Reisen und Schreiben. F├╝r viele d├╝rfte diese Kombination nach dem idealen Lebensentwurf klingen. Doch ist das Ganze wirklich so einfach? In einer vierteiligen Serie erkl├Ąrt ebookers.ch-Autorin Brigitte J├Ąger-Dabek, welche Voraussetzung Reisejournalisten mitbringen sollten und wie man zu diesem Traumjob kommt.

Traumberuf Reisejournalist: Unterwegs sein und dann in die Heimat berichten. Foto: Keystone; Gaetan Bally.

Sind Euch derartige Fragen auch schon in Reiseforen untergekommen? „Kann mir mal jemand rasch mitteilen, wie ich am besten meine Reiseberichte verkaufe?“ Oder: „Ich reise gern und berichte gern dar├╝ber. Da dachte ich, ich k├Ânnte doch als Reisejournalist arbeiten, in der Welt herumreisen und dar├╝ber schreiben. Nun brauche ich schnell ein paar Tipps, wie ich da herangehen soll.“

Selten taucht bei solchen Anfragen an die Community mal die Frage auf, ob es f├╝r diesen Beruf vielleicht irgendwelche Voraussetzungen gibt. Reisen kann schliesslich jeder. Aber kann deshalb auch jeder mediengerecht dar├╝ber schreiben? Diesen Fragen will ich in meinem vierteiligen Report einmal nachgehen. Ich bin selbst freie Journalistin mit dem Schwerpunkt Reise und weiss daher, wovon ich hier schreibe.

Beginnen wir mit der Definition. Was also ist eigentlich ein Reisejournalist? Laut „The Free Dictionary“ ist ein Reisejournalist ein Journalist, der auf professionelle Art ├╝ber Reisen und Reisem├Âglichkeiten Berichte ver├Âffentlicht. Was aber ist das Entscheidende an dieser Definition? Das Wort „professionell“ – denn Qualit├Ąt ist das Entscheidende.

Was die Aufgabe des Reisejournalisten betrifft, so kommt es auf die Perspektive an. Er hat immer und zu allererst den Leser im Blick, reist quasi in dessen Auftrag und Interesse, als dessen Ohr und Auge und erkundet das Terrain. Er portr├Ątiert einen grunds├Ątzlich fernen und unbekannten Ort so, dass der Leser entscheiden kann, ob er dort hinfahren m├Âchte oder nicht. Egal ob Reportage, Feature oder l├Ąngerer Reisebericht: Diese Sichtweise, also Leser-Orientierung, und eine gewisse Distanz, die eine objektive Berichterstattung m├Âglich macht, sind auch im Reisejournalismus Grundvoraussetzungen.

Das erkl├Ąrt auch, warum Redaktionen und Verlage selten pers├Ânliche Urlaubsberichte interessieren. Professionalit├Ąt ist gefragt, und neben dieser oben geschilderten Sichtweise sollte jeder M├Âchtegern-Reisejournalist zuerst einmal wissen, was er eigentlich anbieten will: eine Reportage, ein Feature oder was sonst. Das heisst, ohne profundes Wissen ├╝ber journalistische Darstellungsformen und geh├Ârige ├ťbung l├Ąuft da nichts. Schreiben ist und bleibt eben in erster Linie Handwerk, und wer das journalistische Handwerk nicht beherrscht, wird keine Chance haben als Reisejournalist.

Mal eben mal ein paar Reiseberichte schreiben, anbieten, verkaufen und sp├Ąter vielleicht einen Redakteursjob in einer Redaktion? Ihr ahnt es schon: So wird das nichts. Wer noch in der Berufsfindungsphase ist und erw├Ągt, Journalist zu werden, der sollte so fr├╝h wie m├Âglich anfangen zu schreiben. Also bei der Lokalzeitung vorstellig werden und fragen, ob man ein Praktikum machen kann. Berichte f├╝r die Lokalredaktion ├╝ber das Treffen vom Karnickelz├╝chterverein oder die Schlammrallye sind vielleicht nicht Euer Traum, doch man lernt dabei das journalistische Handwerk von der Pike auf. Daraus k├Ânnte sp├Ąter eine freie Journalistent├Ątigkeit werden, die man auch neben dem Studium fortf├╝hren kann. Ohne Studium ist ├╝brigens auch in der Medienbranche nicht viel zu machen. Es muss dabei nicht zwingend ein Journalistikstudium sein. Danach kommt die Suche nach einem Volontariat. Und besonders dabei ist eine fr├╝here T├Ątigkeit bei einer Lokal- oder Regionalzeitung wichtig. Erstens hat man daher bereits ein Netzwerk und zweitens schon eine Ver├Âffentlichungsmappe voller hoffentlich gelungener Artikel.

Wer nach dem Volontariat das seltene Gl├╝ck einer Festanstellung in einer Redaktion hat, sollte immer wieder seine Affinit├Ąt zum Thema „Reise“ anklingen lassen und so versuchen, an den Job des Reiseredakteurs heranzukommen. Das geht nat├╝rlich nur, wenn man bei einer Zeitung arbeitet, die ihren Reiseteil ├╝berhaupt noch selbst schreibt – und das tun nur die wenigsten. Und auch wenn man nicht gleich in der Reiseredaktion unterkommt, hat man vielleicht wenigstens die Chance, dort schon mal auszuhelfen und bei einer Vakanz intern zu wechseln.

In der zweiten Folge berichte ich ├╝ber die Quereinsteiger-T├Ątigkeit als freier Reisejournalist.

Tagged: Archive, ebookers News

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Ihre Email Adresse wird nicht ver├Âffentlicht

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*