Von B. Jäger-Dabek am 14. Juli 2010 um 14.00 Uhr
Kategorien: Deutschland, Reisetipps

Städtebauliches Kleinod und stolze Hansestadt an der Weser: Bremen blickt auf eine mehr als 1200jährige Geschichte zurück und hat seinen Besuchern viel zu bieten. Dabei hat die alte Hafenstadt mit ihren rund 500’000 Einwohnern eine immer noch handliche Grösse. Die meisten Sehenswürdigkeiten können zu Fuss oder per Strassenbahn erkundet werden, das macht die Stadt so attraktiv für einen Wochenendtrip.


Weithin bekanntes Wahrzeichen der Stadt: die Bremer Stadtmusikanten. Foto: Wikimedia Commons; Ivisebel.

Bremen, das sich rund 40 Kilometer beiderseits der Weser nach Norden bis zum Seehafen Bremerhaven erstreckt, ist das kleinste Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Es ist eine moderne, quirlige Stadt mit honorig hanseatisch geprägtem Zentrum, viel maritimem Flair und einem Faible für “grüne” Ansätze. Am besten sichtbar ist das an den vielen, vielen dicht belegten Fahrradparkplätzen in der Innenstadt. Das macht vor allem das Bremer Zentrum zu einem jungen, von vielfältiger Kultur und Entertainment geprägten Stadtteil in mittelalterlichem Outfit.

Viele Jahrhunderte lang lebte Bremen von seiner Rivalität zu Hamburg, auf das man immer etwas herunterschaute: zu gross, zu laut, ein wenig neureich. Die Bremer “Pfeffersäcke”, wie die hanseatischen Kaufleute im Volksmund spöttisch genannt wurden, hielten sich obendrein für seriöser.


Ihren Reichtum verdankt die Stadt, die schon 787 von Karl dem Grossen zum Bischofssitz erhoben wurde, dem Seehandel und seinem geschützten Hafen an der Weser. Friedrich Barbarossa machte Bremen 1186 zur Freien Reichsstadt, 1260 trat man der Hanse bei. Damit war der Aufstieg zur Handelsmetropole gesichert.

Rund um den Marktplatz

Jahrhundertealte Bürgerhäuser und der ausladende Marktplatz mit dem prächtigen Rathaus zeugen bis heute von Bremens grosser Hansezeit, doch Bremen hat mehr als nur seine Geschichte zu bieten, und ist eine Stadt mit vielen Gesichtern.

Unbestrittener Mittelpunkt ist der Marktplatz, um den sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen der Stadt gruppieren. Das prächtige, geschichtsträchtige Rathaus wurde 1410 fertig gestellt; es ist Zentrum des Bauensembles im Stil der Weserrenaissance und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe, da es als einziges spätmittelalterliches Rathaus Europas nie zerstört wurde.

Den “Ratskeller” lässt sich kein Bremen-Besucher entgehen, denn er ist Deutschlands ältester Weinkeller und hat eine mehr als 600-jährige Tradition. Hier hat man die Qual der Wahl zwischen über 650 deutschen Weinsorten.

Die Westseite des Rathauses wird geziert von Bremens sympathischen Wahrzeichen: Es ist keine Heldenstatue, kein Monument alter Grösse – sondern eine Bronzeplastik der Märchenfiguren der Bremer Stadtmusikanten aus dem Grimm’schen Märchen. Kern des Märchens ist die Erkenntnis, dass gemeinsames, solidarisches Handeln auch den Schwachen zum Sieg verhelfen kann.

Viel eher in das übliche Genre “Denkmal” passt die 5,55 Meter hohe Rolandstatue auf dem Marktplatz, ein Symbol der Freiheit und Eigenständigkeit Bremens, sie gehört ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Roland blickt in Richtung des St.Petri-Doms, mit dessen Bau 805 begonnen wurde. Der steinerne Dom brannte 200 Jahre später aus und wurde nach dem Muster des Kölner Doms neu errichtet. Wem es nicht zu viel ist, sollte sich den Aufstieg zur Aussichtsplattform auf dem Kirchturm nicht entgehen lassen, in 86 Metern Höhe hat man einen grandiosen Blick über die Stadt.

