Nachdem ich die eher säkulare Welt von Shiraz besucht habe, wende ich mich nun dem religiösen Erbe der Stadt zu. Dieser Rundgang beginnt hinter dem Basar Vakil mit der Vakil-Moschee. Diese ist, zusammen mit dem ehemaligen Hamam, ein Abstecher wert. Die Moschee ist die einzig übriggebliebene der Zand-Dynastie und wird noch immer genutzt. Bemerkenswert sind die zwei grossen Iwans, der grosse, ruhige Innenhof und auch die Gebetshalle.
Ich muss meinen Rucksack abgeben und werde durchsucht. Keine Fotos sind innerhalb des ganzen Areals erlaubt. Was ich mit meinem Auge dann aufnehmen darf, ist ein mystischer, wunderschöner Ort. Die Stille, das Treiben der vielen Leute und die Architektur nehmen einem den Atem. Ganz ehrfürchtig schreitet man hier über den riesigen Platz von Gebets- zu Andachtsraum.
Da ich meinen Rucksack wieder abholen muss, kann ich nicht durch den südlichen Ausgang in Richtung meines nächsten Ziels gehen. So wird die Suche durch die engen (und einsamen) Gassen der Altstadt zum Abenteuer. Am Ende finde ich die Jameh-ye Atigh-Moschee dann doch noch. Sie ist der älteste, islamische Bau in Shiraz. Inmitten der verwinkelten Altstadt ist hier kein Mensch zu sehen. Das ist mir fast ein wenig unheimlich. In der Mitte des Hofes dann der Höhepunkt: die Khodakhaneh (Haus Gottes) aus dem 14. Jahrhundert. Aus Stein erbaut, beherbergt es alte, wertvolle Schriften des Korans.
Durch das Labyrinth hindurch gehe ich wieder zum Basar und besuche in einem Hinterhof eine muslimische Schule. Leider ist auch diese geschlossen, doch die Aussenfassade war diesen kleinen Umweg wert. Ich glaube, ich habe in diesen Hinterhöfen und engen Gassen schon hundert Fotos geschossen. Es lohnt sich, einfach mal aus dem Basartreiben in die Seitengassen abzugehen. Ich besuche noch eine anglikanische und eine armenische Kirche. Für seine christlichen Bauten ist Shiraz nämlich auch bekannt. Die armenische Kirche ist leider geschlossen. Beide Kirchen sind eher im östlichen Teil der Innenstadt zu finden.
Nun, das sind die wichtigsten religiösen Stätten, die man in der Innenstadt besichtigen sollte. Drei Höhepunkte habe ich aber noch ausgelassen. Diese sind eher etwas ausserhalb zu finden. Als Erstes wäre da das Koran-Tor (siehe Bild oben). Es steht auf der nördlichen Hügelkette und bietet Ankömmlingen einen schönen Blick auf die Stadt. Begab man sich früher auf eine Reise, so betete man hier beim Verlassen der Stadt um Schutz. Wer nach Persepolis reist, der kommt hier vorbei.
Die zwei wichtigsten Persönlichkeiten aus Shiraz sind Hafes und Saadi. Beide haben ihren literarischen und philosophischen Teil zum Islam und zur persischen Kultur beigetragen. Ihre Grabstätten liegen nicht ganz im Zentrum, sind jedoch Orte der Begegnung und abends wunderschön beleuchtet. Wer einem Iraner erzählt, dass er in Shiraz war, der sollte auch behaupten können, dass er Saadi und Hafes die Ehre erwiesen hat. Es ist wirklich beeindruckend, wie sehr diese Poeten von den Iranern verehrt werden. Sie sind wohl mit Goethe oder Mozart zu vergleichen – Künstler die damals wie auch heute wie ein Popstar gefeiert werden.
Heute Abend gibt es iranische Pizza. Ich freue mich schon drauf, mal etwas anderes Fast-Food zu essen. Zusammenfassend bestand mein Tag 2 in Shiraz aus einem ganz langen Fussmarsch. Er war es jedoch wert. Zum Glück habe ich morgen noch einen Tag, um mich auszuruhen und an einem stillen Ort die Stadt zu geniessen.










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[...] wenig planlos bin ich heute Nachmittag zu Fuss unterwegs. Von Weitem war auf einem der Hügel um Shiraz ein Hochhaus zu sehen. Ich will mir das genauer ansehen. Vielleicht ist es ja ein Hotel, und ich [...]