Frida Kahlo war eine der bedeutendsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts und eine der grossen weiblichen Identifikationsfiguren Lateinamerikas. Auch in Europa ist die Malerin mit den farbintensiven Gemälden längst Kult. Berlin widmet Kahlo derzeit eine Retrospektive, die als absolutes Highlight im Berliner Kulturkalender dieses Jahres gilt. Kein Wunder also, dass die Berliner zu Tausenden am 30. April stundenlang Schlange standen, als die Ausstellung für das Publikum eröffnet wurde. (Fotos zur Vergrösserung bitte anklicken!)

Der unverwechselbare Stil der Mexikanerin machte sie zur Ikone der lateinamerikanischen Kunst. Dennoch war sie in Europa fast in Vergessenheit geraten, aus der sie 2002 erst der Film „Frida“ mit der kongenialen Musik von Elliot Goldenthal herausholte. Der Film zeigte Frida Kahlo als faszinierende Frauengestalt zwischen illustren Männern und Frauen.

Selten konnte man bisher Frida Kahlos Kunst in Deutschland im Original sehen, um so bedeutender ist diese bisher umfassendste Werkschau. Der deutsche Kulturstaatsminister Bernd Naumann betonte bei der Eröffnung am 29. April:

„Für Deutschland, das in keiner öffentlichen Sammlung ein Gemälde Frida Kahlos besitzt, ist diese Ausstellung ein herausragendes Ereignis: 150 Werke der bedeutendsten Malerin Mexikos, ja Lateinamerikas werden gezeigt. Es grenzt an ein Wunder, so viele der zentralen Kunstwerke Frida Kahlos in einer Ausstellung zu vereinen, da sie als nationales Kulturgut Mexikos nur in ganz seltenen Fällen ausgeliehen werden.“


Es gelang für diese Retrospektive erstmals, die beiden existierenden grossen Sammlungen zusammenzubringen, die Olmedo- und die Gelman-Sammlung. Erst dadurch liessen sich weitere 45 Privatsammler dazu bewegen, ihre Bilder auszuleihen. So war es möglich, die mit rund 150 Gemälden und Zeichnungen umfangreichste Werkschau Frida Kahlos pünktlich zum 100. Jahrestag der mexikanischen Revolution zusammenzustellen.

Auch Frida Kahlo, die Tochter des deutschen Fotografen Carl Wilhelm Kahlo und einer Mexikanerin, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden, wenn man denn ihren Wahlgeburtstag, den 7. Juli 1910 zugrunde legt. Eigentlich wurde sie nämlich schon drei Jahre früher in Coyoacan geboren. Aus Begeisterung für die mexikanische Revolution wählte sie jedoch diesen Tag und betrachtete diese Umdeutung als ihre erste Selbsterfindung, ihren ersten Neuanfang, dem noch so viele weitere folgen sollten.

Leidvolle Brüche kennzeichnen ihr Leben. Es begann mit einer Kinderlähmung, die das Mädchen von Kindheit an hinken liess. Im Alter von 19 Jahren erleidet sie 1925 einen schrecklichen Busunfall, bei dem sie sich Wirbelsäule und mehrere Gliedmassen brach. Zu allem Unglück durchbohrte auch noch eine Stahlstange ihren Unterleib. Das alles führte zu lebenslangen, unausgesetzten Schmerzen und grosser Unruhe. Sie heiratete den 20 Jahre älteren Maler Diego Rivera und betrachtete diese Ehe später als zweiten schlimmen Unfall ihres Lebens. Zahlreiche Affären beider Ehepartner zerrütteten die Beziehung. Frida Kahlo hatte Verhältnisse mit mehreren Frauen und Männern, darunter auch mit Leo Trotzki, der sowjetischen Revolutionsikone.

Die Berliner Retrospektive dokumentiert Frida Kahlos künstlerische Entwicklung zwischen Neuer Sachlichkeit, dem avantgardistischen mexikanischen Estridentismus bis hin zum Surrealismus mit vielen in Europa weitgehend unbekannten Werken. Einblicke in Frida Kahlos Leben gibt eine Fotoschau aus dem Besitz der Familie Kahlo. Kuratorin dieses Ausstellunsgteils ist Christina Kahlo, die Grossnichte der Malerin.

Die überaus sehenswerte Ausstellung im Gropius-Bau ist mittwochs bis montags von 10-20 Uhr geöffnet. Sie endet am 9. August 2010.

Alle Fotos: Keystone; Jens Kalaene

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