Von Rico Wyder am 2. März 2010 um 11.15 Uhr
Kategorien: Iran, Reiseberichte & Insider

Aussicht auf Shiraz

Mehr oder wenig planlos bin ich heute Nachmittag zu Fuss unterwegs. Von Weitem war auf einem der Hügel um Shiraz ein Hochhaus zu sehen. Ich will mir das genauer ansehen. Vielleicht ist es ja ein Hotel, und ich kann dort ein Tee geniessen.

Nach wenigen Minuten zeigt auch ein Strassenschild mit der Aufschrift “Eram-Garten” in dieselbe Richtung. Den wollte ich mir sowieso auch noch ansehen. Nachdem ich die Brücke überquert habe, spaziere ich durch den nördlichen Stadtteil Richtung Westen. Die Wohngegend ist auffallend wohlhabend. Hohe Zäune sichern die Villen im kolonialen Stil. Nach gut einer Viertelstunde komme ich am Eram-Garten an.

Der Eram-Garten – wirklich ein Muss

Kreuzung Eram Garten

Garten auf Farsi heisst “Bagh”. Die Taxifahrer kennen alle den Begriff Bagh-e Eram (Garten der hohen Bäume) und bringen einen für knapp 2 CHF zum Eram Garten. Der Garten ist berühmt für seine Zypressenbäume, der wunderschöne Eram-Palast und seine versteckten Ecken (letzteres vor allem bei den jungen Iranern). Der Palast ist leider nicht öffentlich zugänglich. Dies mindert den Wert des Ortes aber keineswegs. Man wird bei einem sonnigen Tag im Frühling auch bei einem Spaziergang durch den Garten wohl kaum mehr Eram verlassen wollen.

Über Umwege zu meinem Aussichtsfoto

Das hohe Gebäude ist nun auch in Reichweite. Ich frage einen jungen Mann, ob er Englisch spricht. Er heisst Majid und erzählt mir, dass das Gebäude zum Campus der Universität gehört. Ob ich von dort Fotos schiessen dürfe, frage ich ihn. Er meint ja und nimmt mich mit. Es stellt sich heraus, dass er in diesem Gebäude wohnt. Er studiert Materialwissenschaften und macht gerade seinen Masterstudium.

Es ist das Stundentenwohnheim (an wohl bester Lage der Stadt). Mit dem Campusbus fahren wir auf den Hügel hinauf. Nirgends werden wir aufgehalten, auch wenn ich auffalle wie ein bunter Hund. Als Majid dann auch den Sicherheitschef des Wohnheims überzeugt hat (und ich meine alte Legi deponierte), fahren wir in den zwölften Stock. Im Zimmer sitzt Majids Mitbewohner. Auch er spricht Englisch. Es wird mir klar, dass ich hier nicht nur kurz ein Foto von der Stadt schiessen kann. Es werden Snacks und Getränke aufgetischt. Wir sitzen auf dem Boden. Die beiden halten ihre Begeisterung nicht zurück, englisch sprechenden Besuch zu haben. Sie löchern mich mit Fragen, wir lachen und trinken Limonade. Die Zeit vergeht wie im Flug. Hier wird es sehr schnell dunkel. Deshalb kann ich Shiraz auch noch bei Nacht fotografieren.

Shiraz bei Nacht

Nun muss ich aber wirklich los. Ich muss den Nachtbus nach Isfahan erwischen. Sie wollen mich überzeugen, auch noch zum Essen zu bleiben, doch ich muss (wie es sich gehört: mehrmals) ablehnen. Majid bringt mich wieder hinunter, ich bekomme meine Legi wieder und nehme den Bus hinunter zum Eram-Garten. Hätte ich den Nachmittag nicht so planlos begonnen, hätte ich definitiv etwas verpasst!

Kreuzung Eram Garten

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