Schon der Neubau wurde zum medialen Spektakel im Blitzlichtgewitter: Der deutsche Inbegriff eines Grandhotels, Luxus pur und Gäste, die als Crème de la Crème zu bezeichnen sind – das alles sollte in Berlin 1997 eine glanzvolle Wiederauferstehung feiern. Ein Stück des alten Berlins aus der Glamourzeit vor dem Dritten Reich sollte wiederbelebt werden. (Fotos zur Vergrösserung bitte anklicken.)

Viele Hoffnungen und Plänen hatte man, als das neue Hotel Adlon am 23. August 1997 mit Pomp und einer Gala eröffnet wurde. Das neue Adlon steht nun an Berlins alter und neuer Prachtallee Unter den Linden im begehrten Stadtteil Berlin-Mitte in direkter Nachbarschaft zum Berliner Tor und dem Pariser Platz. Zentraler geht es nicht im neuen Berlin.

Aufstieg um die Jahrhundertwende

Das alte Adlon wurde 1907 eröffnet. Wie das neue Hotel heute, befand sich auch das ursprüngliche Hotel Unter den Linden. Mit dem beginnenden 20. Jahrhundert war auch für den Landadel das grossstädtische Leben mit seinen Amüsements, der Oper, seinen Bällen und Zerstreuungen beliebt geworden. Luxuriöse Unterkünfte mit dem nun gewünschten Service sowie edler Küche wurden gebraucht. Modern sein aber wollte das Berlin der Kaiserzeit, und so wurde der Bau eines ganz neuen Hotels sehr begrüsst. Sogar Kaiser Wilhelm II. bemühte sich persönlich um den Grundstückserwerb durch den Hotelier Lorenz Adlon. Mit so prominenter Unterstützung war auch der Abriss des von Kalr Friedrich Schinkel entworfenen Palais Redern, der zuvor dort stand, kein Problem.

Im Oktober 1907, zwei Tage vor der Eröffnung, besichtigte der Kaiser mit grossem Gefolge den Neubau. Er war begeistert vom Luxus und Komfort des Nobelhotels. Kein Wunder, denn so viel Luxus und Bequemlichkeiten bot sein Berliner Schloss nicht. Und so wurde Wilhelm II. Stammgast im Hause „Adlon“ – und ein unbezahlbarer Werbeträger für das neue, im klassizistischen Stil (mit ein paar Jugendstildetails) errichtete Hotel.

Das „Adlon“ der Kaiserzeit wurde so schnell zum Mythos wie kein anderes Hotel Europas und fungierte auch als Ersatz-Gästehaus des Kaisers. Bald stiegen gekrönte Häupter und sonstige bedeutende Persönlichkeiten hier ab. Selbst nach dem Ende der Monarchie und dem verlorenen Ersten Weltkrieg verzeichnete das Haus kaum einen Einbruch der Besucherzahlen. Mit den prickelnden Goldenen 1920er Jahren und Berlins neuer Rolle als Metropole der Unterhaltung änderte sich nur die Gästeliste, die nun vor allem Filmstars und Grössen der Musik sah, von Josephine Baker bis Charlie Chaplin.

Abstieg im Dritten Reich

Der Einbruch erfolgte schliesslich 1933 mit der Machtergreifung Hitlers, denn vor allem die US-amerikanischen Gäste blieben aus. Die NS-Prominenz verschmähte das weltoffenen Haus und traf sich lieber im „Kaiserhof“. Das änderte sich erst nach 1943, als der Kaiserhof im Bombenhagel zerstört wurde.

Der Bau brannte Anfang Mai 1945 bis auf einen der hinteren Seitenflügel ab, der bis nach 1980 als Hotel und Restaurant genutzt wurde. Was einst das brodelnde Zentrum einer Weltstadt war, wurde nun weitgehend als freie Schuss- und Beobachtungsfläche gebraucht, denn die Grenze verlief ja unmittelbar am Berliner Tor. Zuletzt dienten die „Adlon“-Reste als Internat für Berufsschüler. Im Jahr 1984 war das baufällige Haus schliesslich nicht mehr zu retten und wurde abgerissen.

Neuanfang in den 1990ern

So schien Berlins nobelstes und bekanntestes Hotel Geschichte zu sein. 1995 gelang es aber einem Immobilienfonds, mit dem Bau eines neuen Hotels zu beginnen, der 1997 abgeschlossen war. Errichtet wurde keine originalgetreue Kopie des alten „Adlons“, doch hat der Bau deutliche Anklänge an das Original und ist eine moderne Interpretation des alten Hotel-Geistes mit historisierenden Fassaden. Durch die fast gleiche Bauhöhe entsteht auch der Eindruck, dass das alte „Hotel Adlon“ wiederauferstanden ist. Die Bedeutung dieses Baus für Berlin ist auch daran erkennbar, dass der damalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog das neue Adlon persönlich eröffnete.

Das heutige Hotel Adlon Kempinski verfügt über 304 geräumige Zimmer und 78 elegante Suiten, dazu Spa- und Wellnesseinrichtungen, einen unschlagbaren Service und natürlich ein Restaurant mit Michelin-Stern.

In der Serie „Hotellegenden“ stellen wir in unregelmässigen Abständen besonders berühmte Hotels dieser Welt vor. Im Teil 1 ging es um das Hamburger „Atlantic“.

Alle Fotos: Hotel Adlon Kempinski

Tagged: Archive, Deutschland

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