Von Udo Habermann am 21. Oktober 2010 um 8.00 Uhr
Kategorien: Irland, Reiseberichte & Insider

Ursprünglich war die Reise nach Dublin zu zweit für den Mai geplant. Vier Monate später habe ich sie alleine nachgeholt. Das Resultat fällt deswegen anders aus als ein konventioneller Bericht über die irische Hauptstadt.

Economy war überbucht und als Vielreisender erhielt ich einen Upgrade in die Business Class – ein gutes Omen! So kam ich doch noch einigermassen ausgeschlafen in der irischen Hauptstadt an, von der ich keine Ahnung hatte. Am Flughafen kaufte ich mir einen Dreitagepass für die öffentlichen Verkehrsmittel (ca. 13 Euro) und erkundigte mich nach dem Veranstaltungskalender. Das war alles. Auf dem Weg von der Haltestelle im Stadtzentrum zur Herberge kam ich am “Gate Theatre” vorbei, wo Arthur Millers mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Meisterwerk “Death of a Salesman” gerade seine letzten Tagen hatte. Ein Besuch am Kassenhäuschen ergab, dass die Vorführung ausgebucht sei, doch solle ich kurz vor Beginn noch einmal vorbeischauen.

Also ging ich im nasskalten Wetter weiter zur Jugendherberge und fragte nach einem Zimmer. Der Verantwortliche hinter der Rezeption schaute mich komisch an, worauf ich meinen Wunsch korrigierte: “Ein Bett, bitte!” Ich hatte Glück und erhielt das letzte Bett des Tages. 15 Euro für Übernachtung inklusive Frühstück.

Ich mostete meine Tasche ins Schliessfach und machte mich auf zur Guinness-Brauerei. Mit dem iPhone buchte ich ein Eintrittsbillett online und erhielt so 10% Rabatt (Resultat: 13.5 Euro). In dieser Brauerei kann man nicht nur über die Geschichte von Guinness lernen, sondern auch, wie man eines zapft. Nur soviel: Wenn man ein “normales” Bier auf diese Art zapfen würde, liefen einem die Kunden aus Schaum- und Zeitgründen davon. Da mehr Besucher am Zapfen als am Trinken interessiert waren, genehmigte ich mir ein Guinness nach dem anderen und vergass darob fast die Zeit.


Foto: Keystone; Haydn West

Schliesslich machte ich mich wieder auf Richtung Theater. Die Distanzen in Dublin sind so kurz, dass ich es schon fast wieder bereute, eine Dreitageskarte erstanden zu haben. Im Theater hatte ich zum zweiten Mal Glück. Ich kriegte noch ein einzelnes Ticket in der dritten Reihe Mitte (25 Euro). Der “Tod eines Handlungsreisenden” gefiel mir derart, dass ich das Stück in Zürich gleich noch einmal schauen gegangen bin.

Für den kommenden Tag nahm ich mir vor, die Tipps einiger Freunde auszukundschaften, die auf meine Statusmeldung bei Facebook reagiert hatten: “When you can drink later, go to The Long Hall and McDaids” oder “Elephant & Castle is a great place for breakfast food as well as amazing chicken wings… good hangover cures :-)” sowie “Geh im Café The Winding Stairs was trinken. Das ist noch nett oder wars zumindest”.

Ich nehms vorweg: einige der Orte hab ich tatsächlich von aussen gesehen. Denn dank der Dame am Flughafeninformationsschalter hatte ich erfahren, dass ausgerechnet an diesem Sonntag das Final im Gaelic Football stattfindet. Also ging ich früh aus den Federn und versuchte, drei Stunden vor Anpfiff vor dem Stadion und in der prallgefüllten Stadt an irgendein Ticket zu kommen. Erfolglos betrat ich ein Pub im Temple Bar Quartier, dessen Namen ich vergessen habe. Ich bestellte am Tresen Ham and Turkey, weil der vor mir in der Schlange es bestellt hatte und stand an irgendeinen Tisch. Als sich nach einiger Zeit ein Ire in Klubfarben neben mich gesellte, quatschte ich ihn an. Er und seine beiden Freunde hatten drei Tickets für die Partie. Ich erzählte ihm von meinem erfolglosen Unterfangen am Vormittag, worauf er meinte, ich solle doch einfach mit ihnen kommen. Kurz vor dem Spiel gäbe es immer Tickets. Und zum dritten Mal brachte mir Dublin Glück: ohne Aufpreis konnte ich schliesslich ein Billett für den Final (70 Euro) erstehen.

Das Stadion sah zwar bis auf den letzten Sitz gefüllt aus, doch die Iren nahmen es genau. 81,604 zeigte die Zuschauerzahl an der Anzeigetafel an. Nie zuvor war ich mit so vielen Leuten gemeinsam in einem Oval. Das Resultat wurde so fast zur Nebensache: Cork besiegte Down 16:15. Danach ging ich nepalesisch essen und traf später meine drei neuen irischen Freunde in einem Pub, wozu ich glücklicherweise meinen Dreitagepass nochmals einsetzen konnte. Schliesslich endeten wir in einem Klub namens “Copper Face Jacks”.

“That was definitely a crazy night out in Coppers afterwards. So how is life back in Switzerland? We didn’t think u would make your flight.” Hätte das Flugzeug keine Verspätung gehabt, hätte ich den Flug tatsächlich verpasst. Doch davon erzählte ich meinen japanischen Kunden nichts, die ich eine Stunde nach der Landung am Paradeplatz traf.

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