Ursprünglich wurde ich beim ebookers.ch-Blog engagiert, um aus der Welt der Geschäftsreisenden zu berichten. Bei meinen ersten beiden Texten hielt ich mich tatsächlich einigermassen an die Vorgabe, doch je länger je weniger schrieb ich über Geschäftliches.

Foto: Keystone; Martin Ruetschi.

Auch bei meiner Art, geschäftlich zu reisen, änderte sich im Laufe der Zeit einiges. In meinen Anfangsjahren langweilten mich Hotels fürchterlich (eigentlich noch immer), weshalb ich meist unkonventionell bei Freunden Unterschlupf suchte und wir nach getaner Arbeit oft noch ausgingen – wobei ich die Rechnungen praktischerweise anstelle der teuren Hotelübernachtungen mit der Corporate Card bezahlte. Dagegen hatten die Chefs nichts einzuwenden.

Unvergessen auch das ungläubige Gesicht meines damaligen Vorgesetzten, als ich ihm seine Frage beantwortete, weshalb auf der Monatsrechnung der Corporate Card eine Jugendherberge erwähnt sei. Natürlich weil ich auf einer Geschäftsreise in Genf da übernachtet hatte! Spätestens von da an wusste ich, dass die regelmässigen Appelle zur Beschränkung der Kosten nur von Beschränkten wirklich ernst genommen werden. Beim nächsten Genf-Besuch stieg ich also wieder in einem Hotel ab.

Nach einer Weile befand ich mich auf Geschäftsreisen in einem derart desolaten Zustand, dass ich mich nicht nur zu erschöpft für weitere zwischenmenschliche Interaktionen fühlte, sondern ganz allgemein genug von Menschen hatte. Interne Meetings sind ja meistens kein Problem, weil die Anforderungen an die Konzentration und die Aufmerksamkeit nicht hoch sind. (Das ist auch einer der Gründe, weshalb Vorgesetzte ihre Reisen viel öfter geniessen: mental sind sie viel erholter.) Ich jedoch gehöre zu derjenigen Spezies, die auf Geschäftsreisen hauptsächlich mit externen Kunden beschäftigt ist. Aus diesem Grund ziehe ich mich am Abend immer häufiger zurück mit dem einen Ziel, schnellstmöglich die Hoteltür hinter mir zu verschliessen, um zu lesen oder Texte für dieses Blog zu schreiben. Das ist wohl der Tribut, den man dem fortschreitenden Alter zahlt…

Geschäftsreisen können zudem äusserst repetitiv sein. Dieselben Destination, dieselben Lounges, dieselben Flugzeuge, dieselben Hotels, dieselben Erlebnisse. So wird auch das Berichten darüber zur reinen Wiederholungsübung. Als ich einmal über andere Facetten schreiben wollte, musste ich irgendwann erschreckt feststellen, dass ich keine Ahnung mehr davon hatte, wo man in gewissen Städten ausgeht, in denen ich mich früher blind bewegt hatte.

Schliesslich kam mir eine Idee, wie ich eine kleine Nuance an angenehmer Variation in meine Geschäftsreisen bringen konnte: Anstelle von immergleichen Direktflügen begann ich, alle möglichen Varianten auszuprobieren. Nicht mehr direkt, sondern via Deutschland, via Bangkok, via Istanbul, via Skandinavien, via Doha, via Wien etc. Manchmal gings in die Hosen: bei Qatar Airways fand ich beispielsweise zu spät heraus, dass man Meilen für mein Vielfliegerprogramm nur auf Flügen zwischen Doha und Frankfurt/München sammeln kann. Dafür gab es auch unerwartete Überraschungen wie die Kaffeeauswahl bei Austrian Airlines: kleiner oder grosser Brauner, kleiner oder grosser Schwarzer, Wiener Melange, Einspänner, Fiaker, Franziskaner, Kaffee verkehrt, Maria Theresia, Kaffee Baileys oder Wiener Eiskaffee!

Nach all diesen fliegerischen Varianten erwartet mich nun jedoch Ende Mai die ultimative Variation. Anstatt per Flugzeug werde ich von meiner nächsten Geschäftsreise mit der Transsibirischen Eisenbahn aus Asien heimkommen. Und was man ausser Birkenwäldern auf dieser Zugfahrt sonst noch alles erlebt, werde ich hier nach meiner Rückkehr berichten. Wer die Strecke vorab im Netz abfahren möchte – bitte sehr:

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