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Das Feierabend-Pint im Pub ist ein typischer Bestandteil des englischen Alltags. Doch oft sind es nicht das Lagerbier, die Ales oder die Gins, die die Pub-Besucher anlocken, sondern vielmehr die heimelige Atmosphäre in den Lokalen – und das ist bereits seit Jahrhunderten so. In Londons Pubs, von denen einige noch aus dem Mittelalter stammen, gingen Verbrecher und Poeten ein und aus. Sie waren Schauplatz von Boxkämpfen und Verstecke von Hehlerware und dienten zahlreichen Romanautoren als Inspirationsquelle. Unabhängig davon, ob das Essen passabel ist oder nicht – allein die bunten Hintergrundgeschichten sind Grund genug für einen Besuch. Hier sind die 10 besten historischen Pubs.

  1. The Guinea, Mayfair

Wie viele Londoner Pubs hat sich The Guinea seit seinen Anfängen als Gasthaus im frühen 15. Jahrhundert immer wieder neu erfunden. Im 16. Jahrhundert war Mayfair noch Ackerland, weshalb die Klientel anfänglich noch aus Landarbeitern und handfesten Burschen bestand. Erst mit dem demografischen Wandel nach dem Grossen Brand von London 1666, als betuchtere Bürger nach Mayfair kamen, änderte sich auch die Kundschaft dieses Londoner Spunten. 1952 eröffnete hier das Restaurant «The Guinea Grill», das heute durch eine einfache Trennwand aus Holz von der Bar abgegrenzt ist. Das Pub bietet eine umfangreiche Auswahl an Young’s Ales und klassische Gerichte wie Kidney Pie (Nierenpastete) und Kalbsleber.

  1. Hoop & Grapes, Aldgate

Haben Sie keine Angst, wenn Sie beim Genuss Ihres Real Ale im Hoop & Grapes Gespenster sehen – die gehören quasi zum Inventar. Bereits 1721 öffnete auf diesem Areal am Fleet River – zum Teil auch auf dem Friedhof der St Bride’s Church – eine Schankstube, in der in der Folgezeit zahlreiche Hochzeitsfeiern stattfinden sollten. Damals waren diese Ehen unrechtmässig, da sie ausserhalb der Heimatgemeinde der Paare geschlossen wurden. Das Pub ist ausserdem berühmt dafür, eines der wenigen Gebäude zu sein, die das Grosse Feuer von London überstanden, wobei das Gebäude zu diesem Zeitpunkt allerdings noch ein privates Wohnhaus war.

  1. Lamb & Flag, Covent Garden

Obwohl das heute kaum zu glauben ist, war Covent Garden einst eine üble Gegend, und Mittelpunkt dieser Ausschweifungen war dieses Pub. In dem 1772 als Cooper Arms eröffneten Pub wurden im frühen 19. Jahrhundert Bare-Knuckle-Preiskämpfe ausgetragen, weshalb es auch den berühmt-berüchtigten Spitznamen «Bucket of Blood» trug, was wörtlich übersetzt «Bluteimer» bedeutet. In der Gegend scheinen Gewalttaten keine Seltenheit gewesen zu sein: So weist auch eine Plakette an der Aussenwand darauf hin, dass der Dichter John Dryden 1679 in einer nahe gelegenen Gasse ermordet wurde. Die Schänke, zu deren Stammkundschaft im 19. Jahrhundert auch Charles Dickens gehörte, bekam ihren heutigen Namen im Jahr 1833.

  1. Cittie of Yorke, Holborn

Allein die skurrile Orthografie des Namen dieses Pubs ist Grund genug, ihm einen Besuch abzustatten. Aber auch die günstigen Biere der Brauerei Samuel Smith’s Old Brewery sollten eine gewisse Rolle bei der Entscheidung für diesen Spunten spielen. In dem Gebäude befindet sich bereits seit dem Mittelalter – genauer gesagt seit den 1430er-Jahren – ein Pub. Nur für einen kurzen Zeitraum im 17. Jahrhundert war es, wie es damals Mode war, ein Kaffeehaus. Das heutige Gebäude wurde in den 1920er-Jahren errichtet, umfasst jedoch noch einige Elemente der ursprünglichen Strukturen aus dem Mittelalter. Im Inneren wartet das Pub mit Interieur aus dunklem Holz, einer langen Bar, einem grossen Saal und weiteren Sitzgelegenheiten im Untergeschoss auf. Es heisst, der walisische Schriftsteller Dylan Thomas liebte die Beize so sehr, dass er ein Gedicht über sie schrieb.

