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Ein Wochenende in Kairo
Kategorien: Ägypten
Zugegeben, ein Wochenende ist kurz um Kairo kennenzulernen, da muss man die Zeit sinnvoll nutzen. Bei einer so unglaublich grossen Stadt mit einer solchen Ansammlung von atemberaubenden Sehenswürdigkeiten sollte man sich nicht treiben lassen, sondern ein straffes Tagesprogramm aufstellen, in das genügend Verschnaufpausen eingearbeitet sind.
Auf jeden Fall genügt ein Wochenende oder noch besser: ein verlängertes Wochenende, um Einblicke in die Kulturen zu gewinnen, die Ägypten prägten. Man wird an diesem Wochenende das Ägypten der Pharaonenzeit erkunden, das koptisch-christliche Ägypten kennenlernen, und das islamische Ägypten der Gegenwart entdecken. Kommt man bereits am Freitag an, sollte man berücksichtigen, dass dies der Sonntag der Muslime ist und die Geschäfte in Kairo erst nach dem Mittagsgebet gegen 14 Uhr öffnen.
Es gibt zwei Arten, sich einen ersten Überblick über die Stadt zu verschaffen. Von der Uferpromenade Corniche El-Nil aus kann man auf einer Felucke, einem traditionellen arabischen Segelboot, aus das Stadtpanorama und die Nilinseln bei einer angenehmen Brise segelnd geniessen. Es gibt viele Anlegestellen, von denen die Boote starten und Tripps von unterschiedlicher Dauer. Besonders stimmungsvoll sind die Sonnenuntergangs-Touren.
Ganz anders ist der Eindruck von der Megacity, den man vom Cairo Tower (Burj al-Qahira) im Stadtteil Zamalek auf der Nilinsel Gezirah aus bekommt. Von der Aussichtsplattform hat man einen fantastischen Blick über Kairo, der an klaren Tagen bis zu den Stufenpyramiden von Sakkara reicht. Tipp: Essen mit einer tollen Aussicht auf die Stadt am Nil kann man im Restaurant des “Cairo Tower”.
Am Midan Tahrir, mitten in der Stadt ist das berühmteste der Kairoer Museen zu finden, das Ägyptische Museum. Wieviel Zeit man sich auch immer für das Ägyptische Museum nimmt, alle 120’000 Exponate wird man nicht sehen können. Es gilt also auszuwählen und Prioritäten zu setzen. Was man auf jeden Fall gesehen haben sollte, ist im Untergeschoss die Sammlung der alltäglichen Kultur von den Anfängen bis zum Neuen Reich sowie der griechischen und römischen Epoche. Im Obergeschoss befinden sich die Glanzstücke des Museums in der Ausstellung der “Schätze aus Pharao Tut-Ench-Amuns Grab.”
Eine kleine Ruhepause kann man in einem der Cafes am Midan Tahrir geniessen, und die faszinierende orientalische Welt geniessen. Oder man fährt im “Nile Hilton Hotel
Man muss sich in Kairo nicht unbedingt einer Stadtrundfahrt anschliessen, vieles ist zu Fuss oder mit der Kairoer Metro oder dem Taxi gut erreichbar. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man sich ein Hotel in der Innenstadt Kairos aussucht, am Nil auf der Insel Gezirah oder in der Nähe des Midan Tahrir.
Mit der Metro fährt man bis Mari Girgis Richtung Helwan, und kommt so ganz bequem ins auch Alt-Kairo genannte koptische Viertel. Die Griechen nannten diesen ältesten Stadtteil Babylon von Ägypten, die Römer bauten hier eine mächtige Festung. Auf ihr steht heute Masr Al-Qadimah, das Stadtviertel der koptischen Christen.
Hier findet man an den engen Gassen einige der schönsten und ältesten Kirchen Ägyptens. Die meisten von ihnen sind tief in den Boden eingesunken. Nicht versäumen sollte man die über 1000 Jahre alte Hängende Kirche Al-Muallaqa mit antiken Stützsäulen und barock anmutenden Türmen.
Nicht weniger interessant ist die Krypta der frühchristlichen Basilika St. Sergius. Dort soll sich die Heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten versteckt haben. Bei etwas mehr Zeit unbedingt sehenswert sind auch die Synagoge Ben Ezra und das Kioptischen Museum. Und wenn man schon hier ist: Knapp einen halben Kilometer nördlich lohnt die älteste Moschee Ägyptens einen kleinen Umweg die Amr Ibn Al-As. Sie wurde mit ihrer schlichten Bauweise zur Blaupause für spätere Moscheen.
