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Unser Reisetipp: Ehemalige Hauptstädte sind keineswegs immer verwahrlost und langweilig. Oft stellen diese Charakterstädte ihre nichtssagenden Nachfolger in den Schatten. Was im ersten Moment vielleicht paradox tönen mag, wird von diesem bunten Haufen vergessener europäischer Prachtstücke eindeutig bewiesen.

Posen, Polen

Der Vorteil von Orten, die vom Mainstream-Tourismus übersehen werden: Es herrscht freie Bahn für den unternehmungslustigen Entdecker-Typ unter den Feriengästen. Und diese mittelalterliche Stadt, ehemals Hauptstadt von Grosspolen, hält wirklich einiges an Überraschungen bereit.

Zum einen ist Posen gespickt mit faszinierenden kleinen Museen. Liebhaber von schnuckeligen, authentischen Orten werden das Croissant-Museum ins Herz schliessen; hier wird das süsseste Markenzeichen der Stadt geehrt: das mit Weissmohn gefüllte Posener Martinshörnchen. Während Schleckermäuler im örtlichen Schokoladenmuseum süsse Stunden verbringen können, werden Geschichtsfans an verschiedenen Ausstellungsorten in die Vergangenheit Posens zurückgeführt, unter anderem in die Blütezeit der Stadt im 10. Jahrhundert.

Etwas ausserhalb beeindrucken uralte Eichen im Park des Schlosses von Rogalin.

Edirne, Türkei

Planen Sie, wenn möglich, Ihre Reise nach Edirne für den Sommer, damit Sie eines der einzigartigsten Sportereignisse der Türkei, wenn nicht sogar der Welt, miterleben können: das glitschig-rutschige Kirpinar-Turnier, bei dem mit Öl eingeriebene Ringkämpfer gegeneinander antreten. Die Ursprünge dieses Turniers reichen bis in das Jahr 1 000 v. Chr. zurück; da ist es kein Wunder, dass diese Sportart den Guinness-Weltrekord für den längsten laufenden Sportwettkampf hält. Bejubeln und bestaunen Sie also stämmige, mit Öl beschmierte Kerle, bekleidet nur mit einer knielangen Lederhose, die sich auf offenem Feld zu Leibe rücken. Die UNESCO zählt diesen Sport sogar zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Edirne, ehemalige Hauptstadt des Osmanischen Reiches (bevor Mehmed II. im Alter von 21 Jahren Konstantinopel eroberte und den Hauptsitz des Reiches dorthin verlagerte), hat jedoch noch viel mehr zu bieten. Allein die Moscheen sind unglaublich beeindruckend, insbesondere die Selimiye-Moschee aus dem 16. Jahrhundert – mit ihrer überwältigenden Zentralkuppel und den Minaretten mit mehreren Balkonen erhebt sie sich imposant über die Stadt.

Syrakus, Italien

Die glorreiche Vergangenheit der ehemaligen griechischen Hauptstadt des alten Siziliens ist auch heute noch eindrucksvoll erkennbar. Wobei man genauso gut von einer glorreichen Gegenwart sprechen kann: Dieses an der Küste gelegene Stück Siziliens ist einfach ein reizendes Fleckchen Erde – gut erhaltene Ruinen erzählen Geschichten einer längst vergangenen Kultur, zahlreiche Cafés laden zum Verweilen ein und verträumte Plätze sowie ein Labyrinth aus mittelalterlichen Strassen lassen einen Spaziergang durch den Ort zu einem eindrucksvollen Erlebnis werden.

Erforschen Sie die Überreste dieser dreitausend Jahre alten korinthischen Metropole im Parco Archeologico della Neapoli, einer der faszinierendsten antiken Stätten Siziliens. Im Süden von Syrakus erstreckt sich die Insel Ortygia ins Meer. Sie bildet das historische Zentrum der Stadt und beeindruckt nicht nur mit ihrer barocken Kathedrale, die mit dorischen Säulen eines Athenatempels aufwartet, sondern ist auch eine der stilvollsten und beliebtesten Ecken der Stadt – sowohl bei Feriengästen als auch bei den Einheimischen.

Varaždin, Kroatien

Nur zwei Autostunden von Zagreb entfernt liegt diese hübsche Barockstadt, die sich einst als Hauptstadt Kroatiens behauptete. Wenn Sie voll und ganz in die Atmosphäre des 18. Jahrhunderts eintauchen möchten, kommen Sie am besten von Ende September bis Anfang Oktober hierher, denn dann werden abends die Strassen der Stadt mit Barockmusikkonzerten erfüllt; eine besseres Kulisse für diese zarten Klänge kann man sich fast gar nicht vorstellen. Trg Kralja Tomislava, der Hauptplatz der Stadt, legt mit seinen verzierten Fassaden noch eine Portion barocken Glanz oben drauf.

Im Gegensatz zu den Tausenden von Käfern, die in dem im Palača Herzer befindlichen Insektenmuseum Gross und Klein zum Staunen bringen, ist die Stadt jedoch keinesfalls konserviert; ganz im Gegenteil: Marionettentheater und Opernaufführungen bringen reichlich Schwung und Abwechslung in das kulturelle Leben vor Ort.

