Zum klassischen Strandurlaub brauchts Badehosen, ein grosses Tuch, einen Volleyball und natürlich die entsprechende Lektüre. Hier einige Tipps von pragmatisch (Bond, Holmes) über den normalen Thriller (Marklund, Hayder) bis speziell (Pessl, Göhre).

James Bond

In den Ferien darf man die intellektuelle Latte durchaus hochlegen, aber nicht allzuhoch. Jahrelang schleppte ich Frühling, Sommer und Herbst meine zwei Bände „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoy an die Strände von Griechenland, Italien, Spanien, Thailand usw. mit. Jedesmal dachte ich, der Zeitpunkt sei gekommen, dieses bahnbrechende Stück Weltliteratur endlich zu lesen. Jedesmal stand ich noch am gleichen Abend verzweifelt irgendwo vor einem Kiosk und suchte verzweifelt nach irgendeinem Blockbuster auf Deutsch oder Englisch (nicht einmal französisch hätte ich ausgeschlossen). Damit sei das Geständnis auch gleich abgelegt: Zwar hat Pierre – oder war es doch Andrej? – schon eine Weile lang drüber nachgedacht, ob er Natascha an die Wäsche soll, aber bis zur napoleonischen Invasion bin ich bedauernswerterweise gar nie gekommen.

Mein Pendlerkumpel Simon kennt das Problem: Schon zu Studienzeiten blieb der Zauberberg trotz Germanistik und allem ein unüberwindliches Hindernis. Wer kanns ihm verübeln? Zwar ist Thomas Mann stilistisch ein grösstmöglicher Meister, aber der Zauberberg bleibt halt doch noch viel langatmiger als die letzten beiden Harry-Potter-Schinken und es geschieht auch noch viel weniger. Aber lassen wir die abschreckenden Beispiele und schreiten wir zu den Tipps:

Die Kriterien, handlich, schwungvoll und gut geschrieben, erfüllen die James Bond-Paperbacks von Ian Fleming. Dabei sollte man nicht vergessen: Die Bücher haben fast nichts mit den Filmen zu tun, auch wenn diese manchmal gleich heissen (Moonraker, The spy who loved me, From Russia with love, Casino Royale usw). Der Reiz der Romane liegt darin, dass Bond ein seltsamer Charakter ist und gleichzeitig, dass Fleming, der als Reisejournalist und -leiter sein Brot verdiente, die Schauplätze immer sehr differenziert beschreibt.

Klingt ebenfalls als käme der Tipp aus der Mottenkiste, ist aber absolut Mainstream tauglich und ein grosser Spass: Die Abenteuer von Sherlock Holmes. Für wenig Geld kriegt man hier eine fantastische und fantasievolle Sammlung von Abenteuern, die beste Unterhaltung für den Strand bieten. Wie bei Fleming sind die Geschichten und Romane ebenfalls sehr gut geschrieben. Wenn man lange Ferien hat und die Bücher mehrere Leute lesen, kann man sogar gemeinsam nach den Fehlern in den detektivischen Deduktionsketten suchen.

Mo HayderMo Hayder: Ritualmord, ist ein zeitgemässer Blockbuster, mit mehreren Erzählsträngen und vom Schicksal zerquälten Helden, die in der Vergangenheit alle ein Trauma erlebt hatten. Ritualmord ist leider überhaupt nicht gruselig (Die Sekte von der gleichen Autorin ist da eher der Hammer). Eigentlich Dutzendware, aber funktioniert am Strand oder auf einem langen Flug nicht schlecht. Nö, drüber nachdenken würde ich da nicht.

Marisha Pessl, Die alltägliche Physik des Unglücks; dieses Buch mit seinen exzessiven Exkursen schliesst literarisch bei Tolstoi und bei Mann an, ist aber gleichzeitig sehr lustig. Wenn man bereit ist, einige bildungsbürgerliche Attacken zu überstehen, so wird man am Ende eine unglaublich gute Zeit haben. Die Sache hat viel Charme und die Geschichte überrascht am Schluss wirklich.

Liza Marklund, Prime Time: Cooler Krimi aus Schweden, der sich erst noch mit der Rolle der Boulvevard-Medien auseinandersetzt. Prime Time ist so, wie ein Thriller sein sollte. Ein Pluspunkt ist hier, dass die Figuren nicht stereotyp sind, sondern doch relativ authentisch.

Mo-Der Lebensroman von Friedrich Glauser, Frank Göhre, ist ein Trip, der versucht hinter die Psychologie des Krimiautors Glauser zu kommen. Das Buch ist eine absonderliche Reise und eine Auseinandersetzung damit, ob Drogen bei der Suche nach dem Leben oder der Literatur helfen können oder eben nicht.

Hier noch einige Homepages zur Empfehlung:

www.sherlockholmes.ch (Webseite zum 100. Geburtstag)

www.frankgoehre.de

www.klast.net (James Bond und Ian Fleming)

www.mohayder.net

www.calamityphysics.com (marisha pessl)

www.schwedenkrimi.de

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Kommentare

  • Dusan

    Ich empfehle als Strandlektüre: Alle Krimis von Henning Mankell mit Kommissar Wallander als Protagonist. Ist zwar nicht gerade frisch, aber eine Erwähnung immer wieder wert.
    Wer’s gehaltvoller mag, der kann sich mal mit Winston Churchills The Second World War herumschlagen – sind immerhin 6 Bände!!!

    4. Juli 2008 at 17:17

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