Morgen, am 31. Juli, startet die Online-Spiele-Messe „Games Convention“ in Leipzig. Das ganze Wochenende über können sich Game-Interessierte auf dem Messegelände austoben und die Neuheiten sämtlicher Spiele-Schmieden testen.

Die sächsische Stadt hat übrigens eine jahrhundertelange Messe-Tradition, und selbst während des Kalten Krieges sorgten Grossereignisse wie die Buchmesse regelmässig dafür, dass das Ausland auf dem Gebiet der DDR zu Gast war und etwas frischer Wind hineinwehen konnte. Umso schöner, wenn es die Stadt mit „jungen“ Messen wie der „Games Convention“ nun schafft, am Ball zu bleiben und den Anschluss an die Moderne nicht zu verlieren.
Überhaupt gilt Leipzig – der ewige Konkurrent zur nur 100 Kilometer entfernten und ebenfalls etwa 500.000 Einwohner zählenden Stadt Dresden – als eine der modernsten Städte des Ostens. Diverse Bildungseinrichtungen wie die Universität, die Handelshochschule (HHL) oder die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) locken immer wieder junge Leute von überall her in die Stadt. Dank des Deutschen Literaturinstituts (DLL) und der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), an der beispielsweise Neo Rauch unterrichtet, ziehen auch immer wieder junge Kunstschaffende nach Leipzig.

Zumindest unter den Studenten in Leipzig haben sich die beiden einst getrennten Teile Deutschlands inzwischen wunderbar durchmischt. Und sie alle profitieren von Einem: dem preiswerten Leben. Wegen des Wohnungsleerstands können es sich in Leipzig selbst Studenten leisten, in Altbauten zu wohnen, vom IKEA-Bett aus an die Stuck-geschmückte Decke zu starren oder beim Aufstehen auf warmen Parkettboden zu treten. Wahre Luxus-Wohngemeinschaften lassen sich dort gründen und finden.

Eines der schönsten Stadtteile ist das Waldstrassenviertel. Es ist das grösste Gründerzeitviertel Europas und weiss, mit besonders vielen schönen Häusern aufzuwarten. Es ist aber auch eines der vergleichsweise teuren Wohngebiete – wenngleich für Zürcher Verhältnisse noch immer spottbillig.
Viele Studenten leben in Schleussig (und damit ganz nah am Karl-Heine-Kanal und dem Clara-Zetkin-Park) oder in der Südvorstadt, die als das Kneipenviertel gilt. Wer einmal da ist, sollte unbedingt einen Abstecher in die Kneipe „Hotel Seeblick“ machen, deren Website leider nicht allzu viel übers Interieur verrät. Die Atmosphäre dort ist aber entspannt und angenehm und offen, und vor allem an Fussball-Abenden zu empfehlen. Hier haben einige Leipziger Literaten einmal erzählt, in welchem Café sie am liebsten schreiben.

Auch beliebt für Kneipen-Touren ist die Gottschedstrasse, ganz zentrumsnah bei der Thomaskirche gelegen, in der Johann Sebastian Bach viele Jahre lang als Kantor wirkte. Von dort aus lassen sich beispielsweise die nette Bar „BARcelona“ (das schlechte Wortspiel sei verziehen) oder das Waschsalon-Café „Maga Pon“ besuchen, in der viele Folgen des Leipziger Krimis „Tatort“ gedreht wurden.

Wer also vorhat, zur „Games Convention“ zu fahren, sollte dem Messe-Wochenende vielleicht noch ein paar Tage der Stadt-Erkundung hinzufügen. Und, wenn ihr schon da seid: Berlin ist mit dem ICE nur eine gute Stunde entfernt. Wohl auch ein Grund, weshalb so viele Junge Leipzig mögen.

Alle Fotos: Keystone; Eckehard Schulz

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