Drei Leitthemen prägen das Programm der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010:

  • * der Mythos Ruhr,
  • * das Gestalten einer Metropolregion und
  • * wie man Europa bewegen kann.

Doch alle Aspekte sind auf komplexe Weise miteinander verwoben.Ruhr.2010-Logo Und alle zusammen münden immer wieder im grossen, alles umspannenden Mythos Ruhr, dem Gedanken, der die Bewerbung einer Region, in der man ohnehin längst aufgehört hat, die Stadtgrenzen optisch erkennen zu können, wie aus einem Guss erscheinen lässt. Alle diese Leitthemen zusammen erzählen die Geschichte vom beständigen Wandel: Ausgehend vom Mythos Ruhr, nimmt eine neue Metropole Gestalt an, die Europa mit Kunst und Kultur in Bewegung bringt.

Mythos Ruhr

Unbestreitbar zum „Mythos Ruhr“ gehören Kohle und Stahl, harte Arbeit, Solidarität und Arbeiterbewegung, aber auch Namen wie Krupp und natürlich der Fussball. Selbst zum Mythos geworden, steht Schalke 04 für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen, millionenfache Einwanderung, Heimatverbundenheit und Integration, Wirtschaftsboom durch das „schwarze Gold“, die Kohle also, und das Ende einer entscheidenden europäischen und globalen Epoche: der Industrialisierung.

Im Laufe von etwa 100 Jahren entstand durch Migranten, das Arbeitermilieu, expandierende Industrieunternehmen und grosszügige Mäzene eine ganz eigene Kulturlandschaft. Aber auch die vorindustrielle Zeit prägt das kulturelle Erbe des Ruhrgebiets: das Mittelalter mit Burgen und Schlössern, Kirchen und Klöstern.

Das Leitthema „Mythos Ruhr begreifen“ greift diese historischen Zusammenhänge auf und gliedert sich in drei Bereiche, denen jeweils Veranstaltungen und Ausstellungen zugeordnet werden:

  • * „Die Kunst der Erinnerung“,
  • * „Erste Liga“ und
  • * „Glauben“.

Während „Die Kunst der Erinnerung“ das spannende Szenario mittelalterlicher Fehden und fulminanter Renaissance-Feste ebenso zeichnet wie Bilder von Kumpeln und Einwanderern, präsentiert „Erste Liga“ die Vielfalt an Bewegungsräumen für Sportbegeisterte: Neben klassischen Sportstätten auch Ungewöhnliches wie Tauchen im Gasometer oder Klettern im ehemaligen Stahlwerk.

Der Bereich „Glauben“ schliesslich rückt die Religion in der Metropole Ruhr in den Mittelpunkt: Mit Menschen aus 170 Nationen der Erde ist in dieser Region eine faszinierende Vielfalt an Glaubensgemeinschaften zu Hause. Diese Vielfalt bietet eindrucksvolle Chancen, verborgene Schätze neu oder wieder zu entdecken ‒ sowohl im Sinne von Inspiration als auch von Reflexion und gegenseitiger Wertschätzung.

Die Metropolregion

Der Wandel weg von der Montan-Monostruktur war einschneidend und hart. Aber aus diesem Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte ist eine einzigartige urbane Kulturlandschaft entstanden: die Metropole Ruhr, ein scheinbar grenzenloses, polyzentrisches Stadtgebilde mit baulicher und sozialer Vielfalt, unterschiedlichen Lebensweisen und Lebenswelten.

2010 geht es um die gemeinsame Vision der Metropole Ruhr. Mit den baukulturellen und künstlerischen Arbeiten im Programmbereich „Metropole gestalten“ weckt die Kulturhauptstadt Neugierde, indem sie die Bedeutung der Orte verändert oder sie neu erfindet. Lokale, nationale und internationale Gestalter, Planer, Architekten und Künstler sind zum Querdenken aufgerufen. Dabei gliedert sich das Programmfeld „Metropole gestalten“ in drei Bereiche: Im Rahmen von „Baukultur“ werden zum Beispiel transformierte Monumente der Industriekultur, weitläufige Landschaftsparks neuen Typs und künstlerisch überhöhte Abraumhalden fokussiert.

Mit dem Bereich „Künstlerische Interventionen“ werden vergessene oder verschwiegene Orte umgewidmet. So beginnt das grösste Kunstprojekt von Ruhr.2010 Ende Mai: 100 Tage lang fungiert die Emscher-Insel als Ausstellungsort für Werke von 40 Künstlern. Die Arbeiten werden zum Beispiel an Schleusen, im Kanal oder auf Industriebrachen präsentiert. Der Bereich „Lichtkunst“ bietet dem Medium Licht eine Bühne; Wohnzimmer werden zu Ausstellungsorten für Lichtkunst, Kirchen öffnen sich für Lichtinstallationen, und ein Lichtkunst-Festival verzaubert das Ruhrtal und seine Spielorte.

Europa bewegen

Europa, das begann in der Nachkriegszeit mit Kohle und Stahl, denn hier nahm die Gründung der Montanunion, Vorläufer der EU, ihren Ausgang. So ist die Europäische Union an der Ruhr tief verwurzelt. Und der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ ist mehr Erwartung als Auszeichnung. Er drückt die Erwartung und Hoffnung aus, dass von der Ruhr neue Impulse, neue Modelle und Quergedachtes für Visionen des künftigen Europas ausgehen.

Eines der grossen Fragezeichen betrifft die Rolle der Kultur. Hier an der Ruhr soll sie noch mehr als identitätsstiftende Kraft ins Zentrum gesetzt werden als bisher. Man wird versuchen gerade im Hauptstadtjahr auf die Fragenkomplexe und Zusammenhänge zwischen Migration und Identität, Kultur und Bildung neue Antworten zu finden. Ein Programmbereich wird „TWINS“ sein, das grösste Städtepartnerschaftsprogramm in der Geschichte Europas: ein umfassendes Kulturprogramm, gestaltet von den 53 Städten der Metropole Ruhr und ihren mehr als 200 Partnerstädten in ganz Europa.

Dem Thema „Einwanderung“ stellt sich Ruhr.2010 mit dem Festival „MELEZ“: Bewohner der Region sowie künstlerische Institutionen diskutieren neue Konzepte für die Zukunft der Kultureinrichtungen in der vielfältigen Gesellschaft der Metropole Ruhr. Der dritte Bereich heisst „Wissenschaft“: Die Wissenschaftslandschaft der Metropole Ruhr ist eine der dichtesten und vielseitigsten in Europa. Einrichtungen aus Kultur, Wissenschft und allen anderen Bereichen urbanen Lebens präsentieren sich 2010 als Akteure Zusammen wollen sie einen zentralen Beitrag zu elementaren Themen der Gegenwart und Zukunft der Metropole Ruhr leisten, der durchaus auch Modellcharakter für andere Regionen in Europa haben kann.
Das Ergebnis könnte einst so aussehen, wie der Bereich Ruhr.2030″: Die Zukunft der europäischen Städte, erneuerbare Energien und Klimawandel, kulturelle Bildung und Berufschancen stehen im Mittelpunkt und werden in Praxis-Beispiele dargestellt.

Alles unter www.ruhr2010.de.

Tagged: Archive, Deutschland

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