In der Berliner Kastanienallee lassen sich nasskalte Wochenenden so schön vertrödeln wie sonst kaum wo. Zwei Strassencafés, die echte Alternativen zur winterlichen Flucht in den Süden bilden.

Entweder zwei Meter Schnee und minus zehn Grad oder zwei Meter hohe Wellen und dreissig Grad. Entweder ein richtiger Winter oder dann eben ab in den Süden. Von November bis Februar hält einen kaum etwas im Schweizer Mittelland – schon gar nicht der graue Schleier, der die Städte dauernd umhüllt.

Nicht so Berlin. Die Stadt bietet eine kleine Oase an bester Lage. Zwar ohne Wellen und Palmen, dafür aber mit grossen und gemütlichen Sofas, leckeren Frühstückstellern und riesigen Tassen Kaffee, worin man freiwilig ertrinken würde, um dem Winterblues zu entkommen. Die Kastanienallee bietet die goldrichtige Mischung für ein vertrödeltes Wochenende à discretion.

Zum Beispiel im Café Schwarzsauer. Mit dem gleichnamigen traditionellen deutschen Gericht – das dem Inneren einer Blutwurst ähnelt – hat das Lokal an der Kastanienalle 13/14 übrigens nichts zu tun. Denn dort gibt es bereits seit 1993 vor allem eines: eine umfassende Frühstückskarte. Die Einrichtung ist nicht so schick wie an anderen Adressen in der Allee. Dafür ist das Angebot seinen Preis wert und das Personal unkompliziert – schnörkellos eben. Und obwohl es Frühstück bis 17 Uhr gibt, scheinen sich manche Gestalten aus dem Quartier am Wochenende jeweils beeilen zu müssen, damit sie noch was kriegen, bevor die Küche schliesst.

Wer es alternativer und ausgefallener mag, geht ins Café Morgenrot an der Kastanienalle 85. Das Frühstücksbuffet kostet vier bis acht Euro, wobei das eigene Portmonnaie entscheidet. Richtig gehört: In diesem basisdemokratisch verwalteten Lokal können die Gäste die Preise mitbestimmen. Dass das wirklich funtioniert, spricht für die Genossinnen und Genossen. Im Gegensatz zu anderen Cafés können hier auch Vegetarier und Veganerinnen kräftig zulangen.

Manche nennen die Kastanienallee auch Castingallee, weil sich die Szene hier gerne zeigt und sich selber zuschaut. Man kann das mögen oder nicht. Doch alleine das Beobachten der Leute, die hier ein- und ausgehen, ist so spannend und gleichzeitig unterhaltend, dass man prompt das hässliche Winterwetter vergisst.

Wer sich durch den Nebeldeckel des Mittellands hindurch selber ein Bild machen will, findet bei Myvideo.de einen kurzen audiovisuellen Rundgang durch die Kastanienallee.

Tagged: Archive, Deutschland

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