Wir machen uns nicht jeden Tag auf eine Wanderung, obwohl wir schon fast süchtig auf die Hügel und deren Aussicht sind. Die Dörfer mit ihren Rorbu-Häuschen sind auch wunderschön. Diese dienten früher von weit herkommenden Fischern als Wohnstätte. Die Häuschen sind rot angestrichen und aus Holz. Früher standen fast alle auf Pfählen im Meer. Damals stanken die Häuschen nach Fisch – die Touristen, die heute in den renovierten oder neu erstellen Häuschen übernachten, mögen es geschmacklich etwas zivilisierter.

In Henningsvaer, das über mehrere Brücken per Auto erreichbar ist, soll es eine sehr gute Kletterschule haben (die Nord Norsk Klatreskole), erzählt uns ein Besucher in einer Fotogalerie in Svolvaer auf. Kletterer sehen wir in dieser Region tatsächlich mehrere. In Henningsvaer hat es auch ein schmuckes, kleines Café, das eigentlich eine Kerzenwerkstätte ist.


Inseldörfchen Henningsvaer mit Hafen.


In Henningsvaer.

Als besonders sehenswert finden wir auch Hamnoya und Reine auf der Insel Moskenesoya. Hier haben wir ebenfalls einige romantische Rorbu-Häuschen gesehen.

Resumé: Wandern einmal anders

“Die Topografie lässt keine andere Richtung zu” ist der “running gag” unserer Ferien: Die Wanderungen sind dadurch nicht einfacher. Im Gegenteil: Meist ist der Weg beschwerlich – oder es gibt gar keinen.
Eine weitere Besonderheit der Lofoten ist, dass die Wanderungen grösstenteils für sehr gut trainierte Bergwanderer mit Trittsicherheit und Ausdauer konzipiert sind. Das Gelände kann entsprechend alpin und felsig sein, ohne dass speziell darauf aufmerksam gemacht wird. Richtige Bergschuhe, Regenschutz und warme Kleider sind Pflicht.
Das Wetter auf den Lofoten lebt seine Launen ungehemmt aus. Der Regen ist oft von kurzer Dauer, dafür umso heftiger. Was in den Alpen hingegen nicht geht, ist hier wegen der Nähe zum Nordpol möglich: Erst am Nachmittag losmarschieren, die “Abendsonne” um 20.00 Uhr auf dem Gipfel geniessen und anschliessend bei Tageslicht zurückwandern.

Lofotener ziehen Ihresgleichen an: freundliche Menschen

Ganz faszinierend finden wir die Lofotener, welche nicht nur extrem gemütlich, sondern auch ausgesprochen freundlich und hilfsbereit sind. Da kann man sich schon einmal in einem Souvenirladen nach einem Ausflug inklusive Wetterprognosen für die nächsten Tage erkunden. Dass eine weitere Touristin deswegen an der Kasse warten muss, stört weder das Verkaufspersonal noch die Wartende. Denn die Ruhe überträgt sich auf die Touristen. Das merkt man auch auf der Strasse, wo manches Wohnmobil am Seitenrand anhält, um die hinteren Autos auf den engen Strassen vorbeifahren zu lassen.
Dank freundlichen Touristen haben wir auch einen abwechslungsreicheren Speiseplan als ursprünglich angenommen. Wir hatten uns auf die zwei Gerichte Pasta und Reis eingestellt. An einem frühen Morgen fängt ein Tourist auf unserem Campingplatz einen Heilbutt. Dieser Heilbutt hat es sich offenbar gut gehen lassen und ziemlich viel gefressen. Jedenfalls schlägt er mit seinem Gewicht die bereits beachtliche Zahl von 30 Kilogramm locker: Satte 65 Kilo bringt er auf die Waage! “Stellens sich vor, der is schwerer als sie!” meint der sichtlich stolze Fischer zu uns. So braten wir die über 500 Gramm Fisch in unserer kleinen Camping-Bratpfanne; frischer gefischten Fisch hatten wir noch nie auf dem Teller.

Reisetipps

  • Anreise: Wir empfehlen die Anreise via Flughafen Narvik (oder alternativ Tromsö). Die Anfahrt von Oslo her ist sehr weit. Zum Vergleich: Zürich ist von Oslo etwa gleich weit entfernt, wie Oslo von Tromsö. Und stundenlanges Autofahren ist in den Ferien nicht Jedermanns Sache.
  • Karten: Karten kann man in Tourismusbüros oder Souvenirläden kaufen. Uns hat die “Turkart 1:100 000″ ausgereicht. Wir hätten uns nur für eine Wanderung die 1:50 000-er Karte gewünscht. Auf der Karte sind zusätzliche Wanderungen eingezeichnet, die nicht in unserem Reiseführer stehen.
  • Reiseführer: Die deutschsprachigen Touristen hatten meist wie wir den “Lofoten-Reiseführer” von Michael Möbius und Annette Ster (Edition Elch Verlag 2007). Er enthält neben den üblichen Informationen wie Wetter, Geschichte und praktischen Tipps auch viele Inselrouten für Autotouren und Wanderungen. Dies ist allerdings nicht der einzige. Es gibt noch andere Reiseführer über die Lofoten mit Wanderungen, z.B. den Rother Wanderführer “Lappland”.
  • Transport: Mit dem Auto und den guten Strassen ist man am komfortabelsten auf den Lofoten unterwegs. Tramper haben wir einige wenige angetroffen, die mit der Fähre angelegt haben. Sie müssen die Busfahrpläne im Griff haben, um nicht die ganz wenigen Verbindungen zu verpassen und einen Tag warten zu müssen. Besonders das Einkaufen wird so ein ganztägiges Erlebnis, aber nicht zu vergleichen mit einem Shopping-Tag bei uns. Touren-Velofahrer hingegen haben wir viele gesehen. Die Strecken sind nicht zu unterschätzen, da es immer wieder bergauf und bergab geht. Die atemberaubende Landschaft entschädigt einen aber wohl für die Strapazen.

Alle Bilder stammen von Jeanine Tröhler, die hier als Gastautorin in vier Teilen (hier geht’s zu Teil 3) von ihrer Norwegen-Reise berichtet hat.

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