nachtzugPascal Mercier, geboren 1944 in Bern, ist mit dem Werk „Nachtzug nach Lissabon“ ein gewaltiger Wurf gelungen. Die Rezensionen fallen zwar gemischt aus – meinen Geschmack trifft der Roman auf jeden Fall. Wortgewaltig, eloquent, philosophisch. Nicht wenige Male musste ich ganze Sätze oder sogar Abschnitte nochmals lesen, um hinter den wirklichen Sinn der Worte zu kommen. Also sicherlich kein Bettmümpfeli für spätabends, aber unbedingt ein Buch, bei dessen Lektüre man unweigerlich über sein eigenes Leben sinniert und es vielleicht auch überdenkt.

Der Roman handelt vom pflichtbewussten, jedoch ziemlich langweiligen Lateinlehrer Raimund Gregorius. Zufällig gerät ihm ein kleines Buch des unbekannten portugiesischen Dichters Amadeu Prado in die Hände. Er ist dermassen fasziniert von den Worten, die er, weil portugiesisch, kaum versteht, dass er aus seinem gewohnten Leben ausbricht und Hals über Kopf nach Lissabon reist. Er macht sich auf die Suche nach Amadeu Prado, erfährt, dass dieser seit dreissig Jahren tot ist, macht Bekanntschaft mit Prados Familie und seinen Freunden. Wie ein Puzzle fügt sich mit dem fortschreitenden Entdecken von Prados Leben eine beklemmende Geschichte um Gehorsam, Widerstand, Verrat, Liebe, Demütigung und Freundschaft zusammen. Immer mehr verstrickt sich Gregorius in eine fast wahnsinnige Obsession, er beginnt, sein eigenes Leben zu überdenken und zu entwirren, reflektiert über seine eigene Existenz und seine Selbstbestimmung. Ein grosser Roman mit wunderbaren Figuren!

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Kommentare

  • Stefanie Theil

    Hoi Claudia,
    ich habe dieses Buch auch und muss sagen, es fängt sehr spannend an, dann lässt es leider etwas nach und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es bei mir halb gelesen im Bücherschrank rumsteht und darauf wartet, dass ich es wieder zur Hand nehme. Aber nach deinen positiven Zeilen über das Buch, werde ich das gleich heute Abend machen.

    20. Februar 2008 at 13:23
  • Claudia

    Hallo Stefanie

    Zwischendurch finde ich die Geschichte etwas kompliziert, aber die Sprache ist soooo schön, dass ich einfach immer weiterlesen musste…

    Viel Spass!

    Claudia

    20. Februar 2008 at 13:45
  • Ralf

    Auf alle Fälle hätte man im Nachtzug nach Lissabon genügend Zeit, um das Buch zu lesen. Irrtum vorbehalten, reicht eine Nacht (noch) nicht aus, um von hier nach Lissabon zu reisen. Aber da ich das Buch nicht gelesen habe, weiss ich ja auch nicht, wie der Autor das meint.

    24. Februar 2008 at 12:36
  • Claudia

    Hallo Ralf

    Eine Nacht reicht definitiv nicht aus, um das Buch zu lesen. Viele Passagen sind so philosophisch, dass doppeltes Lesen notwendig ist, um hinter den Sinn zu kommen. Also keine Chance!

    Lieber Gruss

    Claudia

    25. Februar 2008 at 09:24

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