Von am 8. Mai 2012 um 15.56 Uhr
Kategorien: Italien, Reiseberichte & Insider, Reisetipps

Das berühmte Prada-Logo. Foto: iStock; Massimo Merlini

Wie in meinem Post Genussreise nach Mailand angekündigt, erzähle ich euch heute die Geschichte über das Prada Outlet Center in Montevarchi in der Nähe von Florenz.

In meiner Jugend war ich begeistert von einem Buch namens “Erewhon”, ein utopischer Roman des englischen Schriftstellers Samuel Butler. Erewhon ist ein Anagramm von nowhere (utopia eben), ähnlich wie George Orwell für seinen 1948 geschriebenen Roman den Titel 1984 gewählt hat. Butler setzt Grossbanken mit Kirchen gleich, in denen Geldgeschäfte wichtiger sind als Gottesdienste. Die Transaktionen vom Betreten des Prada Outlets bis zur Ankunft in Zürich kamen auch mir vor wie eine perfekt durchorchestrierte Zeremonie.

Space – so heisst das Outlet Center – öffnet unter der Woche um halb elf. Die meisten Kunden sind jedoch schon früher dort und ziehen, ähnlich wie bei der Schweizer Post, ein Nümmerchen. Das ist wichtig, um in der ersten Gruppe (Nummern 1 – 100) in die Verkaufshalle gelassen zu werden. Als wir um 10 Uhr ankommen, ist der Parkplatz schon ziemlich voll. Einige Kunden sind sogar mit Taxis aus Florenz angereist.

Abwarten und Kaffee trinken

Die Zeit bis zur Tür-Öffnung verbringt man mit Frühstücken im Outlet-Café. Von innen gleicht der Komplex einem Hochsicherheitsgefängnis, umgeben von einem riesigen Käfig inklusive Wachturm. Vor der Glastüre, die zum Einkaufsparadies führt, bildet sich eine Schlange. Dies erinnert mich an eine Anekdote. Hier stehen jedoch weder Deutsche noch Italiener, sondern vor allem AsiatInnen an. Punkt 10.30 Uhr dürfen die ersten Hundert rein, wobei vom Sicherheitspersonal am Eingang peinlich genau die Zettelchen geprüft werden. Denn ohne gültige Nummer gibt’s keinen Einkauf und das wäre schlecht für alle Beteiligten.

Weitgereiste KundInnen

Ungefähr 80% der Kundinnen stammen aus Asien. Eigentlich ein Paradox, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit der im Space feilgebotenen Produkte in Asien hergestellt werden und zwar in Vororten von grösseren Städten. Nun reisen die Bewohnerinnen derselben Städte, in deren Nähe die Waren mutmasslich produzierten werden, den Produkten in Richtung Europa nach. Dort begeben sie sich ihrerseits in einen Vorort einer grösseren Stadt – denn dasselbe Produkt in einem Laden im Zentrum wäre viel zu teuer – wo sie endlich die Frucht ihrer Bemühungen ernten können.

Shop ’til u drop

Auf ungefähr sechs Abteilungen verteilt gibt es Schuhe, Accessoires, Parfum und Kleider für Damen und Herren. Ich interessierte mich für Herrenschuhe. Hat man ein passendes Modell gefunden, erkundigt man sich beim Personal nach der gesuchten Grösse. Ein Handcomputer erkennt auf den ersten (Laser)-Strahl, ob welche auf Lager sind. Falls ja, werden sie von einem Lakaien gebracht. Hat man sich zum Kauf entschieden, wird man nach der am Anfang gezogenen Nummer gefragt und die Schuhe werden an der Kasse unter der persönlichen Nummer zwischengelagert.

Aufgepasst beim Zoll

Ist man mit Einkaufen fertig, muss man an jeder einzelnen Kasse auschecken. Inbegriffen ist auch das Formular für die Rückerstattung der Mehrwertsteuer am Flughafen. Am Flughafen angekommen, muss man jedoch zuerst einchecken, denn erst mit dem Ticket kann man sich zu den beiden Schaltern für Rückerstattungen (12%) begeben. Aber Vorsicht, diese haben nur bis 14 Uhr geöffnet. Doch das ist noch nicht alles: wenn man Pech hat (wie ich) und in der Schweiz am Zoll angehalten wird, darf man schliesslich wieder 8% abliefern, falls der Einkaufswert CHF 300 überschreitet. Das Positive: die Busse fürs Nichtdeklarieren wird meist erlassen. Hätte ich doch die neuen Paar Schuhe vor dem Abflug angezogen und das ganze Verpackungsmateriel weggeschmissen… Doch irgendwie hätte das die ganze Choreografie durcheinandergebracht.

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