Welches ist der richtige Reiseführer, welcher bietet Besonderes, welcher hat die meisten Seiten. Ein kleiner Vergleich.

Im Frühling will ich nach London. Ich war 2005 zum letzten Mal dort, und das ist eindeutig zu lange her. Ich finde, man kann gar nicht oft genug nach London reisen. Um die Vorfreude richtig anzuheizen, mache ich mich als erstes auf die Suche nach einem neuen Reiseführer – im gut ausgestatteten Buchhaus Luzern. Meine Hauptkriterien: Das Buch sollte übersichtlich sein. Und es soll auch nach einer längeren Stadtwanderung noch nicht schwer in der Tasche liegen.

Zu den ganz leichten Büchern gehört der Polyglott on Tour (108 Seiten): Das Buch wirbt mit dem so genannten Cityflip, einem Stadtplan in einer Plastiktasche auf dem Buchdeckel. Die Karte mag handlich sein. Fussgängern sei im Umgang mit ihr jedoch Vorsicht geraten: Sie ist für einen Stadtplan in einem winzigen Massstab gehalten (1:25000). Was sich auf ihr als kurzer Spaziergang ausnimmt, kann in der Realität schnell ein zweistündiger Marsch werden. Insgesamt ist das Büchlein attraktiv und enthält alles Wesentliche. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Weblinks befinden sich gleich auf der Buchklappe. Leicht zu finden sind Tipps für Reisende mit kleinem Budget und ein Kapitel über Bars und Clubs. Attraktiv: ein Special über Kirchen, aus denen Restaurants geworden sind.

Auf den ersten Blick wirkt der DuMont (120 Seiten) wiederum fast nüchtern. Das Inhaltsverzeichnis ist simpel und serviceorientiert. Einmal aufgeschlagen, erweist es sich als reichhaltig und enthält nebst Hinweisen zu den üblichen Sehenswürdigkeiten auch Tipps, die sogar Kenner überraschen: einen Rundgang durch das einstige Hippie- und Punk-Quartier Chelsea etwa oder ein Kapitel über Bars mit Aussicht („Bars with a view“). Amüsant: ein Kulinarisches Lexikon mit englischen Köstlichkeiten von „apple and stilton soup“ (Suppe aus Äpfeln und Stiltonkäse) bis Rabbit in Beer and sage sauce (Hase in Biersalbeisauce). Ob man so etwas in London überhaupt noch zu erschwinglichen Preisen essen kann, wäre nachzuprüfen.

Auch noch handlich ist das DuMont Reise-Taschenbuch London (240 Seiten): Ein Buch, das sich darauf verlässt, dass der Kunde nicht erst mit attraktiven Bildern zu einer London-Reise verführt werden muss. Es kommt gleich zur Sache, und die Sache ist in diesem Fall Kunst. Ein Kapitel über die wichtigsten Galerien findet sich hier noch vor einem solchen übers Essen und Trinken. Insgesamt enthält es alles Wesentliche und wird dem Kriterium Übersichtlichkeit gerecht.

Übersichtlichkeit ist die unbestrittene Stärke des Baedeker Allianz-Reiseführer. Den besitze ich bereits. Bei meinem letzten Besuch in London erheiterte meine Ausgabe von 2005 meinen englischen Kumpel Julian. Er betrachtet „Baedeker“ als den angesagten Reiseführer für Gutbetuchte aus dem 19. Jahrhundert und fand, das passe gar nicht zu mir. Tatsächlich wird Baedeker seinem behäbigen Image gerecht, mit Specials über die Londoner Bobbies und den Hosenbandorden. Wer das mehrseitige Inhaltsverzeichnis durchschaut hat, findet sich darin einigermassen zurecht, muss aber wegen der Aufteilung der Kapitel in „Touren“ und „Ziele“ häufig blättern. Der Serviceteil ist ausführlich und eignet sich auch für arme Schlucker.

Eine echte Versuchung, ist der Band von Dorling Kindersley. Mit 448 Seiten und einer Grösse von 22 auf 13 Zentimeter ist er zwar der grösste und sicher der schwerste im Angebot. Aber er lockt mit geradezu barockem Bilderreichtum und ungeheuer detaillierten Informationen zu allem und noch viel mehr. Im Unterschied zu Baedeker enthält er auch ein Kapitel über das Quartier East End, das früher als ziemlich schäbig galt, in den letzten Jahren aber trendig geworden ist. Auch in diesem Buch gibt es viele Seitenverweise, und häufiges Blättern ist angesagt.

Ich wäge lange ab. Der Versuchung von „Dorling Kindersley“ nachgeben? Doch noch einmal meinen alten „Baedeker“ mitnehmen? Vieles spricht für den „National Geographic Traveler“. Aber will ich wirklich nochmals einen Reiseführer mit fast 300 Seiten? Einen Moment lang überlege ich sogar, ob ich mein „Anders Reisen“ von anno 1986 mitnehmen soll – aus lauter Nostalgie für die bewegten 80-er. Aber dann entscheide ich mich für „DuMont direkt“.

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Kommentare

  • Ralf

    Den besten Reiseführer für London, den ich kenne, ist online und heisst http://www.londontown.com

    6. Februar 2008 at 10:38
  • Daniela

    Oh, danke für den Hinweis! Das ist nun wirkliche ein Reiseführer, der dem Übersichtlichkeitskriterium gerecht wird. Ich stöbere dann mal noch ein bisschen rum, ob er auch ein paar Insider-Tipps enthält. Und dann hoffe ich, in London gibts WLAN, damit mir die Seite auch hilft, wenn ich mich verirre! 😉

    6. Februar 2008 at 11:24

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