neuen Sinneseindrücke nochmals Revue passieren zu lassen, sich das Gesehene und Erlebte nochmals vor Augen zu führen, in Erinnerungen zu schwelgen. Hat man aber Tag für Tag, Woche für Woche ein volles Programm, bei dem man früh aufsteht und spät ins Bett fällt, bleibt einem dafür keine Zeit. So kann es passieren, dass die Reise nach einiger Zeit einen irrealen Charakter bekommt. Man kann es gar nicht glauben, was in den letzten Wochen und Monaten alles passiert ist und erinnert sich nur noch mit Mühe an die Details.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle all jenen Mut machen, die, vielleicht aus beruflichen, finanziellen oder familiären Gründen, „nur“ kurze Reisen unternehmen können: Es hat auch seine Vorteile. Nehmt euch die Zeit, die Ihr könnt und macht das Meiste daraus. Bereist dabei nur ein Land auf einmal und kostet dies voll aus. Und für die nächsten Ferien nehmt Ihr euch ein anderes Land vor. Denn: Auch mit kleinen Schritten kommt man ans Ziel, es braucht einfach ein wenig mehr Geduld.

Ich persönlich habe eine grosse Reise hinter mir. Und obwohl ich sie keinesfalls missen möchte, musste ich doch lernen, dass die Intensität des Erlebnisses nach einiger Reisezeit verblasst. Das Neue wird zur Routine, jeden Morgen in einem anderen Bett aufzuwachen zur Normalität. Man gewöhnt sich eben auch an das Ungewöhnliche. Schade.

Dennoch bereue ich meine Wahl nicht, eine solch grosse Reise war ein einmaliges Erlebnis. Beim nächsten Mal versuche ich es aber mit kleinen Reisen und zusammen ergibt dies dann wieder eine Grosse. Wer sagt denn, dass man zwischen den Reisen lange wieder daheim sein muss?

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Kommentare

  • Karin

    Liebe Andrea
    “Man gewöhnt sich eben auch andas Ungewöhnliche.” Ja, dem möchte ich beipflichten. Lange Reisen ermüden den Geist und lassen die vielen neuen Eindrücke immer schneller verblassen. Das ist nicht nur schade, sondern wird auch dem Anspruch nicht gerecht, die Welt zu entdecken, was das Ziel vieler Langzeitreisender ist.
    Nun, was ich persönlich wiederum aber sehr spannend finde, ist längere Zeit im selben Land zu verbringen. Dann nämlich entwickelt sich mit der Zeit ein Gefühl für den zwischenmenschlichen Umgang, dafür, wie es dort so läuft, wie die Leute Leben, was sie beschäftigt, was sie freut und was sie sorgt. Vielen Facetten eines Landes, welche man aus ersten Eindrücken nicht gewinnen kann, bereichern dann das Bild und das Reisen wird sehr intensiv. Was will man mehr…

    2. Januar 2008 at 12:20
  • Michael Turzynski

    Persönlich tendiere ich eher zu kürzeren Reisen. Ich war zweimal recht lange weg. (Einmal 6 Wochen USA/Kanada und einmal 5 Wochen Australien+ Neuseeland+Indoniesen) Während die 6 Wochen USA problemlos waren, war nach Neusseland die Einstellung auf Indonesien recht schwierig, zumal sich in der Zwischenzeit die politische Lage zum Schlechteren entwickelt hatte. Abgesehen von organisatorischen Problemen (man bekommt meistens kein Sabbatical) verbunden mit der Problematik des beruflichen Wiedereinstiegs war zumindest früher das Informationsproblem nicht zu unterschätzen. Auch wenn es insgesamt gesehen natuürlich teurer ist – ich habe lieber eine Weltreise auf Raten gemacht. Gemacht? Naja, schon einen recht großen Teil der Welt. Aber wann ist eine Weltreise zu Ende? Eigentlich nie. Der Name suggeriert zwar, daß man die ganze Welt gesehen hatte. Es ist aber mitnichten so. Weder bei der einen noch bei der anderen Variante.

    29. Juni 2009 at 13:11

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