Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn sowohl Mietwagen als auch kein Mietwagen haben Vor- und Nachteile.

AutoFrüher hatte ich zwei Vorurteile gegenüber Mietwagen. Das erste: Einen Mietwagen zu nehmen, ist teuer. Das zweite: Ein Mietwagen ist nur etwas für Spiesser. Vielleicht stimmt das ja sogar und ich selber bin spiessiger geworden. Letztes Jahr auf Mallorca bin ich jedenfalls so richtig auf den Geschmack gekommen, was die Vorzüge eines Mietautos betrifft: Man reist bequem und muss sich von keinem Bus- oder Bahnfahrplan vorschreiben lassen, wann man wo losfährt und ankommt und wie oft man umsteigen muss. Man ist also zeitlich und örtlich flexibel und hat, wenn es regnet, ein Dach überm Kopf. Teuer war unser Mietwagen auch nicht, denn wir haben ein Pauschalangebot mit Hotel und Flug gebucht, bei dem es preislich fast egal war, ob wir den Mietwagen nehmen oder nicht.

Positiv überrascht war ich auch vom Service. Am Flughafen stand doch tatsächlich ein Shuttle, das uns zu unserem Mietwagenverleih brachte und am Abreisetag von dort aus wieder zum Flughafen. Ich habe auf meinen Reisen schon so einige Pannen erlebt, deshalb konnte ich es wirklich kaum glauben, dass alles so perfekt funktioniert hat. Auch der Kindersitz, den ich im Voraus telefonisch dazu bestellt hatte, war an Bord.

Einige mögen es ja toll finden, es in den Ferien mal richtig krachen zu lassen – natürlich nicht bei einem Unfall sondern bei der Wahl der Mietwagenkategorie. Wer in der Heimat einen Kleinwagen fährt, kann sich im Urlaub ruhig mal mehr Luxus gönnen und eine Klasse aufstocken. Mir ist egal, wie gross oder wie schön der Mietwagen ist, solange das Gepäck rein passt und das Ding fährt.

Klar, wenn man mit dem Mietauto durch die Lande tingelt, vergibt man sich oft den Kontakt mit den Einheimischen. Im Mietauto habe ich das Gefühl, nicht am Leben des Landes teilzunehmen, dort, wo die wirklich spannenden Stories passieren, die man zu Hause gern erzählt. Ich erinnere mich, dass sich ein Dieb während einer Busfahrt in Mexiko den Rucksack meiner Freundin gekrallt hat. Der Busfahrer sprang daraufhin mit einem Knüppel raus, drohte dem Dieb und holte uns auf diesem Weg den Rucksack zurück. Auf einer Zugfahrt in Mexiko haben wir uns auch mal nett mit dem Kontrolleur unterhalten und durften dann sogar vorne auf der Dampflok mitfahren. Wie kleine Kinder haben wir uns gefreut.

Noch immer würde ich einer Reise im überfüllten mexikanischen Bus den Vorzug geben, in dem ich neben gackernden Hühnern sitze oder einer Grossfamilie beim Sonntagsausflug, zwischen Menschen, die müde von der Arbeit nach Hause kommen und Händlern, die auf der Fahrt Getränke, Süssigkeiten und getrocknetes Fleisch anbieten.

Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er lieber mit dem Mietwagen fährt oder das öffentliche Verkehrssystem des jeweiligen Landes benutzt. Für die einen bedeutet es Freiheit, sich ins gemietete Auto zu setzen und einfach drauflos zu fahren. Für den anderen ist Freiheit, sich an kein Luxusgut zu koppeln und sich per Bus und Bahn dorthin tragen zu lassen, wohin einen der Fahrplan führt – ohne lästige Parkplatzsuche und mit dem guten Gefühl, durch die Seitenfenster etwas von der Landschaft zu sehen statt durch die Frontscheibe den Asphalt.

Tagged: Archive, ebookers News

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*