Von Rico Wyder am 4. Dezember 2009 um 14.00 Uhr
Kategorien: China, Reiseberichte & Insider

Wer meiner Route bis hierher folgt, der wird sich spätestens in Wuhan fragen: “Was will ich hier?” Wuhan ist eines der besten Beispiele für das moderne China. Die Stadt ist keine Perle. Und über die Landesgrenzen hinaus ist wohl nur die Tennisspielerin Li Na bekannt. Auch keiner meiner chinesischen Freunde würde mir jemals empfehlen, dort als Tourist hinzureisen. Geschäftlich? Ok. Aber für Sightseeing? Sie würden wahrscheinlich sagen: “Es gibt noch so viele schönere Orte in China!” Auf meiner Reise entlang des Yangtze-Flusses ist Wuhan aber ein Muss. Die Region blühte dank der Verbindung ins Meer und wurde auch in der Zeit des Kommunismus als industrielles Zentrum gefördert.

Wuhan ist, das gebe ich zu, fast nicht touristisch. Es ist einfach eine Grossstadt mit über vier Millionen Einwohnern. Im Sommer ist es hier heiss, sehr heiss sogar. Die Stadt ist, wohl noch heute, die einzige Stadt, die von sich behaupten kann, dass sie auf beiden Seiten des Yangtze-Flusses gelegen ist. Die drei Stadtteile sind mit riesigen Brücken verbunden. Eine Aussage in meinem Reiseführer, die ich leider nicht validieren konnte: Bevor man die Brücken über den Yangtze-Fluss gebaut hatte, wurden nebst Wagen und Waren ganze Züge mit Fähren über den Fluss transportiert; in China scheint alles möglich. Wer auf der “Big Bridge” steht, der sieht, dass Wuhan dank dem Yangtze tief im innern des Landes einen florierenden Handel betreiben kann.

Es gibt mehrere Quartiere, zum Beispiel eines im Stadtteil Wuchang, wo morderne Einkaufszentren und Shoppingmöglichkeiten gebaut wurden. Ich kann empfehlen, sich hier in Wuhan mit einigen Reiseandenken oder Geschenken einzudecken. Da hier keine Touristen zu erwarten sind, sind die Preise auch viel tiefer als in Shanghai oder Chongqing. Im Stadtteil Hankou rund um Zhongshan Dadao konzentriere ich meinen Aufenthalt. Hier gibt es einige historische Bauten, etwa den alten Bahnhof, aber auch gute Restaurants und einen grossen Strassenmarkt.

Wuhan ist eher ein Angelpunkt auf einer Reise als eine Touristenattraktion. Es ist jedoch ein eindrücklicher Ort, um das moderne China abseits von den bekannten Metropolen zu erleben.

Verweilen oder weiter?

Verweilen: Wer eine Auszeit braucht, aber lieber raus aus der Grossstadt möchte, dem empfehle ich eine kleine Erweiterung der Route in Richtung Nord-West. Per Zug gelangt man über Xiangfan zum UNESCO-Weltkultur-Erbe, dem Wudang Shan, einem Anziehungspunkt für viele Taoisten. Sowohl die Natur als auch die spirituelle Atmosphäre sind den Umweg wert.

Weiter: Von hier können Backpacker in die schönen südwestlich gelegenen Provinzen oder in den Norden Richtung Beijing oder Seidenstrasse. Wer hier durchkommt, der wird sicherlich nicht auf einer Pauschalreise unterwegs sein. Mein nächstes Ziel ist aber wieder ein Touristenmagnet: Per Zug geht es über Xiangfan nach Yi Chang. Von dort aus geht es mit der Fähre zum Drei-Schluchten-Staudamm.

Foto: 于/Yu 回/Hui licensed under the Creative Commons Attribution ShareAlike 2.0 License

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