Nafplio, Griechenland

Was man Venedig und seinen Einwohnern keinesfalls vorwerfen kann, ist schlechter Geschmack – zumindest aus historischer Sicht. Nun, da ist also Venedig, eine der schönsten und romantischsten Städte unseres Planeten. Dann gibt es da aber auch einen weniger bekannten Ort, der jedoch keinesfalls weniger bezaubernd ist: Nafplio, die zweite Hauptstadt Griechenlands nach dessen Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich.

Tatsächlich kauften – ganz genau, kauften – die Venezianer Nafplio einige Zeit vor dem Wendepunkt im 19. Jahrhundert, und das muss etwas heissen, denn die haben schliesslich Geschmack. Elegant an einem Hafen gelegen bietet dieser Ort eine herrliche Aussicht auf den Argolischen Golf. Das venezianische Erbe überdauert heute sowohl in wunderhübschen historischen Gebäuden als auch, wenn man so möchte, in der modernen Version der Stadt – schicke Boutiquen und stylishe Cafés locken unter anderem betuchte Athener aus der weitaus weniger hübschen aktuellen Hauptstadt.

Coimbra, Portugal

Willkommen im Oxford Portugals – oder so ähnlich. Die Studenten, die dieser mittelalterlichen ehemaligen Hauptstadt und derzeitigen Bildungsmetropole des Landes eine erfrischende Lebendigkeit verleihen, sind schwer zu übersehen: In ihren schwarzen Roben schreiten sie die historischen Strassen entlang, in der Hand eine Aktentasche und mit farbigen Bändern geschmückt, die das jeweilige Studienfach symbolisieren.

Begeben Sie sich auf eine Zeitreise die steilen Kopfsteinpflasterstrassen hinauf zur goldverzierten Kathedrale, während wehmütige Klänge eines Fado-Klageliedes in der Luft liegen. Nur gelegentlich werden Sie die reichlich vorhandenen Graffitizeichnungen, die der Ort ebenfalls den hiesigen Studenten zu verdanken hat und die sich auf aktuelle politische Themen beziehen, in die Gegenwart zurückholen.

Roskilde, Dänemark

Der Legende nach wurde Roskilde von einem Wikinger namens Ro gegründet. Die Wildheit dieser rauen Seefahrer besteht bis heute in musikalischer Ausprägung in der Stadt fort: Jedes Jahr im Sommer bevölkern Tausende Rockmusik-Fans aus Dänemark und andern Ländern den Ort, um eines der grössten Musikfestivals Europas mitzuerleben. Roskilde, ehemals Sitz der Kirche und bis zum 15. Jahrhundert Hauptstadt Dänemarks, ist heute weit und breit bekannt für dieses aussergewöhnliche Musikspektakel. Festival verpasst? Keine Sorge, das Museum Ragnarock hat das ganze Jahr über geöffnet und nimmt seine Besucher mit auf eine fetzige Sinnesreise in die Welt des Rock, Pop und der Jugendkultur.

Wenn moderne Sounds Sie nicht wirklich in Begeisterung versetzen, ist das Wikingerschiffsmuseum mit seinen beeindruckenden Ausstellungsstücken vielleicht etwas für Sie: Fünf restaurierte, 1 000 Jahre alte Schiffe, die im Roskilde-Fjord gefunden wurden, können hier besichtigt werden.

Winchester, England

Ehemalige Hauptstadt Englands und davor Hauptstadt des Königreichs Wessex, Revier von König Egbert – dem ersten König des Landes mit einem zugegebenermassen nicht allzu modernen Namen – und später von Alfred dem Grossen und Wilhelm dem Eroberer sowie Schauplatz der sagenumwobenen Tafelrunde von König Artus … Winchester nimmt eine nicht unbedeutende Rolle in der Geschichte Englands ein. Das belebte Städtchen bietet nicht nur urchige Lokale, in denen man genüsslich schlemmen kann, sondern auch eine authentische Atmosphäre gespickt mit englischer Geschichte und Legenden.

Ein absolutes Muss bei einem Besuch dieser Stadt ist neben dem Rittersaal des Winchester Castles, in der auch ein Abbild von König Artus’ Tafelrunde begutachtet werden kann, die Kathedrale von Winchester. Doch schon ein Spaziergang durch die von Häusern im elisabethanischen und georgianischen Stil gesäumten Strassen fühlt sich an wie eine lebendige Geschichtsstunde.

Kilkenny, Irland

Einen hübscheren Ort in Irland kann man sich fast nicht vorstellen. Schliesslich kommen die Massen an Touristen nicht ohne Grund in diese ehemalige, mittelalterliche Hauptstadt. Die Steinhäuser im Tudorstil und die hübschen georgianischen Strassen, die am River Nore entlang verlaufen, der wiederum den Burggraben des Kilkenny Castles bildet, zaubern eine historische Version Irlands hervor, wie sie sonst nirgends zu finden ist.

Möglicherweise sehnen Sie sich in den örtlichen Gebäuden nach etwas mehr Platz, aber die charmanten Pubs, in denen die Gäste genüsslich ein Pint Bier schlürfen, lassen einen die beengten Verhältnisse leicht vergessen. Essen kann man hier ebenfalls gut und reichlich, auch wenn unangebrachte Gerüchte immer wieder die irische Küche in ein schlechtes Licht rücken.

 

 

 

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Getaggt: Kultur, Stadt

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