Von Andrea Schmits am 15. April 2009 um 8.00 Uhr
Kategorien: China, Reiseberichte & Insider

Vor nicht allzu langer Zeit berichteten wir über Sehenswürdigkeiten, die man getrost auslassen kann. Was in dieser Liste fehlte, die unter anderem Stonehenge und den schiefen Turm von Pisa umfasst, waren meines Erachtens die Terrakotta-Krieger im chinesischen Xi’an. Während die Armee von den meisten Reiseführern als “Highlight jeder Chinareise” angepriesen wird, halten sie viele, die dort waren für überschätzt – mich eingeschlossen.

In erster Linie sind die Krieger die lange Anreise nicht wert; China ist ja nicht gerade klein. Zweitens hat die Stadt ansonsten nicht viel zu bieten, ausser vielleicht die mingzeitliche Stadtmauer, die zu einem Spaziergang mit Blick in die alten Stadtviertel einlädt. Nur deswegen fährt aber sicher niemand hierhin. Wir jedenfalls kamen extra wegen der Krieger, die sich rund 35 Kilometer ausserhalb der Stadt befinden und buchten im Hotel eine Tour.

In der Region gibt es scheinbar aber weitere “Sehenswürdigkeiten”, denn auf dem Weg zur Terrakotta-Armee hielten wir noch an fünf weiteren Orten an, unter anderem bei einem Mausoleum und einem geisterbahn-ähnlichen Museum. Um was genau es sich bei diesen Orten allerdings handelte, fanden wir nicht heraus – die Tour war nämlich auf chinesisch und auch in unserem Reiseführer stand nichts darüber. Einzig die Parkanlage der Thermalquellen Huaqing lohnte sich. Hier soll seit 2800 Jahren mineralhaltiges und etwa 43 Grad heisses Wasser aus dem Boden sprudeln, in dem sich schon die Tang-Kaiser mit ihren Lieblingskonkubinen zu entspannen wussten.

Die Terrakotta-Armee schliesslich befindet sich auf einem weitläufigen Areal und besteht aus 7278 lebensgrossen Soldaten, denen Pferde, Kriegswagen und echte Waffen beigegeben sind. Es handelt sich um die Darstellung einer vollständigen Armee der damaligen Zeit. Die verschiedenen Ränge sind an unterschiedlichen Uniformen erkennbar. Bemerkenswert ist ausserdem, dass alle Figuren individuell gestaltet sind. Entdeckt wurde die über 2200 Jahre alte Anlage vor 35 Jahren – und zwar rein zufällig von Bauern.

Auf die Gefahr hin, dass nun viele protestieren: So faszinierend die Terrakotta-Armee auch sein mag, eine Anreise von zwölf bis 19 Stunden (mit dem Zug von Peking oder Shanghai)  ist sie meiner Meinung nach nicht wert. Sieht das jemand anders? Ich bin gespannt.

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