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Die zehn Mysterien von Isfahan
Kategorien: Iran, Reiseberichte & Insider
Während meines dreitägigen Aufenthaltes in Isfahan sind mir zehn Dinge aufgefallen, die nicht unbedingt im Reiseführer stehen und die ich ohne die Hilfe von Ali und Amir wohl kaum verstanden hätte. Hier also (mit einem zwinkernden Auge) zehn mystische Dinge aus Isfahan, die einem erst beim zweiten Mal hinschauen auffallen:
Teuflische Löwenaugen:
An der Khaju-Brücke stehen sich flussabwärts an den beiden Flussufern zwei Löwen aus Bronze gegenüber. Sie haben ihre Münder geöffnet und daraus schaut ein Menschengesicht. Die beiden etwas schaurigen Gestalten wirken abends noch gruseliger. Stellt man sich nachts neben einen der beiden Löwen, beginnen die Augen des Löwen gegenüber zu leuchten. Geht man vom Löwen weg, erlischt das Leuchten. Ist es eine Reflexion? Oder schaut der Löwe tatsächlich durch die Dunkelheit über den Fluss?
Der Ursprung des Polosports:
Die Sportart zu Pferd, welche mir vor allem wegen Prinz Charles, William und Barry bekannt ist, wurde in Isfahan erfunden. Das sagen zumindest meine lokalen Freunde. Tatsächlich begann die Geschichte des Polosports in Persien. Von der Terrasse seines Palastes aus pflegte der Schah Abbas dem Spiel auf dem grossen Platz zuzuschauen. Seine engen Beziehungen zu den Briten hatten wohl zur Folge, dass der Sport Eingang ins britische Königreich gefunden hat. Ob diese Geschichte wahr ist, konnte ich nicht hundertprozentig bestätigen. Polo-Kenner?
Rätselhafte Automalereien:
Öfters fällt auf, dass auf staubbedeckten Autos mit den Fingern etwas in Farsi auf die Motorhaube geschrieben wird. Ist es Propaganda? Werbung? Ein Liebesgeständnis? Nein, es steht: “Wasch mich, bitte!”
Akkustisches Wunder in der Imam-Moschee:
Besucht man in die Imam-Moschee alleine, wird man mit Sicherheit etwas verpassen. Ein Mysterium ist die Akkustik. Wird jeweils zum Gebet gerufen, konnte dies früher nicht mit Lautsprechern unterstützt werden. Die Moschee ist so konstruiert, dass man den Ruf im ganzen Komplex und über die Mauern hinaus hören kann. Dies funktionniert aber nur von einem Punkt im Zentrum des Gewölbes des Hauptgebetssaals. Steht man auf der auffallenden eingelassenen Steinplatte und tippt mit dem Fuss leise auf dem Boden, hallt es im ganzen Gewölbe. Britische Wissenschaftler kamen zur Zeit des Schahs hierher, um das Mysterium zu erforschen. Sie konnten es aber nicht wissenschaftlich erklären.
Ein Stein, der die Zeit anzeigt:
Die Schiiten beten täglich dreimal gemeinsam und dies nach der Sonne. Deshalb ändern die Gebetszeiten täglich. Ein Stein zeigt im Seitenhof der Imam-Moschee an, wann zum Mittagsgebet gerufen werden muss. Isfahan und die Moschee liegen genau auf einem Meridian. Die Kante des Steinkubus wurde genau auf die Nord-Süd-Linie gelegt, was die Folge hat, dass der Stein keinen Schatten besitzt, wenn die Sonne im Zenith steht.
Wärme aus einer Flamme:
Ein weiteres wissenschaftliches Phänomen beschäftigte angeblich die britischen Forscher in Isfahan. Ein Bad (das mittlerweile nicht mehr öffentlich ist) war früher bekannt dafür, dass das gesamte Wasser mit einer Flamme erhitzt wurde. Die Wannen waren aus Metall, und das Gebäude schien so konstruiert, dass eine winzige Wärmequelle ausreichte. Was für eine Flamme das war, lässt die Geschichte offen. Leider erlosch die Flamme eines Tages. Nach erneutem Entzünden war dieser Effekt verloren.
Wankende Minarette
Das Grab von Abu Abdullah setzte ein einzigartiges Zeichen in Isfahan. Wer die engen Treppen hinauf zur Spitze des Turms erklimmt und sich gegen die Wand lehnt, sieht das andere Minarett hin und her schaukeln. Experten haben befunden, dass dieses architektonische Phänomen langsam mit der Zeit aufgetreten ist. Es besteht aber keine Gefahr für die Besucher.
Das kleinste Buch der Welt
Im Gebäudekomplex der Vank-Kathedrale befindet sich auch ein armenisches Museum. Neben Kostümen, Bildern und alten Schriften entdeckt man hier ganz versteckt das kleinste Buch der Welt. Es wurde in Deutschland gedruckt, hat einen schwarzen Umschlag und umfasst 14 Seiten. Der Text darin ist das “Vater Unser” in sieben verschiedenen Sprachen. Das Buch wiegt 0.7 Gramm und wurde dem Museum gestiftet.
Ein Haar, ein Satz
Im armenischen Museum, sehr versteckt, findet man ein Haar, worauf ein ganzer Satz geschrieben wurde. Vahram Hakopian schrieb 1974 mit einer Diamantspitze und Tinte sorgfältig den Satz “Der bestehenden Weisheit und Lehre; zur Wahrnehmung der Worte des Verstehens”. Es handelt sich angeblich um den ersten Satz, der von St. Mesrop ins Armenische übersetzt wurde.
Nasentapes
Zum Ende noch eine moderne Nebensächlichkeit: Wohl kaum in einer anderen Stadt fällt es mehr auf, dass viele junge Frauen und Männer ein Pflaster auf ihrer Nase tragen. Es scheint fast ein Trend oder modisch zu sein. Die Auflösung ist einfach: Nicht nur in Isfahan lassen sich tausende Menschen jährlich die Nase operieren. Der “Lonely Planet” bezeichnet den Iran gar als “Nation of Nose Jobs” (Land der Nasenkorrekturen).
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