Reisen und Schreiben. Für viele dürfte diese Kombination nach dem idealen Lebensentwurf klingen. Doch ist das Ganze wirklich so einfach? In einer vierteiligen Serie erklärt ebookers.ch-Autorin Brigitte Jäger-Dabek, welche Voraussetzung Reisejournalisten mitbringen sollten und wie man zu diesem Traumjob kommt.

Traumberuf Reisejournalist: Unterwegs sein und dann in die Heimat berichten. Foto: Keystone; Gaetan Bally.

Es gibt zwei Arten des Quereinstiegs für Reisejournalisten. Da wäre zunächst einmal der Generalist. Ihr seid Weltenbummler aus Leidenschaft, habt diesen Blick für das Besondere, ohne permanent Klischees zu bedienen? Ihr findest das Reizvolle, das absolut Neue in einer Region, über die nicht schon Tausende voher geschrieben haben? Ihr habt immer den Nutzwert für den Leser im Auge und besitzt vielleicht sogar eine digitale Spiegelreflexkamera, um auch qualitativ hochwertige Fotos anbieten zu können? Dann stehen die Chancen, eine Reisegeschichte zu veröffentlichen, nicht schlecht. Letztlich entscheiden der besondere Ansatz, der aussergewöhnliche Blickwinkel und die erstklassige Schreibe, verbunden mit absoluter Zuverlässigkeit. Wenn es Euch gelingt, dem zuständigen Redaktor Arbeit abzunehmen (und nicht noch mehr zu machen), werdet Ihr über kurz oder lang ganz oben in seiner Liste der Freien stehen, die er später wieder anruft. Das gilt für professionelle (Reise-)Blogs und Internetmagazine genauso wie für eine Tageszeitung.

Vielleicht kristallisiert sich ja auch nach und nach eine bestimmte Reiseart heraus, auf die man sich spezialisieren möchte? Diesen Weg bin ich gegangen: Mein Spezialgebiet ist Polen, und da bin ich Fachfrau, allerdings nicht nur auf dem touristischen Gebiet. Ich spreche die Sprache, habe profunde Kenntnisse über Gesellschaft, Geschichte, Politik und Kultur Polens und kenne Polen von innen. Dabei ist es sicher hilfreich, Familenangehörige von dort oder auch einmal längere Zeit vor Ort gelebt zu haben. So kann man schliesslich Reisenden erklären, wie die Menschen in diesem speziellen Land „ticken“.
Es versteht sich von selbst, dass man eine solche Kenntnis eines Landes nicht über Nacht erwirbt. Einen Stapel Bücher in sich hineinzufressen, schadet zwar nicht, hilft allein aber auch nicht. Unerlässlich ist es, die Denkweise der Menschen eines Landes zu verstehen, ihnen nahe zu kommen und beim Berichten Barrieren zu überwinden, indem man ihre Sprache spricht. Erst dann kann man dieses Land von innen erleben.

Über diesen Weg des „Expertentums“ bin ich ursprünglich zum Schreiben gekommen. Polen ist noch immer mein Tätigkeitsschwerpunkt, aber inzwischen schreibe ich auch andere Texte im Bereich Reisejournalismus. Als Länderspezialistin bin ich schnell über die Reisetexte hinausgekommen und schreibe nun von Politik bis zur Kultur über fast alle Themenbereiche. Eines meiner Bücher war eine Landeskunde Polens, die es als Lizenzausgabe bei der deutschen Bundeszentrale für Politische Bildung gibt.

Egal ob nun Länderspezialist oder Fachmann/Fachfrau für eine bestimmte Reiseart wie Abenteuerreisen, Radreisen, Kanureisen oder Spezialist im wachsenden Bereich Seniorenreisen – sich hier einen Ruf zu erwerben, das dauert seine Zeit. Schliesslich wird man nicht als Spezialist geboren, sondern man erwirbt sich diesen Status langsam und muss ihn auf Dauer pflegen.

In der vierten Folge werde ich über das Schreiben von Reiseführern informieren. Teil 1 gab generelle Hinweise zum Thema, Teil 2 beleuchtete die Möglichkeiten eines Quereinstiegs in den Reisejournalismus.

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