Andere Länder, andere Sitten – das gilt auch für islamische Länder. Mehr als 1,5 Milliarden Menschen weltweit bekennen sich zum Islam, sie bilden in einem Viertel aller Länder sogar die Religions-Mehrheit. Dazu gehören auch viele Urlaubsländer, etwa am Mittelmeer oder am Indischen Ozean sowie Fernziele wie Indonesien.

Zwischen den Sitten und Gebräuchen so verschiedener Länder gibt es durchaus mehr oder weniger grosse Unterschiede. Da sie aber alle durch den Islam geprägt sind, gibt es einige Grundregeln für angemessenes Verhalten, die in all diesen Ländern gelten. Hier unsere zehn Verhaltenstipps, mit denen man die wichtigsten Fettnäpfchen in islamischen Ländern umschifft:

1. Bekleidung:
Ausserhalb von Strand, Hotelbereich und Tourismus-Zonen sollte man als Mann lange Hosen tragen. In islamischen Ländern werden kurze Hosen als eines Mannes nicht würdig und irgendwie albern angesehen. Auch für Frauen empfiehlt sich eine nicht zu knappe Kleidung. Bauchfreie Shirts, Trägertops oder knallenge, knappe Shorts und Röcke sollten tabu sein, denn sie verletzen das religiöse und sittliche Empfinden der Einheimischen. „Oben ohne“ zu baden, könnte gar zu ernsthaften Problemen führen.

2. Schuhe aus!
In islamischen Ländern zieht man immer die Schuhe aus, wenn man eine Wohnung betritt

3. Moschee-Besuch
In einigen islamischen Ländern ist der Besuch von Moscheen für Nicht-Muslime verboten. Wo es sich um Moscheen handelt, die überwiegend musealen Charakter haben (dazu gehören auch Bauten in Marokko und Tunesien), haben auch Nicht-Muslime Zutritt. In jedem Fall hat man auch hier seine Schuhe auszuziehen.
Frauen dürfen Moscheen meist nur mit einem Kopftuch betreten und sollten sich nur dort aufhalten, wo keine Männer beten und möglichst im hinteren Bereich der Moschee bleiben.

4. Begrüssung
Generell vorsichtig sein sollte man als Mann bei der Begrüssung einer Frau. Da kann schon ein Handschlag problematisch sein. Einer verschleierten Frau sollte man nie die Hand geben; ansonsten liegt man richtig, wenn man einer Frau nur dann die Hand reicht, wenn sie die Initiative ergreift. Frauen sollten Männern gegenüber zurückhaltend auftreten – mit einem kurzen Nicken und einem freundlichen Lächeln macht man garantiert nichts falsch. Unter Männern ist ein Handschlag korrekt, unter Freunden eine Umarmung. Manche Männer drücken ihre Wertschätzung dadurch aus, dass sie ihre Hand aufs Herz legen.

5. Im Kaffeehaus
In vielen islamischen Ländern spielt sich das gesellschaftliche Leben der Männer im Kaffeehaus ab. Hier kann man als Mann am leichtesten Kontakt zu Einheimischen knüpfen. Frauen sollten solche Lokale nur dann betreten, wenn sie erkennbar einen Familienbereich haben.

6. Essen, Trinken, Gastfreundschaft
Nicht nur bei einem traditionellen Essen ohne Besteck gilt: immer mit der rechten Hand essen, die linke Hand wird als unrein erachtet. Vor und nach dem Essen ist Händewaschen angesagt. Nach dem Koran darf ein Muslim keinen Alkohol trinken. In einigen Ländern wie Saudi Arabien, Libyen, Iran und Kuwait herrscht totales Alkoholverbot. In anderen Ländern versucht man, auch den Touristen gerecht zu werden: Dort gibt es mitunter in Restaurants, Hotels und Bars der Touristenzonen Alkohol. In jedem Fall sollte man auch dort nicht mit einer Bierdose in der Hand in der Öffentlichkeit herumlaufen. Türken und Araber sind sehr gastfreundlich, und man sollte Einladungen ruhig annehmen. Tut man dies, ist ein kleines Gastgeschenk angesagt, aber bitte daran denken: Alkohol ist tabu. Perfekt macht man es, wenn man das Gastgeschenk dem Herrn des Hauses überreicht.

