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Die Stadt des Tango
Kategorien: Argentinien
Man kann Buenos Aires natürlich besichtigen wie jede andere Stadt auf einer Reise. Doch so würde man dieser Stadt nicht gerecht. Man würde dann nur mit dem Reiseführer in der Hand von einer Sehenswürdigkeit zur anderen hetzen, ohne die Atmosphäre der Stadt wahrzunehmen. Das wahre Buenos Aires aber ist voller Musik, eine Welt voller Melancholie und Leidenschaft zugleich.
Foto: WikimediaCommons; Anouchka Unel.
“Tango” heisst das Zauberwort – und Buenos Aires ist Tango, tanzt Tango, ja lebt Tango – eine Leidenschaft, die schon längst in andere Länder hinübergeschwappt ist und selbst in so anderen Ländern wie Finnland viele Anhänger findet.
Dere Tango ist ursprünglich der Tanz der Vorstädte und wurde in La Boca geboren, wo die Hafenarbeiter sich mit dem Tanzen zu melancholischer Musik die Wartezeit vor den Bordellen vertrieben. So sagt es jedenfalls die Tango-Legende. Als Gesellschaftstanz lernte die Welt den Tango erst kennen, als er in der Pariser High Society zur Mode der 1920er Jahre wurde. Von dort aus ging der Tango um die Welt.
Auch in Buenos Aires entwickelte sich der Tango weiter zu komplizierten Tanzformen, aber auch zu künstlerischen musikalischen Ausdrucksformen, wie den Kompositionen des berühmten Komponisten und Badoneonspielers Astor Piazzolla (Foto links), der den Tango Nuevo prägte. Tango-Orchester wie das von Anibal Troilo schossen wie Pilze aus dem Boden, Bandoneonspieler und Tango-Sänger wie Carlos Gardel wurden zu Berühmtheiten.
Heute lebt La Boca vom Mythos der Tango-Geburt und wurde zur Touristenattraktion mit den bunten Häusern der Hafenarbeiter, vor denen geschäftstüchtige Portenos, wie die Menschen in Buenos Aires sich selbst nennen, gern in Tangoposen für Fotos posieren, oder gar einen Tango vorführen. Tango ist heute ein Teil argentinischer Lebensart
Mit den Anfängen von La Boca und den tristen Vorstädten haben also weder der heutige Tango, noch die Milongas etwas gemein. An die zwanzig solcher Milongas finden täglich in Buenos Aires statt. Für diese Tango-Abende hat sich längst ein festes Ritual eingebürgert, dessen Regeln man kennen muss, um mimachen zu können. Tische stehen um die Tanzfläche herum, es gibt feste Sitzordnungen. Das Auffordern zum Tanz obliegt dem Mann – ausschliesslich – und geschieht nur durch Blickkontakt. Zutritt zu den Milongas erhält man durch Zahlung eines kleinen Eintrittsgelds.
Touristinnen, die sicher sein wollen für die kurze Zeit, die sie in Buenos Aires sind, auch einen Tänzer zu haben, können sich Milongueros mieten. Diese Dienste werden in fast allen Hotels per Anschlag oder Handzettel angeboten, oft ist man an der Hotelrezeption auch behilflich.
Wer sich im Tanz noch nicht sicher genug fühlt, besucht eine der zahlreichen Tangoschulen, oder nimmt Einzelunterricht. Tango ist wegen der mehr als 100.000 Touristen, die jährlich nur wegen des Tangos kommen, zum Wirtschaftszweig geworden. Rund CHF 80 Millionen werden von dieser Tangoindustrie jährlich umgesetzt. Es hat sich natürlich herumgesprochen, dass Argentinien für Europäer preiswert ist. So kostet eine Tanzstunde etwa CHF 5 und ein Milonguero pro Abend um die CHF 20.
Höhepunkt im Tangorhythmus des Jahres ist der 11. Dezember, der “Tangotag” mit vielen Tangovorführungen vor allem in San Telmo. Dieser Tag war der Geburtstag sowohl von Julio de Caro als auch von Carlos Gardel, die mit diesem Feiertag geehrt werden. An diesem Tag gibt es keine tangofreie Zone in Buenos Aires.
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