Von Dusan Milakovic am 28. November 2008 um 8.00 Uhr
Kategorien: Brasilien, Deutschland, Reiseberichte & Insider

Deutsche in Brasilien? Und das nicht nur Flüchtlinge aus dem Zweiten Weltkrieg? Wo denn? Genau, in Blumenau!

Mitte des 19. Jahrhunderts von einem deutschen Apotheker gegründet, geniesst die Stadt heute in Brasilien den Ruf, „exotisch“ zu sein – tja, eben…für Südamerikaner natürlich!

Beim Eintreffen im Busbahnhof bleibt einem das Fremde nicht verborgen: Der Taxifahrer (er könnte Horst heissen) spricht brasilianische mit einem derart starken deutschen Akzent, dass ich ihn sofort frage, ob er Deutsch spricht – aber nein, er könne kein Deutsch, sein Vater hätte es ihn nicht gelehrt. Der Akzent sei in der Stadt üblich… No Comment.

Das sonst eher unansehnliche Städtchen – warum nach Brasilien, wenn wir es in der Schweiz sozusagen vor der Hütte haben – zieht einen trotzdem sofort in Bann: Überall wird deutsche Kultur angepriesen! Es ist der Tourismus, der die Stadt fest im Griff hat. Die Industrie ist weitgehend futsch, weshalb man sich an den einzigen USP der Stadt krallt: den deutschen Touch.

Und deshalb gibt es auch jedes Jahr – analog zum Münchner – ein Blumenauer Oktoberfest – laut Wikipedia „mit über 6000000 Besuchern […] das nach dem Karneval in Rio zweitgrösste Volksfest Brasiliens“. Ist aber alles nur Show? Oder wird das Deutschtum auch wirklich gelebt?

Der Test: Weiss die afrobrasilianische Verkäuferin, was ein Eisbein ist? Hehe, sie weiss es natürlich nicht…

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