Von Rico Wyder am 4. März 2011 um 7.59 Uhr
Kategorien: Allgemein, Andorra

Das Fürstentum Andorra kennen viele von uns durch Max Frischs Theaterstück. Mitten in den Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien liegt der 468 Quadratkilometer grosse Kleinstaat und damit rund 2.5 Stunden Autofahrt von Barcelona entfernt. Da ich gerade in Barcelona war und ein freies Wochenende bevorstand, nutzte ich die Chance, dort eine Nacht zu verbringen.


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Neben dem Auto sind auch Bus und Bahn eine Alternative. Es werden Busse von den Flughäfen Barcelona, Toulouse und Perpignan angeboten.
Ich hatte mich aber für einen Mietwagen entschieden. Rund 120 Euro kostete mich diese Fahrt (inkl. Benzin). Busse gibt es aber bereits schon ab 40 Euro. Auch Züge fahren von spanischer und französischer Seite bis nahe an die Grenze. Ach ja, von oben genannten Städten Ortschaften gäbe es auch Helikopterdienste (womit die Liste nun abschliessend wäre).

Umgeben von Bergen

Als ich von der spanischen Seite über die Grenze fuhr, dachte ich: “Oh mein Gott. Das Land ist ja total zwischen den Bergen eingeklemmt.” Die Gaststätten, Tankstellen und Autogaragen nach dem Grenzübergang sind knapp zwischen Felswand und Strasse gestopft. Doch der Schein trügte! Diese Schlucht, durch welche man an der Grenze fährt, ist nur ein Flaschenhals bis man in die Hauptstadt Andorra La Vella gelangt. Einen Kilometer weiter öffnet sich das Tal und man kriegt wieder Luft. (Bilder zur Vergrösserung bitte anklicken!)

Andorra wirkt ein bisschen wie eine grössere Skistadt in den Alpen: Kleine Einkaufsstrassen, übersichtlich, traditionell, an den Hängen stapeln sich die Ferienhäuser. Die Autoschilder, Gebäude und Busse tragen jeweils das schöne Wappen des Fürstenstums.
Das Land hat übrigens eine interessante Regierungsstruktur. Einerseits arbeitet eine parlamentarische Regierung für die rund 80’000 Einwohner. Andererseits wird das Land von einer sogenannten Mitregentschaft regiert. Die beiden Ko-Fürsten sind jeweils der Bischof von Urgell und – Wer hätte es gedacht?! – der Präsident von Frankreich, sprich: zur Zeit Nicolas Sarkozy. Die offizielle Landessprache aber ist Katalanisch.

Après-Shopping

Leider war ich nicht zum Skifahren hier. Jedoch stellte sich im Nachhinein heraus, dass mein Arbeitskollege auch an diesem Wochenende zum Skifahren da war. Zuvor habe ich nur über die Hauptstadt gesprochen. Doch die kleinen Dörfer, die sich über das restliche Fürstentum verteilen, sind die Drehpunkte für mehrere Skiresorts. Für Spanier ist diese Gegend eine populäre Skiregion, und mein Kollege meinte, die beiden Skigebiete Vallnord und Grandvalira seien schön zum Fahren. Die beiden Gebiete decken fünf Skiresorts ab, die alle mit einem Skipass zugänglich sind.

Für mich gab es aber nur von Weitem Schnee zu sehen. Unten im Tal in Andorra la Vella begegnete ich dann noch einigen Skifahrern und Snowboardern, die sich offensichtlich nach der letzen Abfahrt der zweitliebsten Beschäftigung in Andorra zuwendten: dem Shopping!

Als ich mich auf meine Wochenendreise vorbereitet hatte, habe ich vom Steuerparadies Andorra gelesen. Am Ende hat es mich dann aber doch überrascht, wie viele (grosse) Läden es in dem kleinen Fürstentum gibt. Überall reihen sich Tabakläden, Kleider-Outlets und Parfümgeschäfte aneinander.
Meinen ersten Nachmittag verbrachte ich damit, mir einmal einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Zwischen den Einkaufsstrassen ragt das gläserne Centre Termolúdic Caldea über alle Dächer hinaus. Das Thermalbad mitten in der Stadt wird vom warmen, schwefelhaltigen Wasser nordöstlich des Tals bespeist. Durch die Stadt fliesst die Valira und wird entlang der Stadt mit Kunstwerken, traditionellen und modernen Bauten geschmückt. Ich ging zu Fuss vom Caldea durch die Einkaufsstrassen hinunter in die Altstadt, wo sich die St. Stephan Kirche aus dem 8. Jahrhundert befindet. Trotz einiger sehenswerter Bauten, scheint es doch so, dass sich viele die meisten Besucher auf den Einkaufsbummel fokussierten.

Für einen kleinen Abstecher hat sich der Besuch in Andorra sicherlich gelohnt. Wer einmal zur Abwechslung in den Pyrenäen skifahren möchte, der ist hier sicherlich auch gut aufgehoben. Die Hotels sind einigermassen günstig, die Restaurants (wie zum Beispiel das Kokinetta) ausgesprochen gut.

Als ich das Fürstentum per Auto wieder verliess, fiel mir auf, dass an der Grenze verdächtig viele Tankstellen stehen. In der Annahme dass das Bezin auch massiv günstiger als in Spanien sein muss, tankte ich drum zur Sicherheit noch voll.

Alle Fotos: Rico Wyder

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