Von Dusan Milakovic am 8. Juli 2008 um 8.00 Uhr
Kategorien: Reiseberichte & Insider

Belgrad kennt man eigentlich nur aus den Nachrichten. Doch die Stadt zwischen Save und Donau hat noch mehr zu bieten. Vor allem gilt es, einen Ruf zu retten.

Mit dem Eurovision Songcontest erhielt Belgrad (im Prinzip ganz Serbien) die Chance, sich als weltoffene, charmante, junge Stadt zu präsentieren. Es ist ihr gelungen!

Auf dem ganzen Balkan gelten die Belgrader gemeinhin als das “partyfreudigste” und orginellste Völkchen, denn langjährige Entbehrungen und Isolation brachten einen derartigen Sinn für Improvisation empor, dass man dies in der Tat neidvoll anerkennen muss: Die Belgrader halten ihren Moloch so gut es geht sauber und sorgen auch dafür, dass in “der Stadt, die niemals schläft” (wie die serbischen Hauptstädter ihre Stadt selber nennen), rund im die Uhr etwas los ist.

Zuerst einmal gilt es, sich ein differenziertes Bild der Hauptstadt Serbiens zu machen. Vor allem wir Schweizer nehmen an, dass dort “unten” (auf dem Balkan) Trainingsklamotten als Anzüge gelten und die Menschen die Kopfform eines Tetrapaks haben. Weit gefehlt! Gerade eben fällt mir ein, wie ein Studienkollege mir einmal versicherte, er habe noch nie so viele schöne Menschen (vor allem Frauen) auf ein Mal gesehen wie in Belgrad (Sarajevo nehmen wir hier mal aussen vor!).

Nach der Ankunft am Flughafen Surcin (Belgrads Flughafen, neu heisst er Flughafen Belgrad Nikola Tesla) kommt das Gefühl auf, man sei irgendwo auf dem Land gelandet. Der Flughafen entspricht wohl in keiner Weise den Erwartungen an eine Zweimillioneneinwohnerstadt! Schon eher fühlt man sich in tiefster anatolischer Provinz… Doch das täuscht. Die obligate und überrissene Taxifahrt ins Stadtinnere lohnt sich auf alle Fälle, schliesslich ist schon diese Autofahrt ein Erlebnis. Auf die Frage, ob es denn keinen Gurt zum Anschnallen gäbe, erwidert der Taxifahrer, dass es schon einen gäbe, dieser aber nicht funktioniere – nur wenn er die Polizei erwarte, würde er ihn umlegen, und auch das nur zum Schein… “O Gott!”, denkt sich der Schweizer.

Kapija

(Foto: Wikipedia)

Nach einer halben Stunde erreicht man jedoch die Kapija, das überdimensionale Tor zu Belgrad, ein Monumentbau der in Serbien immer noch verschmähten und doch vermissten Kommunisten. Die Durchfahrt durch Novi Beograd ist sicherlich kein Augenschmaus, doch ein Mahnmal und Zeitzeuge zugleich – so weit darf die moderne städtische Architektur nie wieder gehen, geht einem durch den Kopf: Plattenbauten, wohin das Auge reicht…

hoteljugoslavija

Auf einer der zahlreichen Brücken überquert man die Save und verlässt Neu-Belgrad, um auf der anderen Seite das “echte” alte Belgrad zu bestaunen. Die Stadt erscheint riesig und ist – wie oben schon erwähnt – ein Moloch. Doch der Charme versteckt sich hinter grauen Häuserfassaden und dreckigen Strassen. Er liegt in den unzählbaren Flossen an Save und Donau, wo man vorzüglich essen, trinken und vor allem tanzen kann. Ein Floss reiht sich dort ans andere. Es wird empfohlen beim Hotel Jugoslavija (Neu-Belgrad) zu starten und bis ins Stadtinnere zu gehen. Der Donau entlang erreicht man auch die “Grosse Kriegsinsel“, die Schauplätze vieler mittelalterlicher und neuzeitlicher Schlachten war.

Flosse auf der Save

(Foto: Chantal Landis)

Überhaupt ist Belgrad eine Trouvaille für Geschichtsinteressierte. An der jahrhundertealten Grenze zwischen byzantinischem (später osmanischen) und habsburgischem Reich sind zahlreiche Zeugen verschiedener Herrschaften erhalten geblieben. Allen voran erstrahlt die türkische Festung Kalemegdan im alten Glanz, wobei sie eindeutig der Geschichte (aber auch balkanisch-kommunistischer Gleichgültigkeit) Tribut zollen musste.

Kalemegdan

(Foto: Chantal Landis)

Das wären mal einige Infos zur weissen Stadt – weitere folgen bald…

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