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Die Königin aller Exklaven
Kategorien: Belgien, Niederlande, Reisetipps
Mein alljährlicher Ausflug nach Düsseldorf begann diesmal in der Bahnhofskneipe “Zum Schiffchen”, wo mein Gastgeber A.P. und ich Fortuna Düsseldorfs 4:2-Auswärtssieg bei Aue verfolgten. Nach einigen Alt ging es zu mehr Alt (mehr Alt = Älter?) und Mainzer mit Kümmel ins “Uerige”. Im nahegelegenen “Et Kabüffke” genossen wir ein Gläschen Killepitsch und endeten in der “Kneipe” bei einem Stress, der uns den Rest gab.
Doch unser Wochenendziel war ein ganz anderes, nämlich ein von A.H. initiierter Konzertbesuch in Puurs, wo am Pukemarock Festival die UK-Band The Levellers aufspielten. Sozusagen als Vorgruppe trat Lokalmatador Jonathan Vandenbroeck alias Milow auf, der im Zusammenspiel mit dem Regen für ein volles Zelt sorgte.
Vor dem Konzert schauten wir uns die belgische Stadt mit den meisten Einwohnern an, nämlich Antwerpen. Wir begannen beim Parkhaus, das heisst, bei der Burg Steen, kämpften uns vor zum Grote Markt, wo eine Handvoll Austria-Tennis-Hooligans den Platz unsicher machten. Österreich setzte sich in dieser Auseinandersetzung schliesslich 4:1 durch – knapp ein Jahr zuvor in der Fussball-EM-Quali spielten die Österreicher übrigens gegen denselben Gegner in Brüssel in einem Hitchcock-Finale 4:4. Schliesslich schauten wir auf Initiative von F.M. das Rubenshaus an. Zu mehr Sightseeing blieb uns des Konzerts wegen keine Zeit, obwohl die europäische Kulturhauptstadt von 1993 mit dem zweitgrössten Binnenhafen Europas natürlich viel mehr zu bieten hat.
Doch weder der Abend in Düsseldorf, noch Antwerpen, noch das charaktervolle Openair in Puurs blieben uns von diesem Wochenende am besten in Erinnerung:
Nach der Abfahrt in Düsseldorf durchquerten wir mit dem Mietwagen bald Hollands südlichen Zipfel und im Autoradio ertönte – wohl ein Hinweis auf Kommendes – Austria 3. Als wir in Belgien mit seinen nicht mehr beleuchteten Autobahnen einfuhren, entdeckten wir auf der Landkarte die Ortschaft Baarle, die nicht weit ab von unserer geplanten Route lag.
Diese belgische Exklave in Holland ist für ihren speziellen Grenzverlauf berühmt. Ein Blick auf die Landkarte sagt eigentlich schon alles: Der belgische Teil von Baarle besteht aus 22 Stücken, wobei in zwei davon wiederum sieben holländische Exklaven liegen… Eine komplizierte Angelegenheit, die dazu geführt hat, dass es in Baarle alle offiziellen Organe in zweifacher Ausführung gibt.
Die Gemeinde weist einige Kuriositäten auf, die es weltweit nicht allzu oft zu bestaunen gibt. Landesgrenzen, die mitten durch Häuser gehen. Paradebeispiel ist ein Getränkeladen, der eine holländische und eine belgische Telefonnummer sowie zwei verschiedene Adressen hat. Und gewisse Wohnblocks haben einen Eingang in Holland und einen anderen in Belgien. Ob die Bewohner wohl ihr Haus immer im selben Land verlassen und im anderen betreten? Die Nationalität der Hauseingänge sieht man der jeweiligen Hausnummer an: holländisch rot-weiss-blau und belgisch mit der Fahne oben links:
Wer in der Gegend unterwegs ist, sollte sich Baarle jedenfalls nicht entgehen lassen. Kaum eine andere Exklave weltweit kann einen verrückteren Grenzverlauf vorweisen.
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