In den vergangenen Wochen überschlugen sich in Europa die Nachrichten zu dem Google-Maps-Dienst „Street View“. Es begann mit einer spontanen Strassenblockade einiger Bewohner in England. Dann folgte ein offizielles Fotografier-Verbot in Griechenland. In Deutschlad bereiten einige Kommunen seit Längerem Resolutionen vor. Datenschützer in Hamburg äusserten beispielsweise die Forderung: Wenn Google nicht ausreichenden Datenschutz gewährleiste, dürfe der Konzern seine Arbeit nicht fortsetzen, ergo keine weiteren Strassenzüge ablichten.

Die Schweizer Medien berichten zur Zeit nur über die Geschehnisse im Ausland, obwohl auch hierzulande schon fotografierende Google-Autos gesichtet wurden. Naja, wir sind ja immer etwas im Rückstand; die Meckerei wird also sicherlich noch von irgendwoher kommen. Die Tatsache allein, dass Google seinen Europasitz in Zürich hat, dürfte wohl kaum alle kritischen Stimmen verstummen lassen.
Doch warum sind wir in Europa denn gegen dieses „Street View“? Das Argument des Bürgermeisters von Molfsee, Roman Hoppe, dürfte jedenfalls kaum repräsentativ für all die anderen Kritiker stehen: „Nicht alles, was aus Amerika kommt, wollen wir auch bei uns haben. […] Wir wollen nicht im Internet sein“, so Hoppe.
Argumentativ schlagkräftigere Bedenkenträger führen vor allem an, dass Verbrecher und Terroristen mittels „Street View“ Lokalitäten einfacher online auskundschaften können. Aber, ehrlich gesagt, ich denke nicht, dass sich daraus grosse Vorteile für Kriminelle ergeben: Auskundschaften, das können sie ja ohnehin vor Ort machen. Das Thema „Recht am eigenen Bild“ halte ich da schon eher für ein Problem. Auf Verlangen entfernt Google angeblich einzelne Bilder. Gut und wichtig finde ich es deshalb auch, dass Leute und Autokennzeichen anonymisiert werden.

Frankreich nutzte „Google Street View“ einmal sehr geschickt fürs Eigen-Marketing: Es zeigte authentische Fotos von der Tour de France mit jubelnden Fans und allem Drum-und-dran. Man fühlte sich wie mittendrin. Das fand ich eine gelungene Aktion für Google- und für die Destination Frankreich, die nicht zuletzt bei den Amerikanern sehr beliebt ist. Inzwischen sind die Bilder allerdings durch Alltagsfotos ersetzt worden; sie sind fad, zeigen leergefegte Strassen, nur ab und zu einen Menschen, dessen Gesicht man nicht erkennen kann.
Aber sei’s drum! Der Datenschutz geht vor. Und derartige Anonymisierungen ändern nichts daran, dass „Google Street View“ extrem hilfreich sein kann, beispielsweise, um sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden, wie ich hier schon einmal beschrieben habe. Und ganz nebenbei sorgen die „Street-View“-Schnappschüsse dafür, dass die Web-Gemeinde ab und an etwas zu lachen hat.

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Kommentare

  • Katja Schönherr

    Neuer Stand der Dinge (6.8.2009). Wie „Focus-Online“ berichtet, ist der Streit zwischen Hamburgs Datenschützern und Google erst einmal beigelegt.

    6. August 2009 at 22:45
  • Sahaja

    Ja,
    wir sind mittlerweile alle zu blöd um eine normale Karte zu lesen. Da ist streetview ja besonders nützlich. Der Bürgermeister von Molfsee ist wohl nicht der Einzige mit laschen Argumenten.

    23. April 2010 at 09:21

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