boomerang„Ich reise viel und werde von Freunden oft gebeten, billige Zigaretten von meinen Auslandsreisen mitzubringen. Ich bin selbst Nichtraucher und habe schon einige liebe Menschen durch Lungenkrebs verloren. Seit einiger Zeit weigere ich mich, Zigaretten zu kaufen. Bin ich spiessig? Die Leute sind ja alt genug, selbst zu bestimmen, ob sie rauchen oder nicht. Andererseits sind es meine Freunde, denen ich Gesundheit und nicht Krebs wünsche.“ fragt Leser Holger T. aus Bonn in der Rubrik „Gewissensfrage“ des Magazins der Süddeutschen Zeitung.
Dr. Dr. Rainer Erlinger gibt darauf eine ausführliche Antwort. Wie würdest Du auf dieselbe Bitte eines Dir nahestehenden Menschen reagieren?

Ich biete oft meine guten Dienste als Transporteur an, wenn ich auf Reisen gehe, d.h. ich nehme Bestellungen auf und versuche, diesen dann sogut als möglich nachzukommen. Es wäre doch jammerschade, wenn man die neuen Gepäcklimits auf interkontinentalen Businessflügen (2 x 32 kg) nicht ausnützen würde. Die eingangs erwähnte Gewissensfrage musste ich mir dabei noch nie stellen, doch gibt es andere Dilemmas, in die man geraten kann. Mitbringsel aus der Schweiz sind nicht problematisch, denn in den meisten Fällen weiss ich, wo man was findet. Der umgekehrte Weg kann aber oft zur Herausforderung werden.

Am schwierigsten zu erfüllen sind unspezifische Wünsche wie „bring mir doch ein Seidenfoulard vom Nachtmarkt mit!“. Erstens liegt der Nachtmarkt (welcher auch immer) nicht an meinem Weg, zweitens gibt es x Seidenqualitäten und darüber hinaus noch viel mehr Grössen und Farbkombinationen. Bei so einem Wunsch kann man eigentlich nur verlieren, selbst wenn die Spezifikationen ein wenig detaillierter sind. Ein Muster kann allenfalls bei der Suche helfen.

Am dankbarsten zu erfüllen sind spezifische Wünsche nach Dingen, die man selbst nicht kennt wie „bring mir doch einige dieser kugelrunden Teeblüten mit, die aufgehen, wenn man sie mit Wasser übergiesst!“. Keine Ahnung, was das ist, doch spätestens die dritte Person kann einem dabei weiterhelfen. In diesem Fall war ich selbst überrascht, wie teuer eine einzelne „Teeblüte“ zu stehen kam, was mich aber nicht davon abhielt, fünf Stück für den Eigenbedarf zu erstehen.

Am mühsamsten zu erfüllen sind gut gemeinte Wünsche nach sogenannten Spezialiäten, die im Zielland zu Alltagsgütern gehören à la „kauf mir doch eine Tüte dieses leckeren Grüntees, den ich bei Dir mal getrunken hatte“ oder „jemand hat mir mal so einen Kugelschreiber mit superdünner Schrift mitgebracht, der nie schmiert. Leider hab ich ihn verloren. So einen hätte ich gerne wieder!“. Hast Du schon mal eine japanische Kugelschreiberabteilung von innen gesehen? Und welche von den tausend Grünteesorten und -marken das wohl gewesen sein mag..? Selbst mit einer leeren Packung ist es oft schwierig, dasselbe Produkt nochmals aufzutreiben. Im Internet suchen ist da einfacher und weniger zeitaufwändig. Und am Schluss stellt sich dann heraus, dass es gar kein Grüntee war…

Am unterhaltsamsten ist das Erfüllen eines Wunsches nach einem Produkt, von dem ich mir einbilde zu wissen, wo man seiner habhaft werden kann – was sich jedoch später als Irrtum herausstellt. So geschehen letzthin mit dem Auftrag, eine der berühmten Kinokuniya-Taschen mitzubringen. Ich ging also zum Bücherladen Kinokuniya und fragte an der Kasse nach den Taschen. Aus den Blicken der Verkäuferinnen strahlten mir nur Fragezeichen entgegen. Nach vergeblicher Suche im Laden fragte ich an einer anderen Kasse nochmals. Eine der Verkäuferinnen dort überlegte kurz und erklärte mir schmunzelnd: „Die berühmten Kinokuniya-Taschen sind gar nicht von uns, sondern vom Supermarkt Kinokuniya!“, erklärte mir den Weg und wie beim „dankbaren Auftrag“ kaufte ich mir auch gleich eine dazu.

Bald gehts hier weiter mit den hinterhältigsten, einfachsten, kniffligsten und professionellsten Wünschen.

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