Man kennt ihn in der Schweiz vor allem dafür, dass er der Swissair einen neuen Anstrich verpasste und der frisch gegründeten Swiss International Airlines eine Identität gab. Vom bahnbrechenden Namen „Swiss“ bis zu den dunkelbraunen Holzklötzen in den Lounges hat Tyler Brûlé und seine Firma Winkreative den Schweizern weltweit ein neues (Retro-)Gesicht gegeben.

In einem längeren Artikel in der „Financial Times“ liess sich Tyler Brûlé vor Kurzem über eine neue Spezies von Businessleuten aus: die Out-of-Office-Geschäftsleute. Eine Welle von Abwesenheitsnotizen (Neudeutsch: Out-of-Office-Nachrichten) ziehe vom Norden Europas bis hinunter nach Italien, meint er.

Der Artikel erschien übersetzt als Kolumne „Faule Bande“ im Merian.

Out-of-Office Menschen hassen ihren Job. Wirklich?

Er beginnt ganz interessant und weckt sogar ein wenig die Reiselust. Doch dann fordert Brûlé, dass Geschäftsleute in wichtigen Positionen gefälligst auf ihre E-Mails reagieren sollen. Da ist wohl einer mehrfach abgeblitzt…
Die Bürowelt hat sich weiter entwickelt, das stimmt, und man erhält heutzutage fast überall Zugriff auf seine E-Mails. Ich lese meine E-Mails auch, wenn ich frei habe oder irgendwo in den Ferien einen drahtlosen Internetanschluss bekomme. Doch soll man in den Ferien wirklich E-Mails beantworten (müssen)? Hilft das Out-of-Office vielleicht nicht gerade den Leuten, die sonst nicht abschalten könnten? So wissen sie: Egal, wer sich meldet, er weiss, dass ich nicht umgehend antworten werde. Dies heisst doch nicht, dass diese Menschen unzufrieden in ihrem Job sind – wie Brulé es aber behauptet!


Kommt hinzu, dass viele Geschäftsmänner in den Chefetagen wahrscheinlich sowieso nicht viele Ferien nehmen. Da widerspricht sich Brûlé ein wenig – Ferien ja, aber nicht lange und wenn, dann bitte kein Out-of-Office angeben. Hmm. Ich denke, in der heutigen vernetzten Welt ist es schwierig, wichtige, äusserst dringende Informationen von lapidaren E-Mails zu trennen. Erlaubt man, dass man E-Mails in den Ferien empfängt, wird man sich sowieso durch alle durcharbeiten müssen. Auch wenn man nicht alle beantwortet, wird man sie lesen müssen, um wichtig und dringend von lapidar zu trennen. Wird eine dringende E-Mail übersehen, dann wäre es doch besser, wenn der Absender wüsste, dass er sich an jemand anderen wenden muss. Dann würde er ja anrufen oder schneller die Firma kontaktieren, um über einen anderen Weg eine Entscheidung zu finden.
Drum denke ich, die Out-of-Office-Nachricht ist vor allem in der Sommerzeit etwas Gutes. Raus mit euch an die Sonne! Egal, was Mr. Brûlé sagt. Leute, die Urlaub machen, sind doch nicht zwangsläufig faul.

Eine Mustervorlage für eine Abwesenheitsnotiz gibt es übrigens nicht, ausser diejenigen, die vom E-Mail-Programm selber (eher kühl) vordefiniert wird. Hier ein Vorschlag zu Form und Inhalt:

Inhalt:
– ab welchem Datum man zurück ist
– ob der Absender in der Zwischenzeit mit einer Antwort rechnen darf
– Angabe der autorisierten, für Entschiedungen bevollmächtigen Person inkl. Kontakt

Form:
– möglichst keine privaten Kontaktdaten angeben
– freundlich und persönlich schreiben
– professionell bleiben
– den Eindruck vermitteln, dass einem die E-Mail wichtig ist

Und wer nicht weiss, wie sowas geht:
Wie mach ich das in Outlook?

Übrigens: Über Tyler Brulés Artikel, die er regelmässig in der „FTD“ veröffentlicht, hat Udo Habermann hier schon einmal berichtet.

Tagged: Archive, ebookers News

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