Von B. Jäger-Dabek am 18. November 2009 um 14.00 Uhr
Kategorien: Japan, Reiseliteratur

Es geht damit los, dass die Firma Herrn Hoffmann für ein paar Wochen nach Japan schickt. Er hält sich ja für einen Weltbürger, unser Herr Hoffmann, schliesslich hat er ja Tirol, die Balearen, Rimini, London und die US-Ostküste gesehen – und überall kam er mit seinen englischen Sprachkenntnissen und seiner Vorliebe für Schnitzel mit Pommes durch.

Ein bisschen verrückt sind die dort alle, das hat man ja im Fernsehen tausendmal gesehen. Ausserdem spielen sie Tischtennis und können Karate. Viel mehr weiss der 48-jährige Norddeutsche nicht. Aber das wird schon, denkt er, schliesslich wird es ja auch irgendwo in dem Land etwas anderes geben als nur rohen Fisch.

Der Ahnungslose! Es ist dabei fast gar nicht möglich für ihn, nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten und nicht rechts und links auf seinem Weg unzählige beleidigte Japaner zurückzulassen, die jetzt ihrerseits denken: Die spinnen, die Deutschen.
Ja, hätte er dieses Buch nur vorher gelesen! Da wäre es ihm besser ergangen, er wäre erfolgreicher gewesen und bei seinem Abflug von unzähligen traurigen Japanern verabschiedet worden.

Screenshot_Amazon“Die Axt im Chrysanthemenwald” von Andreas und Kerstin Fels hätte er lesen sollen, da wären ihm viele Fauxpas nicht passiert (hier die Website des Paares zum Buch). Das Buch der Japankenner erzählt im Plauderton ohne den erhobenen Zeigefinger über die Benimmfallen des Landes. “50 Wege sich in Japan zu blamieren” lautet der Untertitel des Buchs.
Kerstin und Andrea Fels lassen dabei ihren Protagonisten Hoffmann eine imaginäre Japanreise in 50 Episoden machen und lässt den Leser seine Blamagen erleben. Danach wird erklärt, was denn nun schon wieder falsch gelaufen ist und was Herr Hoffmann hätte besser machen können. Dazu gibt es Hintergrundinformationen, die einen tiefen Einblick in die Kultur und Denkweise der Japaner liefert.
Das Buch ist durchgehend mit einem Augenzwinkern geschrieben und sehr gut lesbar. Selten wird interkulturelle Kompetenz irgendwo so unterhaltsam rübergebracht, wie in diesem Buch. Jeder Japanreisende sollte es gelesen haben.

Andreas und Kerstin Fels: Die Axt im Chrysanthemenwald – 50 Wege, sich in Japan zu blamieren, erschienen im Conbook Verlag.

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