Es ist eine jener Freizeitaktivitäten, die Aussenstehende nicht so ganz verstehen: In unmittelbarer Nähe eines Flughafens versammeln sich Gleichgesinnte und knipsen Flugzeuge beim Landen und Starten. Die Ansprüche an die Qualität der Fotos sind hoch und die Fotografie eine Kunst für sich. Schon ein leichter Dunst über der Piste kann einen Schnappschuss verhindern. Doch wenn es klappt, dann landet das Foto in kürzester Zeit auf einer Plane-Spotting-Datenbank.

Der Kick wird je länger, desto stärker: Ein Spotter legt akribisch Verzeichnisse an, er schreibt sich die Flugbewegungen auf und führt Logbuch über seine Fotos. Da eine Airline von einem Flugzeugtypen mehrere Flugzeuge besitzt, ist sogar das Ablichten jedes Flugzeuges einer Flotte ein erklärtes Ziel der Spotter. Das Faszinierendste ist jedoch die Geschichte der Maschine. Ein Plane-Spotter hat mir einmal über die Flotte einer indischen Airline en détail erzählt, dass die Flugzeuge teilweise von Qatar Airways und Air France übernommen worden sind. Spannend!

Für mich bewegt sich das Plane-Spotting eher zwischen Briefmarkensammeln und Star-Trek-Convention. Man fängt irgendwann damit an – und kommt nicht mehr davon los. Da aber nur wenige dieselbe Passion teilen, reist man teilweise weit, um sich austauschen zu können. Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn ich während meiner WK bei der Luftwaffe Engländern und Holländern begegne. Sie verirren sich nach Meiringen, um die Starts unserer Hornet F/A-18 zu beobachten… und sie natürlich zu knipsen.
Die Plane-Spotting-Szene ist so alt wie das Flugzeug selbst. Während des Zweiten Weltkriegs schon wurden aus Spionagezwecken Plane-Spotter rekrutiert. Auch solche gibt es noch heute jedes Jahr in Meiringen – man glaubt es kaum!

Mit dem Internet und der Digitalfotografie kam ein grosser Schub in die Szene. Die für hohe Qualitätsansprüche bekannte Seite Airliners.net beherbergt inzwischen über eine Million Fotos. Ganz nach dem Motto „gemeinsam kann man mehr erreichen“ werden in Web-2.0-Manier Daten getauscht, kommentiert und das Gesamtwerk komplettiert.
Dass ein solcher Datenaustausch auch von Vorteil sein kann, zeigte sich nach 9/11, als der CIA Geheimflüge nach Guantanamo in Privatflugzeugen durchführte. Mit den Daten und Fotos von Plane-Spottern konnte der Skandal aufgedeckt werden. Irgendwie doch schade, dass sich solche Fotos am Ende nur selten besser verkaufen lassen als die gute alte Briefmarkensammlung!

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