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Tallinn wird Kulturhauptstadt Europas 2011
Kategorien: Estland, Reisetipps
Im Jahr 2011 wird die estnische Hauptstadt Tallinn zusammen mit dem finnischen Turku Kulturhauptstadt Europas. Die 400’000-Einwohner-Stadt hofft auf zahlreiche Besucher aus aller Welt. Zu bieten hat die Stadt im nordöstlichsten Land der EU jede Menge Sehenswertes.
Foto: Wikimedia Commons; Krischnig.
Vor allem hat Tallinn eine ganz besondere Atmosphäre, denn Geschichte und Moderne prägen die Stadt gleichermassen. Tallinn ist sowohl eine traditionsreiche mittelalterliche Stadt, als auch das quirlige Zentrum des Baltikums. Dazu besitzt die estnische Hauptstadt eines der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtensembles Europas und lädt zu einem Besuch seiner Gassen, Wehrtürme und alten Häuser ein, den man gemütlich in einem Strassencafé ausklingen lassen sollte.
Viele architektonisch anspruchsvolle postmoderne Bürotürme mit viel blitzblankem Glas und schimmerndem Stahl aller möglicher Weltkonzerne beweisen, dass Tallinn sich gut macht in seiner neuen Rolle als Türöffner für die riesigen russischen Märkte. Dazu liess die sprachliche und mentale Nähe zu Finnland gerade Tallinn von Finnlands Hightech-Boom profitieren. So ist Tallinn trotz der nur knapp halben Million Einwohner Estlands Tor zur Welt und gleichzeitig Fenster des Westens nach Russland.
Die Stadt am Finnischen Meerbusen der Ostsee, in der 1980 die Segelwettbewerbe der Moskauer Olympiade stattfanden, hat eine lange Seehandelstradition und war einst eine bedeutende Hansestadt.
Aus “Kolywan” wird “Tallinn”
Erstmals erwähnt wurde das heutige Tallinn als “Kolywan” schon 1154 vom arabischen Kartographen Idrisi. 1219 wurde es von den Dänen erobert. Aus dieser Zeit stammt auch Tallinns alter Name, aus dem estnischen “Revele” wurde unter baltendeutschem Einfluss “Reval”. Die Bezeichnung “Taani linn”, woraus später schliesslich “Tallinn” wurde, bedeutet nichts weiter als “Dänenburg”.
1284 wurde Tallinn Mitglied der Hanse, womit der steile Aufstieg begann, von dem bis heute einige der sehenswertesten Tallinner Altstadtbauten zeugen. Dem Deutschen Orden untertan wurde Tallinn 1346, als das Königreich Dänemark seine estnischen Gebiete verkaufte. Nach dem Ende des Deutschen Ordens wurde Tallinn 1561 schwedisch und ab 1721 russisch.
Tallinns Altstadt
Tallinns fast unverändert erhaltene Altstadt ist nicht nur kulturhistorisch betrachtet ein Juwel, das 1997 auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes gesetzt wurde. Die von Grünanlagen umschlossene, gewaltige mittelalterliche Stadtmauer mit den charakteristischen Grauschiefer-Türmen zeigt noch heute auf beeindruckende Weise, wie stark und mächtig die Festung Reval einst war. Neben Teilen der Stadtmauer sind fast die Hälfte der einst 50 Wehrtürme erhalten. Die 1529 fertiggestellte Dicke Margarete ist bis heute das imposantestes Tor, das als grosse Strandpforte Zugang zum Hafen bot. Durch dieses Turm-Tor mit seinen 24 Metern Durchmessern und bis zu fünf Metern Wandstärke gelangten Jahrhundertelang alle Waren in die Stadt. Heute ist hier das sehenswerte Museum für Seefahrt untergebracht. Nahezu 50 Meter hoch ist Tallinns bekanntester und höchster Wehrturm “Kiek in de Kök”. Seine vier Meter dicken Wände beherbergen heute einen Teil des Stadtmuseums.
Foto: Wikimedia Commons; Levefrue.
Der Rathausplatz ist der Mittelpunkt der Altstadt, und wird vom bereits ab 1322 erbauten Rathaus dominiert. Der achteckige Turm wurde um 1630 errichtet. Vom Rathausplatz, direkt neben der Apotheke aus führt ein besonders schöner enger Durchgang auf die Grosse Gilde zu, dem prächtigsten Tallinner Patrizierhaus von 1410, in dem heute das Historische Museum untergebracht ist.
Die Hauptstrasse des alten Tallinn war die Pikk, an der man die schönsten Bürgerhäuser findet. Bekanntester Patrizierbau ist das “Schwarzhäupterhaus” mit seiner prächtigen Fassade. Die Schwarzhäupter waren ein 1399 gegründeter Zusammenschluss unverheirateter Kaufleute und erwarben das Haus 1517.
Überragt wird die Altstadt vom Domberg, dem Toompea, auf dem bereits ab 1219 die Dänenburg errichtet wurde. Jahrhunderte war der Domberg vom Livländischen Schwertritterorden beherrscht und von der Unterstadt durch die Stadtmauer getrennt. Mächtig steht noch heute die in Grosse und die Kleine Burg unterteilte Burg im Zentrum des Toompea.
Die Kleine Burg wurde von Katharina der Grossen 1767 zum Toompea-Schloss umgebaut. Sie dient heute als Regierungssitz. Vor dem Schloss befindet sich die prächtige Alexander-Newski-Kathedrale vom Ende des 19. Jahrhundert.
Tallinns Neustadt
Doch das ist nicht alles, was die estnische Hauptstadt zu bieten hat: Sehenswert in Tallinn ist nämlich auch die Neustadt, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstand, sowie Schloss und Park Kadriorg unweit Tallinns. Peter der Grosse liess die Anlagen von Niccolo Michetti 1718 bis 23 als Sommerresidenz der Zaren erbauen. Kadriorg ist ein beliebtes Nahausflugsziel für alle Tallinner und leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.
Events im Hauptstadt-Jahr
Für das Kulturhauptstadtjahr sind eine Reihe spannender Aktivitäten geplant. Hier eine kleine Auswahl: Der Januar bringt das Dokumentarfilmfestival und für Musikfreunde das Oistrach-Festival, im Februar folgt das Borockmusikfastival, im März die Tage der estnischen Musik, im April das Chorfestival Tallinn 2011, im Mai ein Literaturfestival, im Juni folgen die Tallinner Altstadttage. Im Juli gibt es die Tallinner Meerestage, im August bietet ein Tanz-Festival Kulturgenuss, der September lässt Besucher an der Fashion Week teilhaben, der Oktober verwöhnt mit dem Festival für neue Musik, der November bringt das jüdische Festival Ariel, im Dezember endet das Kulturhauptstadtjahr mit dem grossen Weihnachtsmarkt. Dazu werden das ganze Jahr über zahlreiche Ausstellungen, Theater- und Filmaufführungen, experimentelle Kunst, Installationen und viel Kleinkunst auf Tallinns Strassen zu sehen sein.
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