Was ich bei Lesetipps oft vermisse, sind diejenigen Angaben, wie der Autor oder die Autorin überhaupt auf das zur Empfehlung kommende Buch gestossen ist. Ebenso oft vermisse ich bei Besprechungen von Kunstausstellungen den Hinweis, wo die Werke bereits vorher gezeigt worden sind oder es noch werden. Mein Freund Darius kommentierte dazu einmal:

„[…] Dann irgendeine Ankündigung über eine Fotoausstellung von Shomei Tomatsu. Seine Bilder aus Hiroshima und Nagasaki seien Ikonen der Moderne, proklamiert die ,NZZ‘-Journalistin. Kein Wort darüber, wo die Ausstellung bis zu ihrem Kommen nach Winterthur zu sehen war. Wahrscheinlich stand es nicht in der Broschüre, welche die Autorin zugeschickt erhielt.
Dem Leser oder der Leserin wird der Eindruck vermittelt, die Ausstellung sei eigens für das Museum in der Schweizer Kleinstadt zusammengestellt worden. Die Zusatzinformation, dass die Fotografien beispielsweise zuvor im Museum of Modern Art in San Francisco zu sehen gewesen waren, würde der Ausstellung mitnichten abträglich sein.“

Doch ich schweife ab…

Hier also, wie versprochen, wie es vor Kurzem zu meiner Reise-Bücherauswahl gekommen ist.

  • 1. Ni d’Ève ni d’Adam von Amélie Nothomb
  • 2. 体は全部知っている von Yoshimoto Banana
    Die deutschen Übersetzungen dieser Bücher wurden in der „NZZ“ als Kombi besprochen, weil beide im Frühjahr 2010 bei Diogenes auf deutsch erschienen sind (im Verlags-Prospektlein auf derselben Seite angekündigt). Von Amélie Nothomb hatte ich bereits „Stupeurs et tremblements“ gelesen, dessen Schilderungen zwar ein wenig überspitzt daherkamen, sich im Grunde aber so ziemlich mit meinen Erfahrungen in Japan gedeckt haben. Und von Yoshimoto Banana habe ich schon so Vieles gelesen, das mir gefallen hat, dass ich mit ihr kaum falsch liegen kann.

  • 3. Reisender Stillstand von Bernd Stiegler
    Über die Rezension zu diesem Buch bin ich in der „WOZ“ gestolpert.

    Es geht um ein Sammelsurium an sogenannten Zimmerreisen: „Sie erkunden ihr Zimmer, ihren Schreibtisch oder ihre Hosentasche wie eine unbekannte Welt: Seit zwei Jahrhunderten beschreiben AutorInnen ungewöhnliche Arten, weit zu reisen, ohne sich allzu viel zu bewegen.“ Diese Beschreibung hat mich angemacht.

  • 4. Travel Therapy von Karen Schaler
    Auf dieses Buch bin ich in einer der letzten Ausgaben des On-Board Magazins der SWISS gestossen. Gemäss Klappentext soll es helfen, die passende Destination für bestimmte Lebenssituationen (Genesung, Trennung, Liebe etc.) zu finden. Weshalb nicht?
  • 5. A Time of Gifts: On Foot to Constantinople: From the Hook of Holland to the Middle Danube von Patrick Leigh Fermor
    Über dieses Buch weiss ich nur noch – Amazon sei dank – dass ich es zusammen mit einigen anderen desselben Schriftstellers am 2. April 2010 bestellt hatte. Dummerweise habe ich es dann an der Fussball-WM in Port Elizabeth ungefähr auf Seite 100 liegend im Hotelzimmer vergessen. Deshalb habe ich es für die Sommerferien nochmals bestellt. Der Autor trampte 1933 als Achtzehnjähriger los auf eine Reise von London in Richtung Istanbul und veröffentlichte seine Erlebnisse 1977. Eine unglaubliche Geschichte durch das Europa vor dem 2. Weltkrieg.
  • 6. The Zinn Reader mit Texten von Howard Zinn
    Dieses Buch ist nicht nur das umfangreichste, sondern es hat auch die längste Vorgeschichte. Es muss ungefähr 2005 gewesen sein, als ich in Vancouver ein Studiokino namens „Cinematheque“ entdeckte. Ich bin in der Folge fast jeden Abend in dieses Kino gegangen. In einem Film ging es um politische Unruhen an der grössten Universität Kanadas, die dokumentiert wurden. Die Familie vor mir hatte ein Ticket zuviel und schenkte es mir.
    Während des Films fiel mir auf, dass die Hauptperson des Films – ein junger Student – derjenige war, der mir beim Anstehen das Ticket gegeben hat. Die Vorführung dauerte ungefähr eine Stunde und wurde deshalb von einem weiteren Dokumentarfilm mit dem Titel „You Can’t Be Neutral on a Moving Train“ gefolgt. Die Hauptperson des zweiten Films war der anfangs 2010 verstorbene Howard Zinn, der mich derart beeindruckt hatte, dass ich am nächsten Tag gleich eine Textsammlung von ihm in der Buchhandlung einkaufen gegangen bin.
    The Zinn Reader habe ich nun schon einige Jahre, doch lese ich immer wieder gerne darin.

Im ersten Teil dieser Bestandsaufnahme hatte ich noch behauptet, die meisten Bücher im Reisegepäck hätten eben gerade nichts mit Reisen am Hut. Meine Liste scheint dieser Behauptung zwar zu widersprechen, doch wen wundert dies schon bei einem Reiseblogger? Eines verspreche ich jedoch: von der Besprechung einzelner Bücher werdet ihr von mir auch in Zukunft verschont bleiben.

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