Von B. Jäger-Dabek am 30. September 2009 um 13.00 Uhr
Kategorien: Reisetipps, Russland

Vor der politischen Wende und dem Ende des Ostblocks war Sochi der Prominentenbadeort der osteuropäischen Nomenklatura und gleichzeitig Traumziel fast aller Osteuropäer – einmal nach Sochi ans Schwarze Meer, sich vom warmen, mittelmeerähnlichen Klima verwöhnen lassen, einmal unter Palmen flanieren und an den kilometerlangen Stränden relaxen! Was vor zwei Jahrzehnten ein oft unerfüllter Traum blieb, ist heute ganz einfach. Buchen, Visum besorgen, hinfliegen, fertig.

Die Russische Riviera ist rund 300 Kilometer lang und erstreckt sich von der georgischen Grenze bis hin zur Hafenstadt Noworossijsk. Diese Region stellt das nördlichste subtropische Klimagebiet der Erde dar und verwöhnt sonnenhungrige Urlauber mit einem Klima wie am Mittelmeer.

Das warme Schwarzmeerwasser hält die Temperaturen im Winter moderat, während die kühlenden Fallwinde von den Bergen die Sommertemperaturen erträglich halten. Trotz der Nähe des Kaukasus dauert die Badesaison in Sochi von April bis November, während man ab Mitte Oktober bis in den Mai hinein in den Bergen oberhalb von Sochi Wintersport betreiben kann. Dem warmen Wasser des durchschnittlich 1000 Meter tiefen Schwarzen Meeres werden auch heilsame Kräfte zugeschrieben. Zahlreiche Kur- und Badeorte haben sich inmitten der für Russland exotischen Vegetation mit ihrer ganzjährigen Blütenpracht zwischen Palmen, Zitronen und Bananen angesiedelt.

Hinter seinen gut 30 Kilometer langen fast schwarzen Sandstränden liegt Sochi malerisch zu Füssen einer grandiosen Kaukasuskulisse. Einen Superlativ hält Sochi unangefochten: Mit einer Ausdehnung  von über 145 Kilometern entlang der Küste des Schwarzen Meeres zwischen dem Fluss Schepsi im Nordwesten bis zum Fluss Psou im Südwesten, der schon der die Grenze zu Georgien markiert, ist Sochi die wohl längste Stadt Europas.

Das “Russische Nizza” wurde Sochi früher genannt, oder die „Perle des Südens“. Die Stadt am Fusse des Kaukasus besitzt neben Wasser, Strand und üppiger Vegetation sehr viel Waldbestand und gehört mit 80 Prozent ihrer Fläche zum geschützten Kaukasischen Biosphärenreservat. An Naturreichtümern kommt noch die einzigartige Küstenlandschaft mit ihren Wasserfällen, eindrucksvollen Felsschluchten und geheimnisvollen Höhlen dazu, die bei Ausflügen ständig wechselnde Panoramen bieten.

In Sochi wird gebaut. Geld spielt keine Rolle, hier soll sich bei den olympischen Winterspielen 2014 ein wohlhabendes, weltoffenes Russland von seiner besten Seite zeigen. Besonders der Wintersportort Sochi wird milliardenschwer ausgebaut, seit die Stadt mit  dem 40 Kilometern vom Stadtzentrum entfernten Stadtteil Krasnaja Poljana den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2014 erhalten hat. Skitouristen profitieren davon heute schon, allerdings leider auch auf Kosten des Naturschutzes, denn der Grossteil der Sportanlagen wird sich im Biosphärenreservat befinden.

Nicht erst der gebürtige Georgier Stalin schätzte Sochi und liess hier seine Datscha errichten. Bis heute unterhält der russische Staat mit Botscharow Rutschei hier bei Sotschi eine Präsidentenresidenz, in der gern handverlesene, ranghohe Gäste empfangen werden.

Die Stadt Sochi bietet dem Besucher einen einzigartigen Mix von Kultur, Geschichte und Natur sowie eine ganze Reihe von möglichen Freizeitaktivitäten wie alle denkbaren Arten von Wassersport, Paragliding, Reiten und Wintersport.

Zum abendlichen Flanieren lädt in Sochi die baumbestandene Seepromenade, während der grosse Riviera-Park jederzeit Trubel und Amusement bietet. Nicht versäumen sollte man den Botanischen Garten mit seinen über 2000 subtropischen Gewächsen inmitten einer wunderschönen Anlage mit Alleen, Springbrunnen und allerlei Gewässern.

Sochi ist ein guter Standort, um die Russische Riviera und das Landesinnere zu erkunden. Einen schönen Panoramablick auf Sochi, das Schwarze Meer und den Kaukasus hat man vom 23 Kilometer ausserhalb der Stadt gelegenen Aussichtsturm auf dem Bolschoi-Achum–Berg.

Sehenswert sind auch die südlich von Sochi gelegenen und schon seit mehr als 1000 Jahren genutzten Thermalquellen von Matseda. Noch weiter nach Süden schliessen sich etliche weitere Kurorte und der beeindruckende Kaukasus–Naturpark an, der zu Exkursionen einlädt.

Im Norden von Sochi lohnt ein Ausflug nach Dagomys, einem neuen Urlaubsort, der inmitten bewaldeter Hügellandschaft mit subtropischer Vegetation und einer herrlichen Aussicht auf das Meer gelegen ist. Empfehlenswert ist dort auch der Besuch der nördlichsten Teeplantage der Welt, wo man den berühmten Krasnodar–Tee probieren kann.

Alle Fotos: Brigitte Jäger-Dabek

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