7. Ramadan
Der Ramadan ist der islamische Fastenmonat. Das Fasten ist eine der fünf Grundsäulen des muslimischen Glaubens. Während dieser Zeit nehmen Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang weder Speisen noch Getränke zu sich und rauchen nicht. Man sollte also auch als Reisender nicht genussvoll öffentlich schlemmen. Das kann in manchen islamischen Ländern sogar die Polizei auf den Plan rufen. Gegessen wird erst wieder nach Sonnenuntergang – dann aber richtig festlich und fröhlich.

8. Fotografieren
Manche Muslime lassen sich gern fotografieren, andere nicht, weil sie entweder den bösen Blick fürchten oder einer orthodoxen Glaubensrichtung angehören. Um Probleme zu vermeiden, sollte man ganz einfach jede Person, die man fotografieren möchte, fragen; das geht ja zur Not auch mit Händen und Füssen.

9. Feilschen
Das Feilschen gehört auf jedem Basar oder Souk, vor allem bei höherwertigen Gegenständen, zur Alltagskultur im Vorderen Orient.Es gilt als ehrenhaft, durch das Feilschen einen fairen Interessenausgleich zwischen Verkäufer und Käufer herzustellen. Um einen kleinen Bund Petersilie hingegen würde kein Araber oder Türke je verhandeln.
Man sollte bedenken, dass, wenn man einmal anfängt zu feilschen, der Händler auch erwartet, dass es anschliessend zum Kauf kommt. Passiert das nicht, ist er beleidigt, wenn der Kunde einfach geht. Der Verkäufer wird ihm aber keinesfalls nachlaufen, wie der Kunde das vielleicht erwarten würde oder aus anderen Ländern gewohnt ist. Für ihn hat dieser Nichtkäufer schlichtweg sein Gesicht verloren.

10. Small Talk
Generell ist es im Vorderen Orient nicht üblich, in einem Gespräch – so wie wir Mitteleuropäer es gewohnt sind-, schnurstracks auf den Punkt zu kommen. Man redet zunächst über Dies und Das, die Familie, betreibt Small Talk, bevor man langsam die Kurve kriegt und zum eigentlichen Thema vordringt. Themen, die man generell lieber meiden sollte, sind Politik und Religion. Noch zwei Regeln: Beim Essen wird meist geschwiegen, und ältere Menschen werden grundsätzlich nie unterbrochen.

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Kommentare

  • Mike

    Super, na das ist mal ein Post, der es Wert ist, ihn bis zum Schluss zu lesen. Man kann sich natürlich fragen, weshalb wir Westler uns den dortigen Umständen anpassen sollen, wenn unsere hiesigen Muslime jegliche Integration behindern.

    Trotzdem glaube ich, dass nicht jeder wusste, wie wann wo und warum man sich so oder so verhalten sollte.

    Wem diese Regeln zu hart sind, sollte erst gar nicht ein islamisches Land besuchen…

    Chapeau! Gelungen, der Artikel.

    4. Juni 2009 at 16:23
  • Michael Turzynski

    Ja, ich denke hier ist alles Wichtige gesagt worden. Die Ausnahmeregel für Reisende während des Ramadans wird je nach Land unterschiedlich gehandthabt. Während es in den Golfstaaten außerhalb der Hotels nix zu Essen und zu trinken gab, war die Handhabung im Iran korrekt. An den Busstationen waren die Restaurants geöffnet. Wobei ich persönlich mit dem Fasten weniger Perobleme hatte. Nur mit dem Nichttrinken ging es nicht – es sind ja auch warme Länder…

    18. Juni 2009 at 18:42

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