Vor nicht allzu langer Zeit machte ich mit meiner Partnerin eine Interrailtour, wo es uns auch nach Slowenien verschlug. Vorher besichtigten wir Salzburg, Wien und Prag, doch irgendwie war das Bedürfnis vorhanden, eine Stadt zu besuchen, die (noch) nicht auf der Abhäkelliste der heutigen Globetrotter steht – warum also nicht Ljubljana?

Ljubljanica

Als wir an der Grenze nach dem Pass gefragt wurden, geschah dann etwas wirklich lustiges: Da man beim interrailen ja immer die Destination ins Büchlein einsetzen muss, sagte ich meiner Freundin, dass wir nach „Laibach“ gehen würden. Diesen Namen setzte sie dann auch als Stadt auf die Liste. Als der Zöllner im Reisebüchlein dann Laibach sah, verschlug es ihm die Sprache. Was ihr denn in den Sinn falle, den deutschen Namen der stolzen slowenischen Hauptstadt Ljubljana zu gebrauchen. Sicher 5 Minuten war er enerviert, liess uns dann aber doch noch weiterreisen… Nun, so dramatisch war das auch wieder nicht, aber es hatte uns etwas über das Bewusstsein des nördlichsten südslawischen Völkchens gelehrt.

LjubljanicaRiver-Ljubljana

Der Vorteil der Zugreise ist ja, dass man immer etwas zu sehen kriegt. Die Einfahrt in eine Stadt ist dann auch immer etwas besonderes. Nicht so bei den Städten auf dem Balkan. Der Aussenring einer typischen balkanischen Grossstadt (im Falle Ljubljanas Grossstädtchens) besteht aus ebenso typischen, aber himmelhochjauchzend langweiligen und trostlosen Plattenbauten. Einzig interessantes daran ist die Schätzdauer, wann der Koloss einbricht.

TaborBei der Ankunft in Ljubljana selber waren wir dann aber sehr überrascht. Ein sauberes Städchen (sauberer als Prag), mit einem gaaanz herzigen Flüsschen (Ljubljanica) und noch netteren Menschen. Um Geld zu sparen gingen wir in eine Jugi schlafen (mladinski dom), was wir nicht bereuten. Schlichte Zimmer, aber dennoch waren wir für uns allein. Und die Erreichbarkeit des Zentrums war gar keine Frage: Es ist im Zentrum!
Die Kleinheit Ljubljanas kontrastiert mit dem Angebot an Freizeitmöglichkeiten. Unzählige Restaurants und Bars bieten ihr internationales Flair an, nebenan findet man dann aber immer noch (und jetzt noch viel mehr) Lokale mit dem typischen Jugokitsch (auf „Jugoslawisch“: Jugonostaligija). Und überall hört man alte serbische und kroatische Chansons aus den Boxen trällern. Für jene, die es moderner mögen sei die Gegend im Zentrum um den Fluss erwähnt. Da könnten wir uns Schweizer etwas abgucken: Während man in Zürich am See zwei (!) und an der Limmat eine (!!) Möglichkeit hat, am Wasser zu trinken oder zu „käfelen“, steht der Fluss in Ljubljana allen offen – und viele Wirte haben ihre Bars ans Wasser gestellt. Eine grandiose Idee!

Was habt ihr für Erfahrungen mit kleinen, eher unbekannten Städtchen?

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Kommentare

  • Peter Hogenkamp

    Exotisch? Dort war ja ich als Wenigreisender sogar schon zweimal. 🙂

    (Meine Freundin war beide Male bei einer Konferenz in Portoroz, und da sind wir jeweils hingefahren, wenn wir mal nicht nur Küsten-Kitsch sehen wollten.)

    Sehr hübsches Städtchen, fand ich auch.

    10. April 2008 at 07:45
  • Dusan Milakovic

    Ich finde ja nicht, dass Slowenien irgendwie noch der Geheimtipp ist. Aber während alle nach Griechenland, Spanien, Frankreich oder Italien gehen, ist SLO noch ein Ort, an dem nicht gar so viele Touristen sind, wie z.B. in Kroatien…
    Aber gut besucht ist es schon, gebe ich zu.

    11. April 2008 at 16:36
  • Dusan Milakovic

    Übrigens sind Piran und Portoroz wirklich herzige Fischerdörfchen gewesen. Erst in den letzten Jahren und durch den Bau der Marina sind sie zu Jetsetzielen mutiert…

    11. April 2008 at 16:37
  • Andreas

    Habe grad den Artikel gelesen. Ist gut, doch wie steht es mit anderen Ländern auf dem Balkan?
    Diese Reiseorte sind ja noch (ja, noch) nicht so touristisch, wie im westlichen Europa.
    Bringt ihr mal etwas über günstige Badeferien in der Region?

    Gruss Andreas

    14. April 2008 at 14:38
  • Ralf

    Ich war noch nie in Ljubljana und möchte gerne mal hin. Überhaupt den Balkan mal kennen lernen, auch abseits der Küste.
    Im Moment hab ich leider nur Balkon ;-).

    17. April 2008 at 15:38
  • Andreas

    Es lohnt sich, das lässt sich sicher mal sagen. Das Essen ist gut, die Leute nett (auch wenn sie – wenn sie ehrlich sind – nicht gern Deutsch, sondern lieber auf Englisch mit den Touris sprechen), und das Land ganz einfach schön. Und im Verhältnis gar nicht mal so teuer…
    Übrigens lohnt es sich auch mal den Rest des Landes zu besichtigen. Portoroz und Piran wurden ja schon genannt, Bled wäre sicher auch noch schön…

    17. April 2008 at 16:09

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