Friedensreich Hundertwasser, eine Name ruft Bilder in uns wach, Bilder von bunten Fassaden, Wäldern auf Dächern und einer Welt wie in einer „Villa Kunterbunt“ für Grosse. So ist es kein Wunder, dass der Name „Hundertwasser“ Menschen anzieht, besonders im architektonischen Bereich und vor allem Touristen. Denn im Urlaub ist man bereit, Neues zu erleben und andere Gedankenwelten kennenzulernen. Da geben wir uns gern dem Zauber von Friedensreich Hundertwassers bunten Traumwelten hin.

Eigentlich hiess Hundertwasserder 1928 in Wien geborene Künstler Friedrich Stowasser und wurde nach dem frühen Tod des Vaters von seiner jüdischen Mutter allein aufgezogen. Er begann schon in seiner kurzen Zeit an der Wiener Akademie der Künste 1948 seine Werke mit Hundertwasser zu signieren, denn er hatte entdeckt, dass die Vorsilbe „sto“ in slawischen Sprachen „hundert“ bedeutet. Hundertwasser starb im Jahr 2000 an Bord der Queen Elisabeth II auf der Reise von Neuseeland nach Europa.

Eines seiner letzten Projekte wurde kürzlich im niederbayerischen Abensberg eröffnet. Mitten im bayerischen Hopfenanbaugebiet Hallertau ist eine Touristenattraktion entstanden, die Besucher in die Region ziehen wird. Motor des Projekts war der Inhaber der örtlichen Weissbierbrauerei Leonhard Salleck, für den der Turm Teil seines Marketingmixes ist. So kann den Turm nur besichtigen, wer an einer – immerhin sehr kurzweiligen – Brauereiführung teilnimmt.
Ursprünglich sollte der Hundertwasser-Turm doppelt so hoch werden, doch das Denkmalamt legte sein Veto ein, was sich laut Brauereibesitzer Salleck im Nachhinein als Segen erwies. Entstanden ist nun ein typischer Hundertwasser-Turm, bunt und wie aus dem Märchenland, mit vielen Erkern, goldenen Dächern und einer grossen Kuppel. Und natürlich: oben gedeihen üppige Bäume und Sträucher. Überall in dem Bau findet der Besucher bunte, liebenswerte Details.

Es gibt noch mehr sehenswerte Hundertwasserbauten in Süddeutschland. In Plochingen am Neckar wurde die Marktstrasse nach Plänen von Hundertwasser neu gestaltet. Es entstand dort 1994 eine Anlage mit Innenhof und integrierten Wohnungen sowie Gewerbeflächen, deren komplette Innenhof- und Fassadengestaltung der Künstler übernahm. Er machte aus der geradlinigen Fassade eine „organische“, versah sie also mit Rundungen, Ecken, Absätzen und Kanten, änderte Form und Anordnung der Fenster und beseitigte das vorhandene strenge Raster. Und er fügte der Anlage den „Regenturm“ hinzu. Er gab der Stadt Plochingen damit ein neues, weithin von der Autobahn aus sichtbares Wahrzeichen.

Schon 1982 gestaltete Hundertwasser die Fassade der bekannten Porzellan-Fabrik Rosenthal in Selb neu. Die alte Porzellanfabrik wurde zu einem Beispiel für Hundertwassers Verständnis einer natur- und menschengerechten Architektur. Er nahm der Fabrik das graue Betongesicht. Stattdessen lädt uns nun ein Mosaik verspiegelter, schwarz glasierter oder silbern glänzenden Keramikfliesen, in völlig unregelmässiger Form ein.
Die übliche symmetrische Fassadengestaltung wurde durch eine collagierte und unregelmässig in freien künstlerischen Formen gestaltete Anordnung ersetzt. Dazu begrünte der Künstler auch das Dach und integrierte Pförtnerhaus und den Mitarbeiterparkplatz in das Gesamtkunstwerk.

Der stetige Touristenzulauf aller Hundertwasserbauten und die vielen Laute des Staunens geben immer mal wieder auch Architekten zu denken, deren Credo manchmal so uniform, abweisend und fast lebensfeindlich wirkt: glatte, grosse Flächen, streng rechteckig angeordnet, kaltes Glas, nackter Beton, viel schwarz und weiss, die maritime Variante mit einem runden Fenster. Kindergärten, in denen es selbst Erwachsene fröstelt, werden als ungemein kreativitätsfördernd verkauft. Hundertwassers Architektur ist der totale Gegenentwurf dazu, verspielt, rundlich-gemütlich und eben ein bisschen wie die „Villa Kunterbunt“. Dass man seine Kunst in diesen Architektur-Kreisen „Fassadenbehübschung“ nennt, scheint Millionen Besuchern herzlich egal zu sein.

Weitere Hundertwasser-Bauten findet man beispielsweise auch auf Reisen durch die Mitte Deutschlands und bei einem Besuch in Wien.

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