  1. The Old Bell Tavern, Fleet Street

Das Gebäude, in dem das Pub heute untergebracht ist, wurde ursprünglich von dem Astronomen und Architekten Christopher Wren für seine Steinmetze errichtet, die die St Bride’s Church nach dem Grossen Feuer von London wiederaufbauten. Eine der ersten Druckerpressen der Stadt befand sich in der Nachbarschaft, und Zeitungsreporter sollen hier ihre Artikel geschrieben haben, während sie ihre Pints tranken. Dank seiner Robustheit überstand das Gebäude 1940/41 die im sogenannten «The Blitz» verübten Angriffe der deutschen Luftwaffe, und das Geschäft läuft heute besser denn je. Hier gibt es eine wunderbare Auswahl an Ales, Lagerbieren und Gins – letzteres wenig überraschend, liegt doch die Destillerie der City of London Gins gleich gegenüber.

  1. Ye Olde Cheshire Cheese, Fleet Street

Viele Londoner Pubs haben eine Verbindung zur Literaturgeschichte, und das Ye Olde Cheshire Cheese macht hier keine Ausnahme. Da es sich nur vier Gehminuten von der The Olde Bell Tavern befindet, verwundert es nicht, dass Charles Dickens auch hier verkehrte – wie auch Sir Arthur Conan Doyle und sogar Mark Twain, der ja bekanntlich Amerikaner war. Der Eingang des Pubs liegt in einer engen Gasse, und im Inneren reihen sich Keller und Kammern aneinander, die noch aus jenen Tagen stammen, als dort im 13. Jahrhundert ein Kloster stand. Das Pub besteht bereits seit den 1530er-Jahren, wurde aber 1667 nach dem Grossen Feuer von London wiederaufgebaut.

  1. Ye Olde Mitre, Hatton Garden

Dieses renovierte Pub im Tudorstil wurde 1546 im Hatton Garden in Holborn eröffnet. Es ist nicht ganz leicht zu finden, da es nur über einen engen Durchgang erreichbar ist, die in den Garten führt. Das Pub befindet sich ganz in der Nähe des Ortes, an dem der schottische Ritter William Wallace 1305 gehängt wurde. Das Ye Olde Mitre ist jedoch für ein freudigeres Ereignis bekannt. Ein Teil des Pubs wird von einem Kirschbaum gestützt, um den einst Königin Elisabeth I. mit Sir Christopher Hatton getanzt haben soll. Hier erwartet Sie eine erlesene Auswahl an Real Ales vom Fass, die hervorragend zu den angebotenen Pasteten und Eintöpfen passen.

  1. The Prospect of Whitby, Wapping

Während man heute die Locations am Flussufer eher mit der gut betuchten Elite in Verbindung bringt, war dieses Pub in Wapping lange Zeit Treffpunkt von Piraten, Schmugglern und Dieben. Als es in den 1520er-Jahren als The Pelican eröffnete, erhielt es schnell den Beinamen «The Devil’s Tavern». Boote, die an der Themse anlegten, wurden innert kürzester Zeit geplündert – von Dieben, die das Pub als Basis nutzten. Aus dieser Zeit ist jedoch lediglich der Steinboden erhalten. Dem heute schicken Pub ist die damals schmuddelige Taverne lange gewichen, und es werden Craft-Biere und Gins angeboten.

  1. The George Inn, Borough

Halten Sie Ausschau nach dem Geist von Mrs. Murray, der Wirtin des Gasthauses, das hier stand, als die ersten Eisenbahnverbindungen gebaut wurden, was praktisch das Ende für Gasthäuser bedeutete, die auf den Kutschverkehr ausgelegt waren. Ehe die Eisenbahn in die Stadt kam, bot das nach dem Grossen Feuer von London wiederaufgebaute The George Reisenden und ihren Pferden Unterkunft und Verpflegung. Auch dieses Pub gehörte zu den Stammkneipen von Charles Dickens. Viele dieser Gasthäuser wurden durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das The George überstand den Krieg jedoch unbeschadet und ist heute das einzige Gasthaus mit Galerien in London. Heute gehört das Gebäude dem National Trust, und die damaligen Gästezimmer wurden zu einem Restaurant umfunktioniert.

  1. The Grapes, Limehouse

Das am Flussufer gelegene The Grapes serviert Real Ales und sorgte 2018 für viel Empörung, als einer der Teilhaber, der Schauspieler Ian McKellen, bekannt gab, dass das Pub Stammgäste abweisen und stattdessen mehr Touristen anziehen wolle. Doch es ging nicht immer so hochmütig zu im The Grapes. Das Pub befindet sich seit 1583 an seinem Standort, das heutige Gebäude stammt jedoch aus den 1720er-Jahren. Durch die Lage an der Themse liessen sich dort in der Blütezeit des Britischen Weltreichs die Handelsschiffe hervorragend beobachten, die am Flussufer anlegten, um Waren abzuladen. Später diente die Umgebung des Pubs Oscar Wilde als Inspiration für Das Bildnis des Dorian Gray.

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