Von am 20. Juni 2012 um 8.42 Uhr
Kategorien: China, Länder, Reiseberichte & Insider

Auf unserer letzten Etappe entlang der Seidenstrasse fuhren wir mit dem Nachtzug von Turpan nach Liu Yuan, einem Ort nahe unserem nächsten Ziel. Frühmorgens erreichten wir Liu Yuan und warteten auf unsere beiden Begleiter, die uns nach Dunhuang bringen sollten. Doch keine Spur, weder von unserem Fahrer noch von unserem Guide. So standen wir auf dem völlig verlassen Bahnhof mitten in der Wüste. Zum Glück tauchten die beiden doch noch auf und weiter ging die Reise.

Dunhuang liegt in der zu Xinjiang angrenzenden Provinz Gansu. Die Oase war früher ein wichtiger Knotenpunkt an der Seidenstrasse. Ebenfalls unweit der Stadt im Nordosten beginnt die Wüste Gobi, im Südwesten die Taklamakan-Wüste. Dunhuang ist verglichen mit den Chinesischen Grossstädten ein kleines Provinznest – und daher übersichtlich und gemütlich. Es gibt einen Nachtmarkt und eine Strasse, in der die wenigen Hui-Chinesen ihre kleinen Restaurants führen. Dort konnten wir zum letzten Mal während unserer Reise die saftig gewürzten Lammspiesse und das leckere Nan Brot geniessen. Nebst dem Nachtmarkt gibt es in der Umgebung von Dunhuang einige Naturschönheiten zu bewundern:

Mingshashan Sanddünen

“Mingshashan“ bedeutet auf Chinesisch so viel wie klingender/rauschender Sandberg. Da die Dünen im Wind pfeiffen, bekamen sie diesen Namen. Sie liegen direkt an der Stadt und ziehen viele Touristen an. Die Höhe der Dünen beträgt bis zu 300 Meter. Der Sand ist zum Teil rot, gelb, grün, schwarz und weiss. Es werden Aktivitäten angeboten wie Kamelreiten, Quad Fahren, mit einem Ring oder Schlitten die Dünen heruntersausen. Wir entschieden uns für eine Dünen-Wanderung. Der Aufstieg war allerdings anstrengend bei über 30 Grad Celsius. Es fühlte sich ein bisschen an, wie durch den Tiefschnee zu waten. Das Hinunterrennen machte dafür doppelt so viel Spass. Fotos zum Vergrössern anklicken.


Mondsichelsee

Am nördlichen Fusse des Mingshashan liegt eine kleine Oase mit einer neumondförmigen Quelle. Während all den Jahren wurde der See nie von Sandstürmen begraben, eine Seltenheit. Allerdings wird er durch die stetig zunehmenden Temperaturen irgendwann austrocknen. Die Chinesen wissen sich da zu helfen: So errichten sie nicht weit davon eine Fälschung. Fürs Fälschen sind die Chinesen ja bekannt. Früher wurde der Mondsichelsee von einem Fluss mit Wasser beliefert, dieser ist aber schon vor Jahren ausgetrocknet. Neben dem See wurde im 20 Jahrhundert eine Pagode gebaut, die dem See einen besonderen Zauber verleiht.

Mogao-Grotten

Mogao ist eine Flussoase unweit von Dunhuang. Hier wurden zwischen dem 4. und 12. Jahrhundert von buddhistischen Mönchen etwa 1000 Höhlen in die Felswände geschlagen. 492 dieser Grotten sind heute noch erhalten und zum Teil für Touristen zugänglich. In den Höhlen findet man Skulpturen und Wandmalereien mit buddhistischen Motiven. Auf den Zeichnungen wird das Leben der Leute und der Händler der Seidenstrasse dargestellt. Dank des trockenen Klimas haben sich die Kunstwerke der Grotten gut gehalten und die Farbe der Malereien leuchtet wie neu. Die Mogao-Grotten gelten als grösste, älteste, inhaltsreichste und am besten erhaltene Schatzkammer des Buddhismus. Eines der Wahrzeichen ist die neunstöckige Grotte, in der sich eine 35 Meter hohe Buddha Statue in sitzender Stellung befindet.
Im Jahr 1900 wurden die Höhlen von einem taoistischen Mönch entdeckt und mit ihnen rund 50‘000 Manuskripte, welche die Mönche im 11. Jahrhundert in einer Höhle eingemauert hatten, um sie vor den Mongolen zu schützen. Aufgrund dieser Dokumente und den Wandmalereien konnten wichtige Teile der Geschichte der Seidenstrasse gewahrt werden.
Die Grotten wurden mit Hilfe der chinesischen Regierung restauriert und für den Tourismus zugänglich gemacht. Viele der Höhlen wurden auch von wohlhabenden Familien gekauft und für private Zwecke genutzt. Die Mogao-Grotten sind für viele Touristen das Highlight einer Seidenstrasse-Reise. Uns gefielen die Bäkäklik-Grotten nahe Turpan aber besser, da diese weniger touristisch waren und natürlicher wirkten.

Von Dunhuang führt die Seidenstrasse weiter nach Xi’an. Unser Seidenstrasse-Abenteuer endete aber hier, da wir Xi’an schon besucht haben. Mit unzähligen Eindrücken und einem ganz anderen Bild von China flogen wir wieder zurück nach Xiamen.

Zum Weiterlesen:
Entlang der Seidenstrasse (1): Fakten über Xinjiang
Entlang der Seidenstrasse (2): Kaschgar und Umgebung
Entlang der Seidenstrasse (3): Karakorum Highway
Entlang der Seidenstrasse (4): Ürümqi
Entlang der Seidenstrasse (5): Turpan

Die Autorin: Tamara Benz, Jahrgang 1983, ist in Davos geboren und aufgewachsen, ehe sie für sieben Jahre nach Brugg zog. Dann ging ihre Reise weiter: Seit kurzem lebt sie nun in China. Ihr Freund hat hier einen Job als Expat in der Stadt Xiamen bekommen. Und sie will die Möglichkeit nutzen, Land, Leute und die Sprache kennenzulernen. Hier im Blog berichtet Tamara regelmässig über ihr Leben in Asien.

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