Von Udo Habermann am 28. April 2009 um 7.30 Uhr
Kategorien: Reiseberichte & Insider, USA

Tag 4: Bartlesville, OK – Kansas City, MO

In Bartlesville waren es Kirchglocken, die uns weckten. Wir erwachten im Price Tower (Foto). Dieses ehemalige Bürogebäude wurde 2003 in ein Boutique-Hotel umgewandelt und zieht seither Heerscharen von Architekten und deren Reisebegleiter an. Denn bei diesem Wolkenkratzerlein handelt es sich um das allereinzige Hochhaus Frank Lloyd Wrights.
Es war fast zehn Uhr, und wir spurteten nach oben fürs Frühstück, wo wir informiert wurden, dass dieses ausschliesslich auf dem Zimmer serviert würde. Auch die Bestellung könne bloss von daselbst entgegenggenommen werden. Zurückspurten ins Zimmer, bestellen! Ebensoschnell machten wir uns übers Frühstück her, denn um elf Uhr begann bereits die erste Führung des Tages (im Hotelpreis inbegriffen).
Der Price Tower war ursprünglich in den 1920-Jahren für Manhattan geplant worden. Aufgrund der Grossen Depression wurde der Setzling jedoch nach Oklahoma gebracht und dort in die Erde gesetzt. Wright hat das Hochhaus deshalb auch gerne beschrieben als “ein Baum, der dem engen Wald entkommen ist”.
Der Tower ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Konventionellerweise werden in Gebäuden mit Mehrfachnutzung die Büros im unteren Teil und die Wohnungen im oberen Teil gebaut. Frank Lloyd Wright machte sich jedoch nie etwas aus Konventionen. Er mischte Büros und doppelstöckige Wohnungen durcheinander. Dies führt teilweise zu Türen, deren Rahmen nur wenig höher sind, als diejenigen im siebeneinhalbten Stocks des Films “Being John Malkovich”. Die Aufzüge mit trapezartigen Grundrissen sind auch nicht gerade weiträumig. So mussten viele Möbel per Kran in die Räume transportiert werden, bevor die Aussenwände fertiggestellt waren. Teilweise wurden sie auch erst innerhalb der fertiggestellten Räume zusammengesetzt oder -geschreinert.

Was uns am Morgen noch verwehrt blieb, erlaubte man uns für das Mittagessen: den Besuch des Restaurants. Ein Gericht namens “deconstructed steak salad” lenkte zwar unsere Blicke auf sich, regte unseren Appetit aber nicht besonders an.
Bereits gewöhnt an Autofahrten mit vollem Magen, machten wir uns auf Richtung Kansas City. Diese direkt an der Grenze zu Kansas liegende Stadt liegt eben nicht, wie ihr Name vermuten liesse, in Kansas sondern in Missouri und ist auch dessen grösste Stadt. Missouris Bundeshauptstadt hingegen ist Jefferson City.
Wir fuhren direkt zu unserer nächsten Unterkunft, dem Hotel Phillips downtown, wo wir um halb sechs ankamen. KC ist eine überraschend weitläufige Stadt mit mehreren Zentren. Wo essen? Ein Bekannter von Udos Architektenfreund war vor einigen Monaten hier und empfahl uns ein Restaurant namens “Bluestem”. Also reservierten wir über “Open Table” einen Tisch für zwei und sassen einige Minuten später im Taxi. In der Schweiz gibt es übrigens erst eine Handvoll Restaurants in Genf und Zürich, die bei “Open Table” mitmachen. Wir genossen das Tasting Menu und liessen inklusive Wein 100 Dollar pro Nase liegen. Im Vergleich mit ähnlichen Restaurants in Städten wie San Francisco , Los Angeles oder New York eine angemessene Summe – vor allem für eine Küche, die sich “progressive american cuisine” nennt…

Um uns auf den kommenden Tag einzustimmen, baten wir den Taxifahrer, beim Nelson Atkins Museum einen Zwischenstopp einzulegen, um die Lichtinstallation am von Steven Holl entworfenen Erweiterungsbau zu bewundern, wo aus dem Boden ragende Prismen oder Linsen tagsüber Sonnenlicht in die Ausstellungsräume strömen lassen, nachts jedoch selber Licht verströmen.
Es war Mittwoch und die besten Venues im Jazz District westlich down town hatten geschlossen. Also entschieden wir uns für einen letzten Halt im “Jardine’s”, wo ein Jazz Quartett mit Sängerin spielte. Zum Abschluss sang sie Charles Trenets Ballade “La Mer”, das in den Staaten dank Frank Sinatras Zeitgenosse Bobby Darin berühmt geworden war.
In jeder Hinsicht gesättigt, bereiteten wir uns mit einer gründliche Portion Schlaf auf den kommenden Tag vor.

(Was wir an den vorhergehenden Tagen erlebten, steht hier und hier und hier.)

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