Als geschichtsträchtige Stadt der Kultur hat Bremen auch sehenswerte Museen zu bieten. Das nahe am Hauptbahnhof gelegene Überseemuseum dokumentiert Bremens Geschichte als Seehandels-und Seefahrrtsstadt. Die Kunsthalle zählt zu den ältesten Kunstmuseen Deutschlands und zeigt Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts.

Nach so viel Kultur laden die vielen Restaurants und Cafés zum Verweilen ein und bieten einen tolle Blick auf die alterwürdigen Gebäude der Stadtwaage und des Schütting, die reich dekorierten alten Bürgerhäuser und die kontrastierende moderne Bremer Bürgerschaft.

Die Böttcherstrasse

Direkt an den Marktplatz schliesst sich die Böttcherstrasse hinter dem Schütting und der Baumwollbörse an. Sie erhielt ihr heutiges Gesicht in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die rund 100 Meter lange Strasse ist in ihrer Gesamtheit ein seltenes Beispiel des Backsteinexpressionismus und nicht nur architektonisch höchst interessant, denn hier ist im Paula-Becker-Modersohn-Haus ein Museum untergebracht, das sich mit dem Werk der Worpsweder Künstlerkolonie befasst. Genauso sehenswert ist das Glockenspiel der Meissener Porzellanglocken.

Der Schnoor


Malerisch. Der Stadtteil Schnoor. Foto: Wikimedia Commons; Thpohl.

Der älteste Stadtteil Bremens ist der Schnoor. Mitten im Zentrum der Wesermetropole, unweit des Marktplatzes gelegen, zeigt das Viertel einen Mix aus idyllischen Plätzen sowie malerischen, verwinkelten Gassen, an denen grosse, kleine, schmale und breite Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert stehen. In ihnen sind heute kleine Läden und gemütliche Kneipen untergebracht sind. Der Schnoor mit seinem mittelalterlichen Grundriss lädt ein zum Bummeln und Stöbern in den vielen Kunstgewerbe- und Kuriosaläden.

Grünes und maritimes Bremen

Vom Schnoor sind es nur wenige Schritte bis zu Lebensader der Stadt, der Weser. Dort lädt die Weserpromenade Schlachte zum Bummeln in maritimem Ambiente ein. Am Martinianleger starten Ausflugsschiffe zu Touren auf der Weser und Hafenrundfahrten. Mehr Maritimes findet sich  im Stadtteil Vegesack rund um die Lesum-Mündung. Alte Kapitänshäuser, tolle Fischrestaurants und der Museumshafen erinnern an Bremens Seefahrts- und Seehandelsgeschichte.

Neben dem maritimen Bremen gibt es auch ein grünes Bremen. Denn direkt hinter dem Hauptbahnhof beginnt der Bürgerpark, der für herrliche Spaziergänge, viele sportliche Aktivitäten und Relaxen taugt. Im Rhododendronpark werden im grünen Science-Center die üppigen Blüher präsentiert, dazu kann man hier Pflanzen aus aller Welt zwischen riesigen Statuen, rauschenden Wasserfällen und in Arealen fernöstlichen Flairs bewundern.

Dass Bremen nicht nur ein Kulturhighlight, dazu grün oder maritim, sondern auch ein Ort von Wissenschaft und Hightech, zeigt das “Universum Bremen” nahe der Universität, das wie ein glänzender gestrandeter Wal wirkt. Nirgends ist Lernen so spannend wie hier, wo man selbst zum Entdecker atemberaubender neuer Welten wird.

Ausflugstipps für Bremen

Wer mehr Zeit hat und sich für Malerei interessiert, ist vielleicht im Paula Modersohn-Becker Museum zu einem Besuch in der nahen Künstlerkolonie Worpswede inspiriert worden. Wer mehr von der Seefahrt schwärmt, den zieht es nach Bremerhaven zum Deutschen Schifffahrtsmuseum mit seinen Museumsschiffen, oder vielleicht zur Columbuskaje um zum Deutschen Auswandererhaus auf den Spuren der Menschen, die von hier aus ihr Glück in der neuen Welt suchten.

Besonders günstig wird ein Bremen-Besuch mit der Erlebniscard, bei der der Nahverkehr und viele Eintrittskarten schon inklusive sind.

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