Der Eingang zur Moschee. Foto: WikimediaCommons; Buyoof.
Weiter zur Zitadelle im Nordosten geht es am besten mit dem Taxi. Mit dem Bau der mächtigen, die Stadt beherrschenden Zitadelle wurde bereits 1176 von Sultan Salah Ad-Din begonnen. An klaren Tagen ist die Sicht von der Zitadelle auf Kairo herrlich. Mit dem Bau der Mohammed-Ali-Moschee oder Alabaster-Moschee wurde 1824 begonnen. Sie steht auf einem durch einer Pulverexplosion zerstörten Palast. Als Muster dienten Istanbuler Moscheen, ihr Innenraum ist mit Alabaster ausgekleidet, Den riesigen Gebetsraum überdeckt eine gut 50 Meter hohe Kuppel, vier kleinere Kuppeln in den Ecken und vier Halbkuppeln über den Seiten vervollständigen die Dachkonstruktion.
Westlich der Zitadelle sieht man schon die Ibn-Tulun-Moschee, die älteste noch in ihrer Originalform erhaltene Moschee Kairos mit der grössten Fläche. Mit ihrem Bau wurde bereits 876 unter den Abbasiden begonnen. Ein Abstecher (zu Fuss möglich) lohnt, wenn man etwas Zeit erübrigen kann. Besonders das Minarett mit seiner aussen liegenden Wendeltreppe ist einzigartig für die Region, Muster war die Moschee in Samarra.
Ins islamische Kairo mitten hinein in die Exotik des Orients geht es mit dem Taxi Richtung Nordosten. Die gesamte islamische Altstadt von Kairo wurde 1979 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen.
Am besten fährt man bis zum südlichen Stadttor Bab Suwela und bummelt über die Hauptgasse Sharia Muizz li Din Allah nach Norden. An der Sharia al-Azhar kann man nach rechts abbiegen und zur al-Azhar-Moschee gehen. Sie wurde von den Fatimiden ab 970 erbaut und ist das Zentrum islamischer Gelehrsamkeit und eine der bedeutendsten Hochschulen des Islam. Hier werden bis heute viel Religionsgutachten (Fatwas) ausgestellt. Gegenüber beginnt der rund um die al-Hussein-Moschee angelegte Touristenbasar Khan al-Khalili. Weiter auf der Sharia Muizz li Din Allah schlendert man zwischen orientalischen Händlerparadiesen hoch bis zum nördlichen Tor Bab el Futuh zum oder lässt sich kreuz und quer durch das Gassengewirr treiben.
Im berühmten “Cafe al-Fishawy” im Khan al-Khalili-Basar nahe der al-Hussein-Moschee (Midan al-Hussein), dem Stammcafe des ägyptischen Literatur-Nobelpreisträgers Nagib Machfus, legt man eine Pause ein und beobachtet das bunte Treiben wie aus 1001 Nacht, über dem ein unvergesslicher Gewürzduft liegt.
Für die Pyramiden in Gizeh sollte man sich mindestens einen halben, besser einen ganzen Tag Zeit nehmen. Will man nur nach Gizeh, kann man die Metro nehmen, wenn man noch Abstecher nach Sakkara zu den Stufenpyramiden, nach Dahshour zu den Knickpyramiden, oder nach Memphis, zur Hauptstadt des Alten Reiches möchte, sollte man ein Taxi für den ganzen Tag nehmen. Es ist nicht ungeschickt, die Pyramiden am Nachmittag zu besichtigen, dann ist es deutlich leerer.
Der Eingang zur Pyramide Mykerinus’. Foto: Wikimedia Commons; Sebi.
Die Pyramiden galten schon in der Antike als eines der sieben Weltwunder und sind bis heut eine der Hauptattraktionen für Ägyptenreisende. Die Cheops-Pyramide ist die grösste und älteste der Pyramiden in Gizeh und wurde aus sage und schreibe 2,5 Millionen Kalksandsteinblöcken als Grabmal für den Pharao Cheops gebaut. Die drei kleinen Pyramiden in der Nähe waren für seine Gemahlinnen bestimmt. Etwas weiter entfernt sieht man die beiden deutlich grösseren Pyramiden Chephren und von Cheops‘ Sohn Mykerinus sowie die mehr als 4000 Jahre alte Sphinx, der liegend Löwe mit dem Menschenkopf. Wer noch etwas Zeit übrig hat und eine Erholungspause braucht, kann im Mena House einen Hauch alter britischer Kolonialatmosphäre atmen.
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