Letzthin markierte Blogger-Kollegin Katja auf Facebook einen „Weltwoche“-Link mit dem Status „Like“. Der Artikel stammte von Daniela Niederberger und war mit „Blöffsack-Journalismus“ betitelt. Die Journalistin beschreibt darin – nicht ohne Selbstironie -, wie vermeintlich originelle Superlativ-Artikel eines Journalisten Ideenlosigkeit kaschieren und erst noch tüchtig das Ego aufplustern: der beste Koch, der schlechteste Manager, die hippste Stadt etc.

Der Artikel erinnerte mich an eine Idee, die ich vergangenes Jahr ohne Erfolg einem Schweizer Printmedium vorgeschlagen hatte: Die Listeninflation. Überall wimmelt es von Listen, Rankings etc. – nicht zuletzt im Reisejournalismus. Ein paar Beispiele:

Dabei folgt der Listen-Journalismus einem ähnlichen Prinzip wie der so genannte „Blöffsack-Journalismus“. Erstens: Man muss sich nicht den Kopf zerbrechen, um auf spannende Listen zu kommen. Zweitens: Man gibt sich als Kenner aus, als Connoisseur, als vielgereiste Person. Weitere Vorteile existieren en masse:


Der Aufwand konvergiert gegen null. Man wurstelt selbst etwas zusammen oder bedient sich einfach am reichen Fundus im Netz, indem man eine bestehende Liste kommentiert, plagiarisiert oder kopiert.
Der Listenreichtum ist unendlich. Es gibt ganze Webseiten, die nichts anderes als Listen sammeln – oft illustriert mit passenden Fotos.

Rechenschaft ist ein Fremdwort. Wie ist eine Liste zustande gekommen? Ausser bei den zwei, drei renommierten Listen zur Lebensqualität etc. interessiert sich keiner dafür. Die renommierten Listen haben gleichzeitig den Vorteil, dass sie jährlich publiziert werden und die Kommentare dazu fast eine Woche lang die Medien beherrschen. Das Allerbeste: alle publizieren dauernd Listen, es ist nichts Verwerfliches, niemand hinterfragt das Prinzip.

Der Erfolg ist gross. Denn dieser wird – zumindest online – in Anzahl Klicks gemessen und Listen mit dazugehörigen Fotos generieren immer viele Klicks. Die Listen sind auch oft kontrovers, denn jeder weiss es besser. So sind Kommentare von anderen Usern garantiert. Und Interaktivität macht sich im Internet gut. So sind die Listen – natürlich auch hier im Blog – zu einem veritablen Selbstläufer geworden.

Die Begründung, weshalb die Idee damals abgelehnt worden war, lautete übrigens folgendermassen: „Grundsätzlich fände ich etwas Ironisches über diese Listen lustig – nur bedienen wir uns selber sehr oft an ebendiesen Listen resp. nehmen sie zum Anlass für eigene Storys… Insofern passt das nicht so bei uns – aber auf jeden Fall in deinen Blog!“ Gesagt, getan.

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