Weshalb lasse ich mich immer wieder vom geplanten Weg abbringen? 1500 Euro haben sie mir bezahlt, damit ich meinen bequemen, von meiner Arbeitgeberin bezahlten Sitz in der Business-Klasse aufgebe. Dabei ist dies mein erster Flug im A380. Gemäss interner Weisung müsste ich das Geld zwar an die Firma zurückerstatten, aber who cares… Vor knapp drei Jahren bin ich einmal haarscharf an meinem Jungfernflug und einem der ersten kommerziellen Flüge mit dieser Maschine überhaupt vorbeigeschrammt: Ich hatte Singapur – Sydney gebucht, ohne vom Einsatz des A380 zu wissen. Dann plötzlich las ich davon, freute mich einige Tage, musste jedoch rasch feststellen, dass es auf der gebuchten Strecke drei Flüge pro Tag gibt. So flog der A380 zu anderer Zeit ohne mich nach Sydney (und auch zurück).

Den gegenwärtigen Flug von Zürich nach Tokio via Frankfurt habe ich unter dem Vorwand des günstigeren Preises (in der Business Class ca. 600 Franken billiger als der Direktflug) gebucht. Doch aufgrund der geschilderten Ereignisse ist es nun so gekommen, dass ich mich vom Dauersurren der Triebwerke nicht einen einigermassen horizontalen Schlaf habe wiegen lassen können, sondern sitzend über meinem Laptop wache. Da ich mir im Anschluss an einen meiner Links der Woche zwei Bücher von Rolf Potts bestellt habe, lese ich nun während diesen Fluges dasjenige, welches den Titel „Vagabonding“ trägt. Darin geht es um generelle Tipps zum Reisen – ein Thema, dem auch ich mich einmal ganz kurz angenommen hatte.
Da das Buch selbst zitate-schwanger ist, verzichte ich an dieser Stelle darauf, selbst daraus zu zitieren. Mir hat das Lesen und Blättern darin geholfen, weil ich stets ein wenig an mir gezweifelt habe. Wie oft muss(te) ich mir anhören, dass ich auf der Flucht vor irgendetwas im Leben und deshalb immer so unstet am Herumreisen sei und nicht lange an einem Ort verweilen könne etc. „Vagabonding“ erklärt unter anderem, dass ziel- und zeitloses Herumreisen eine Wahl ist, die zumindest theoretisch jeder Mensch hat, doch nur die wenigsten wahrnehmen. Deshalb ist das Buch für mich bereits nach den ersten zehn Seiten so etwas wie ein Selbsthilfebuch. Wären wenigstens diese Zweifel aus dem Weg geräumt.

Doch da taucht kündigt sich bereits eine neue Gedankenturbulenz am Horizont an. Denn ganz woanders her, nämlich aus Don DeLillos Buch „White Noise“, notierte ich mir einmal folgenden Satz:

„as though in her heart she was not a travel writer at all, […] but simply a traveler, the purer form, someone who collects impressions, dense anatomies of feeling, but does not care to record them.“

Hilfe! Und das alles bloss wegen einer schlaflosen Nacht im A380. Zeit, das Schreiben für einige Stunden sein zu lassen…

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