Wer sich im Iran in einen Nachtbus setzt, dem empfehle ich, die 5 Euro aufzuwerfen, um in einem Luxus-Bus reisen zu können. Ich habe es von Shiraz nach Isfahan nicht getan. Der Fahrer heisst wohl mit Vornamen Kamikaze, und ich habe diese Nacht in meinem engen, harten Sitz aufrecht sitzend kein Auge zugetan. Angespannt und wie gerädert, komme ich um sechs Uhr morgens in Isfahan an.
Per Taxi fahre ich ins Zentrum. Ich habe noch kein Hotel und auch keinen Plan, was um diese Uhrzeit offen hat. Ich sage dem Taxifahrer irgendeine Adresse, die auf der Karte im Zentrum zu sein scheint. In einem Kaffee esse ich Frühstück – es gibt Fladenbrot, Rührei, Marmelade, salzigen Frischkäse und Schwarztee (und es ist köstlich). Als langsam mehr Leute draussen die Strasse auf und ab gehen, mache ich mich auf den Weg zur ersten Sehenswürdigkeit in der Nähe, dem Garten Hasht-Behesht. Leider ist dieser noch geschlossen, und so bleibt mir nichts anderes übrig, als nach einem Hotel Ausschau zu halten (Ich werde später merken, dass ich am falschen Tor war. Der Garten ist immer offen.).
Ich spaziere durch den Basar von Isfahan. Dieser ist auch noch (fast) ganz verlassen. Alle Läden sind zu und eine schöne Stimmung durchzieht das überdachte Labyrinth mit wunderschönen Hinterhöfen. Ich verlaufe mich zwar komplett, es ist jedoch wunderbar, hier einfach herumzuwandern.
Irgendwann bin ich irgendwo in einer Hintergasse und frage jemanden, ob er in der Nähe ein Hotel kennen würde. Er zeigt in eine Richtung, es sei nicht weit von hier. Ich finde nichts und frage noch einmal jemanden. Der schickt mich zurück. Offensichtlich habe ich es verpasst. Kein Wunder, der Eingang ist unscheinbar, ein hölzernes Tor, und die Anschrift geht neben den anderen Reklametafeln unter. Interessanterweise befindet sich das Hotel nur einen Steinwurf vom Basar entfernt. Das “Isfahan Traditional Hotel” ist auch in meinem Reiseführer und kommt darin gut weg. Ich nehme mir ein Zimmer und setze mich auf die Liege im Innenhof vor meinem Zimmer. Der Himmel ist blau, und die Sonne scheint warm in den Hof hinein. Ich könnte hier sogleich einschlafen. Ich versuche wach zu bleiben, bestelle einen Kaffee und lese im Reiseführer.
So viel zu sehen… Was soll ich tun?
Es gefällt mir sehr hier. Es ist noch nicht oft vorgekommen, dass ich mich umgehend für einen Ort so begeistern konnte, wie hier für Isfahan. Kommt noch das schöne Hotel hinzu. Mein Reiseführer meint, wer diese Stadt verpasse, dem entgleite wahrscheinlich ein Grossteil der schönsten Sehenswürdigkeiten im Iran.
Tatsächlich ist die Liste an Sehenswürdigkeiten lang, und erst jetzt begreife ich wirklich, wieviel ich mir in den nächsten zwei Tagen anschauen kann. Aus diesem Grund plane ich meine Reise kurzfristig um und werde morgen Abend nicht nach Shahrekord in die Berge fahren. Skifahren kann ich auch in der Schweiz. Dies bedeutet, ich werde hier ganze vier Tage bleiben, bis ich nächste Woche nach Teheran zurückfahren werde. Ich packe meinen kleinen Rucksack und mache mich auf, den Tag zu Fuss durch Isfahan zu marschieren. Vorher gehe ich aber noch kurz zur Rezeption, um meinen Aufenthalt zu verlängern.










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[...] durch ein Zufall gelangte ich zu meinem Zimmer im “Isfahan Traditional Hotel”. Doch als ich meine [...]