Von Rico Wyder am 12. März 2010 um 7.30 Uhr
Kategorien: Iran, Reiseberichte & Insider

Gut sechs Stunden braucht der Bus von Isfahan zurück nach Teheran. Weite trockene Wüsten und rote Erde dominieren den Landstrich. Kurz hält der Bus in Qom, dem religiösen Zentrum der islamischen Republik. Auch hierhin könnte man reisen, wie auch nach Tabriz im Nordwesten oder zum Kaspischen Meer im Norden. Im Süden läge da noch die Insel Kish, wo die Gesetze nicht so streng eingehalten werden. Oder im Zentrum hätte ich auch noch Yazd sehen müssen. In der Wüstenstadt kann man nachts den Sternenhimmel in seiner vollsten Pracht bestaunen.

Ihr seht, ich habe längst noch nicht alles im Iran gesehen und werde wohl hierhin zurückkehren. Es fällt mir auch schwer, den Iran nach nur zwei Wochen wieder zu verlassen. Leider musste ich mich in meinen Berichten auf die Reiseberichte konzentrieren und viele Details weglassen. Das will ich hier kurz nachholen. Zuerst aber noch einmal ein kurzer Reiserückblick.

Ein tolles Land

Nach einigen Tagen in Teheran (Tag 1, Tag 2), ging es mit dem Flugzeug nach Shiraz (Tag 1, Tag 2, Tag 3). Neben Persepolis besuchte ich zarathustrische Stätten, Gärten, Moscheen und Basars. Darauf folgten wunderschöne Tage in Isfahan (Tag 1, Tag 2). Der Höhepunkt war der beeindruckende Imam-Platz, welchem es Isfahan wohl zu verdanken hat, den Namen “Die halbe Welt” zu tragen.

Der Iran ist die Reise definitiv wert. Hier ein kleiner Leckerbissen, ein 360°-Panorama der Sheikh-Lotfollah-Moschee in Isfahan.

Sheikh Lotfallah Mosque in Isfahan

Nun bin ich wieder in Teheran, einer riesigen Stadt, die es mir trotz Verkehr und Lärm ein wenig angetan hat. Denn hinter den weitflächigen Quartieren erheben sich bereits die schneebedeckten Berge.

Offen reden, viele Fragen

Wer in den Iran reist, der wird um zwei Dinge nicht herum kommen: Einerseits wird man zu Hause angesprochen, warum man den unbedingt in den Iran möchte. Interessanterweise rät fast niemand davon ab. Die Frage lautet eigentlich immer: “Ist das gefährlich?” Man merkt, dass man in Europa eigentlich nicht viel über dieses Land weiss. Lediglich die Politik und alle damit verbundenen Ereignisse sind bei uns ein Thema. Über Gesellschaft, Land und Kultur wusste ich sehr wenig, bevor ich mit den Reisevorbereitungen begonnen hatte. Andererseits muss man damit rechnen, dieselbe Diskussion mit Iranern zu haben. Kommt man in ein Gespräch, wird man mit Sicherheit nach seiner Meinung zum Iran gefragt: “Was hältst du vom Iran? Warum kommst du in den Iran?” Meine Antwort war stets, mir selbst ein Bild machen zu wollen – ganz entgegen der auf Politik fokussierten Berichterstattung in unseren Medien. Das schöne an den Gesprächen war aber immer, dass die Iraner selbstkritisch offen mit allen Themen umgehen können und sie selbst äusserst viele Fragen parat haben. Ein wenig aus dem Konzept brachte mich zum Beispiel die Frage: “Als Christ, glaubst Du dem Buch ‘Sakrileg’?”

Warnungen und Erwägungen

In meinem ersten Blogpost zur Iranreise habe ich einige Vorbereitungstipps aufgelistet. Das komische Bauchgfühl vor der Abreise hatte sich nach wenigen Stunden verflüchtigt. Befürchtungen einiger Bekannten haben sich im Nichts aufgelöst. Ich würde sagen, wenn man sich an die religiösen und kulturellen Bedingungen hält, in Teheran vorsichtig vorgeht (wie in vielen Grossstädten) und sich von grossen Gruppen fernhält, sollte einem nichts passieren. Der “Lonely Planet” listet einige gute Punkte und Verhaltensregeln zum Iran, wofür ich sehr dankbar war.

Die Umstände können sich schnell ändern. Deshalb empfehle ich, die Reiseempfehlungen der eigenen Botschaft zu beachten. Auch einen Anruf auf der Botschaft vor der Abreise ist sicherlich nicht schlecht. Zudem wollte die Schweizer Botschaft, dass ich ihnen meine Reiseroute bekannt gebe und sie informieren sollte, sobald ich das Land wieder verlassen habe.

Abgesehen von diesen Rahmenbedingungen fühlte ich mich sicher, entspannt und stets in guter Gesellschaft. Wer in einer Gruppe reist, der wird sich wahrscheinlich noch aufgehobener fühlen. Deshalb kann ich nur allen neugierigen Reiseabenteurern empfehlen, den Iran zu bereisen. Er ist nicht nur landschaftlich und kulturell ein Erfahrung, sondern öffnet einem eine neue Welt zu einem Volk, das zu Recht stolz auf sein kulturelles Erbe und die Geschichte ist. Man wird nach einigen Gesprächen mit Iranern auch ein wenig besser beide Seiten verstehen, wenn man europäische Medien liest. Alles in allem war meine Reise in den Iran ein wertvolles Erlebnis zur aktuellen Weltpolitik und eine spannende Kombination aus Kultur, Geschichte, Religion und Moderne.

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