Reisen und Schreiben. Für viele dürfte diese Kombination nach dem idealen Lebensentwurf klingen. Doch ist das Ganze wirklich so einfach? In einer vierteiligen Serie erklärt ebookers.ch-Autorin Brigitte Jäger-Dabek, welche Voraussetzung Reisejournalisten mitbringen sollten und wie man zu diesem Traumjob kommt.

Traumberuf Reisejournalist: Unterwegs sein und dann in die Heimat berichten. Foto: Keystone; Gaetan Bally.

Man kann über Umwege zum Reisejournalismus kommen. Ich selbst bin da kein schlechtes Beispiel. Doch auch von Quereinsteigern wird der gleiche journalistische Standard erwartet wie von ausgebildeten Journalisten. Man sollte sich also mit den Darstellungsformen gut auskennen, wissen, wie Redaktionen funktionieren und vor allem nicht dreimal nachfragen müssen, was denn die Umfangsangabe „dann machen Sie mir mal 180 Zeilen“ bedeutet.

Was sich damit verdienen lässt? Weder bei Printtiteln noch bei Onlinemagazinen wird man reich durch Reiseberichte. Kein Blatt wird Euch einen Auftrag für die ganz grosse Story erteilen und dazu auch noch die Reisekosten erstatten. Die Kunst bestehen dann darin, einen Text mehrfach zu verkaufen. Das geht und ist völlig normal, sofern man den gleichen Text nicht an Konkurrenzmedien verkauft. Ihr könnt also ohne Weiteres einen Artikel an eine Zeitung in Zürich, eine in Bern, eine in München etc. verkaufen, vorausgesetzt, die Verbreitungsgebiete überschneiden sich nicht. Das verengt schon wieder die Möglichkeiten, einen Reisebericht in einer Zeitung zu publizieren. Zumal: Viele Blätter besitzen gar keinen eigenen Reiseteil oder beziehen ihn von Nachrichtenagenturen.
Ferner sind in den letzten Jahren viele hauptberufliche und bis dahin fest angestellte Journalisten entlassen worden, die sich nun im Markt der Freien tummeln. Die Konkurrenz ist gross.

Und der Markt der Reisemagazine? Auch nicht viel besser. Beispiel Deutschland: Da gibt es etwa ein Dutzend Reisemagazine, die zwischen monatlich und vierteljährlich erscheinen. Meist hat jedes Heft ein lange vorher geplantes Thema, zu dem ein paar Reportagen gebraucht werden. Alles andere schreibt ohnehin der geübte Profi binnen weniger Stunden aus Archivmaterial zusammen. Um die wenigen Reportagen konkurrieren etliche freie Journalisten, mit denen das Blatt schon gearbeitet hat und deren Schreibe schon als „passend“ eingestuft wurde.

Wer sich als Reisejournalist etablieren möchte, muss also Klinken putzen, fast ununterbrochen.

    * Findet heraus, ob ein Anruf oder eine Mail Erfolg versprechender ist.
    * Bewahrt Recherchematerial und Artikelideen gut sortiert auf.
    * Stellt Euch ehrlich die Frage: Ist mein Aufhänger der Story wirklich aussergewöhnlich?
    * Denkt daran: Es gibt keine weissen touristischen Flecken mehr. Durchschnittsware aller Art führt nur zum Gähnen in der Redaktion.
    * Orientiert Euch an der Zeitung / Zeitschrift, der Ihr etwas anbieten wollt: Wie lang sind dort Reportagen der Art, die Ihr anbieten wollt? Wie ist die Zielgruppe, wie der Stil? Fertigt dazu ein passendes kurzes Exposé und bietet Euren Text als unverbindlichen Probeartikel an – nach dem Motto: Sie riskieren nichts.
    * Solltet Ihr einen Auftrag bekommen, dann haltet den Abgabetermin unbedingt ein.

Die allgemeingültige Gebrauchsanweisung für den erfolgreichen Einstieg in die Welt des Reisejournalismus gibt es leider nicht. Immer wieder gern gehandelt wird dafür der „Lonely Planet’s Guide to Travel Writing“ von Don George, Janet Austen und Charlotte Hindle und „Travel Writer’s Guide“ von Ron Stern und Carol Sorgen – ein Guide, der dem Laien vor allem in der englischsprachigen Welt weiterhilft. Auf die europäischen, speziell die deutschsprachigen Verhältnisse ist nicht alles anwendbar, vor allem nicht der Teil über „Getting Published“ .

Die meines Erachtens besten Ratgeber zu journalistischen Darstellungsformen speziell für angehende Reisejournalisten sowie für den Reisejournalismus an sich sind:

In der dritten Folge berichte ich über die beiden Arten des Quereinstiegs: als Generalist oder als Spezialist. Teil 1 liefert ein paar allgemeine Ausführungen.

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