Von Claudia Lambrich am 27. September 2011 um 8.00 Uhr
Kategorien: Familientipps, Italien, Länder, Reiseberichte & Insider

Das Südtirol vereint das Beste aus Österreich und Italien. Idyllische Bergwelten und gepflegte Hotels mit gemütlichem Alpenchic stehen mediterranem Flair in Meran und lukullischen Genüssen auf den Wochenmärkten gegenüber. Und gerade deshalb ist die nördlichste Gegend Italiens ideal für entspannte Ferien. Noch im September kann die Temperatur – selbst in höheren Lagen – die 30-Grad-Marke knacken.

Unsere Familienferien verbrachten wir in St. Leonhard in Passeier (ital.: San Leonardo in Passiria), einem 3500-Seelen-Dorf auf fast 700 m ü. M. Traumhaft ist nicht nur die Lage inmitten grüner Matten und felsiger Berge, sondern auch das Örtchen selbst. Der intakte Dorfkern besteht aus Riegelhäusern, alle geschmückt mit üppigen Geranien, in denen Gasthöfe, Pensionen, Delikatessengeschäfte und Weinhandlungen untergebracht sind. Als Mitbringsel eignen sich beispielsweise Kaminwurzen (ähnlich wie Landjäger) der Metzgerei “Klaus Hofer” oder ein guter Tropfen des Pseirer Weinladeles. Exzellenter Vertreter der Region ist der Lagrein, ein dunkler, fülliger Rotwein.

Erlebnisreich für Familien mit Kindern sind diverse Wanderungen. Empfehlenswert ist beispielsweise der Panoramaweg ab Grünboden-Hütte, die man ab Pfelders mit einer Gondelbahn erreicht. Der aussichtsreiche Weg führt hoch über dem Tal zur Faltschnal-Alm, wo in der gleichnamigen Hütte ein verboten guter Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren serviert wird. Etwas Trittsicherheit ist gefordert, weil der Pfad teilweise recht schmal und steinig ist.

Der Panoramaweg ab Pfelders. Alle Fotos: Claudia Lambrich.

Einfacher zu begehen ist der Weg von Klammeben (erreichbar mit einer Seilbahn ab Saltaus) zur Hinteregg- oder Mahd-Alm. In beiden Almen werden lokale Gerichte und Getränke gereicht (Buttermilch probieren!).
Idyllisch und mit Kindern ideal sind die Waalwege. Ein Waal ist ein alter künstlicher Wasserlauf zur Bewässerung von Kulturgrund (ähnlich den Levadas auf Madeira). Von Saltaus zieht sich ein wunderschöner Waalweg bis Meran (ca. zwei Stunden Gehzeit) oder nach Schenna (ca. 1,5 Stunden Gehzeit).

Mahdalm ob Saltaus.

Nach all den Anstrengungen muss man ja auch mal wieder seinen Hunger stillen. Für ein Nachtessen empfiehlt sich der “Brückenwirt” in St. Leonhard. Allein die Lage, direkt an der Passer und eingepfercht in einen engen Talkessel, ist spektakulär. Die Speisen hingegen sind nicht spektakulär, weil “normal”, aber sensationell gut und auch optisch schmackhaft angerichtet. Die Pizzen sind so gross wie Wagenräder, der kleine Salat wird in einer Schüssel serviert, und das hausgebraute Bier stellt jedes andere Getränk in den Schatten.

Auf keinen Fall verpassen darf man einen Ausflug nach Meran. Das mediterran anmutende Städtchen lockt mit einer schönen Altstadt mit vielen Cafés und Restaurants und einer florierenden Bäderkultur. Mehrmals pro Woche findet direkt beim Bahnhof ein Gemüse-, Früchte-, Textil- und Ledermarkt statt. Wer mit Kindern eine Pause einlegen möchte, tut dies am besten im Café “Wandelhalle” an der Passerpromenade. Dort gibts nämlich an idyllischer Lage kleine Leckereien zu fairen Preisen. Und diverse Spielsachen und einen kleinen Wagenpark für den Nachwuchs. Für Weinliebhaber empfiehlt sich die “Enoteca Claudia” am Pfarrplatz. Das umfangreiche Sortiment lässt jedes Geniesserherz höher schlagen. Noch weiter steigt der Puls bei “Seibstock”, einem unter den Lauben gelegenen Delikatessengeschäft. Seit 1890 gehen hier exzellente Weine, Spirituosen, frische und getrocknete Pasta, Saucen sowie Süssspeisen über den Tresen. Ein Paradies für Gourmets!
Abends wird gediegen gespiesen im “Sigmund”, wo traditionelle Südtiroler Speisen den Weg auf den Tisch finden. Am schönsten ist’s auf der Terrasse (Reservierung in der Hauptsaison empfehlenswert).
Ein Geheimtipp ist das Restaurant “Hellwegers”. Es befindet sich in Sichtweite vom Dom und lockt bei angenehmen Temperaturen mit einem lauschigen Innenhof.

Mediterranes Meran.

Die “Enoteca Claudia” in Meran.

Eindrücklich ist das wenige Fahrminuten von Meran entfernte und gut erhaltene Schloss im Dorf Tirol. Es beherbergt wechselnde Ausstellungen, und man kann fast die gesamte Anlage mit den unterschiedlichsten Innen- und Aussenräumen besichtigen. Am Fusse der mittelalterlichen Burg befindet sich das Pflegezentrum für Vogelfauna. Hier werden einerseits kranke und verletzte Vögel aufgepäppelt, andererseits findet täglich zweimal eine Flugvorführung statt. Um 11.15 und 15.15 Uhr ziehen Falken, Adler und Co. ihre Kreise über den Köpfen der Zuschauer. Achtung: Bei der Burg gibt es keine Parkplätze. Man muss sein Auto im Dorf stehen lassen und zu Fuss zum Schloss resp. Pflegezentrum gehen, was ungefähr 20 Minuten dauert. Im Dorf gibt es gefühlte tausend Cafés, Eisdielen und Restaurants, einige sogar mit Blick auf die Trutzburg.

Das Schloss im Dorf Tirol.

Flugshow im Pflegezentrum für Vogelfauna im Dorf Tirol.

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