Ich war letztmals vor zwölf Jahren in Las Vegas. Im legendären „Frontier Hotel“, wo Elvis Presley 1956 sein Las-Vegas-Debut gegeben hatte. Bei diesem Aufenthalt wollte ich schauen, wieviel meiner Jugenderinnerungen mir noch geblieben sind und wie sich Las Vegas in dieser Zeit verändert hat.


Die ziemlich aufdringlichen flyer-verteilenden Mexikaner sind noch immer da. Foto: Ralph Hutter

Die erste grosse Enttäuschung gleich vorweg. Die Amerikaner Neue Investoren haben das „Frontier“ einfach weggesprengt! Auf dem Weg dem Strip entlang sind mir immerhin noch das „Mirage“, das „Treasure Island“ und das „Caesars Palace“ bekannt vorgekommen. Und auch die resoluten Mexikaner, die einem ziemlich aufdringlich Flyers für die Strip-Shows andrehen wollen, sind noch da.

Aber sonst muss da in den vergangenen Jahren eine ziemliche Bauwut geherrscht haben. Und angesichts der Finanzkrise eigentlich noch immer.

Las Vegas - Die ewige Baustelle.
Las Vegas, die ewige Baustelle Foto: Ralph Hutter

Es bleibt mir nicht viel anderes übrig, als Las Vegas einfach neu zu entdecken. Im Gegensatz zu Claudia Lambrich bin ich nicht ungeingeschränkter Las-Vegas-Fan. Diese grell leuchtende Stadt lockt mich immer wieder an, aber spätestens nach zwei Tagen bin ich gesättigt mit Eindrücken, ziemlich nahe an der Reizüberflutung. Blinken, bimmeln, draussen heiss, drinnen heruntergekühlt und eben die allgegenwärtigen mexikanischen Strip-Show-Flyer-Verteiler. Da hilft entweder Abreisen oder sich auf einen Ausflug in Richtung Hover Dam zu machen. Aber keine Angst, ich finde Las Vegas einzigartig und toll. Das wird kein Las-Vegas-Bashing-Artikel!

Shopping, Shopping, Shopping

Ich frage mich, ob ich beim letzten Besuch einfach blind durch Las Vegas gelaufen bin, zuviel Zeit an den Slot Machines verbracht hatte oder ob mir die Shopping Malls damals einfach nicht aufgefallen waren.

Shopping, shopping, shopping
Sex sells (Now that we have your attention…). Foto: Ralph Hutter

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Shopping Malls wesentlich mehr Platz einnehmen als die Casinos, obwohl die sogar noch schlechter frequentiert sind. Es ist überall gespenstisch leer. „Gleich viele Gäste oder Kunden wie Personal“ hätte fast als Faustregel gelten können. Ein typischer Montag ausserhalb der Hauptsaison vermute ich jetzt mal. Dafür hat man die ungeteilte Aufmerksamkeit der Angestellten.

In vielen Shops wird man mit einem herzlichen „Hi-guys-how-are-you-doing-we-have-30%-Discount-on-everything-today“ begrüsst. Die ganzjährige Discount-Schlacht geht angesichts der Krise in eine neue Runde.

Wo ist die schummrige Casino-Atmosphäre geblieben?

Vielleicht habe ich nur mehr Zeit in den Malls verbracht, weil die neuen Casinos ihren ursprünglichen Charme verloren haben. Ich vermisse die schummrige, verrauchte Atmosphäre im speckigen 70er-Jahre-Dekor mit einem billigen Barpianisten im Hintergrund, welcher das Klimpern der Münzen untermalt.

Und das ist die grösste Enttäuschung: Das Klimpern fehlt. Es gibt kaum mehr Slot Machines, die mit Quarters gefüttert werden können. Nur noch mit Noten und mit Tickets. Und auch der Gewinn wird nicht in Münzen ausbezahlt. Damit hat sich für mich das Spielen an den Slot Machines erübrigt. Immerhin kann man in den Casinos noch rauchen. Aber ich rauche ja nicht mehr.

Ich sollte aufhören, mit fixen Vorstellungen in Städte zu reisen. Pseudo-romantische Erwartungen an Venedig oder das von Hollywoodfilmen und Musikvideos propagierte Hochglanz-Image von Los Angeles sind gute Voraussetzungen, enttäuscht zu werden.

Höchste Zeit also, mich von meinen Jugenderinnerungen an Las Vegas zu trennen und das moderne Las Vegas neu zu entdecken.

Im nächsten Post werde ich über Hotels, Essen und einige kuriose Betrachtungen schreiben und schauen, ob ich nach zwei Tagen tatsächlich genug von Las Vegas habe und wie ich meine „Anti-Reizüberflutungsstrategie“ in die Praxis umgesetzt habe.

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